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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tinnevelly - Tinte

Athabasca und Saskatchawan jagen; die Tahkali (Tacullies) oder Carrier-Indianer, die im W. des Felsengebirges bis zum Küstengebirge unter 52½-56° streifen und somit die einheimische Bevölkerung eines Teils von Britisch-Colombia bilden, und die Kutschin, die in den Gebieten westlich des untern Mackenzie zwischen 130 und 150° westl. L. von Greenwich bis zum 65.° nördl. Br. hausen. Nach den in neuester Zeit von Buschmann angestellten Forschungen bilden alle diese Völker zusammen nur den einen Ast eines räumlich ungemein verbreiteten, jedoch in sich teilweise sehr zersprengten Völker- und Sprachenstammes, welcher unter der Bezeichnung des athabaskischen Völker- und Sprachstammes in die moderne Ethnographie und Sprachwissenschaft eingeführt worden ist. Derselbe gliedert sich in drei oder vier Abteilungen, von denen die erste die genannten athabaskischen Völker im engern Sinne umfaßt, während eine zweite durch die unter fremden Stämmen eingesprengten Völkerreste der Qualhioqua, Tlatskanai, Umpqua und Hupah im Staate Oregon und in dem Territorium Washington gebildet wird; die dritte Abteilung umfaßt die Apachen (s. d.) mit den Navajo (s. d.) in den südlichsten Teilen der Vereinigten Staaten und den angrenzenden Gebieten Mexikos. Eine vierte Abteilung würden die Indianerstämme bilden, welche das Innere der Halbinsel Alaska einnehmen und im Süden derselben an einigen Stellen bis an das Meer reichen. Es sind das die den Kutschin benachbarten Nehåni (Nahaunie) des obern Jukon, die Unachotana und Kaijuchotana des untern Jukon, die K'naiachotana (T'naina oder Kenai) an der Südküste von Alaska und die ihnen benachbarten Ahtená (Atna) oder Kupferflußindianer. - Vgl. Buschmann, Der athabaskische Sprachstamm (Berl. 1856); ders., Die Verwandtschaftsverhältnisse der athabaskischen Sprachen (ebd. 1863); Waitz, Die Anthropologie der Naturvölker, Bd. 3 u. 4 (Lpz. 1862-64); ders., Die Indianer Nordamerikas (ebd. 1865): Dall, Contributions to North American ethnology, Bd. 1 (Washingt. 1877).

Tinnevelly, Stadt in Ostindien, s. Tirunelweli.

Tinnunculus, der Turmfalke (s. d.).

Tinoceras (grch.), Gattung der Dinoceraten (s. d.).

Tinos, eine der Cykladischen Inseln, s. Tenos.

Tinte, soviel wie Farbenton (s. d. und Farbenlehre).

Tinte (Dinte), Bezeichnung für gefärbte Flüssigkeiten, die zum Schreiben mit der Feder benutzt werden. Der Gebrauch der T. ist schon seit den ältesten Zeiten bekannt. Fast allgemein bediente man sich der schwarzen T., die aus Ruß, Gummi und Wasser bereitet wurde. Außerdem waren auch farbige T. im Gebrauch, die ebenso wie die schwarze T. mit feinen Pinseln aufgetragen wurden. Im 3. oder 4. Jahrh. n. Chr. tauchte die noch jetzt angewendete schwarze T. auf, die farbigen T. der Gegenwart haben dagegen mit Ausnahme der aus Pernambukholz oder Cochenille bereiteten roten T. erst mit der Verwendung der Anilinfarben allgemeinen Eingang gefunden. Man unterscheidet Gallus-, Blauholz- und Anilintinten, denen sich noch einige andere T. anreihen.

Gallustinten sind die aus gerbstoffhaltigem Material (meist aus Galläpfeln oder aus daraus hergestelltem Tannin) und Eisensalzen dargestellten T. Die alten Gallustinten, wie sie noch vor 40 Jahren ausschließlich fabriziert wurden, stellten trübe Flüssigkeiten dar, in denen das gerbsaure Eisenoxyduloxyd in feinster Verteilung durch Verdickungsmittel, wie z. B. arabisches Gummi, schwebend erhalten war. Für ihre Darstellung mag als Beispiel die bekannte Rungesche Vorschrift dienen: Man übergießt 4 kg gestoßene Galläpfel mit 22 l Wasser, läßt unter Umrühren zwei Tage stehen, preßt dann ab und setzt die Flüssigkeit im Sommer zwei Monate lang der Luft aus. Hierauf bringt man zu der geschimmelten Masse 2 kg Eisenvitriol und 11 kg Gummi in Lösung hinzu, so daß die Menge der T. 22 l beträgt. Bei den jetzt fabrizierten Gallustinten geht man zwar beinahe von denselben Rohmaterialien aus, man hat sich aber die bei der Darstellung eintretenden chem. Vorgänge zu Nutze gemacht und wesentliche Vervollkommnung des Fabrikats erzielt. In der weitaus größten Menge der Gallustinte des Handels ist das Eisen als gerbsaures und gallussaures Eisenoxydul in gelöster Form enthalten; sie bilden deshalb klare, filtrierbare Flüssigkeiten, die selbst beim Aufbewahren in offener Flasche zum Teil wochen- und monatelang klar bleiben und erst nach dem Schreiben auf dem Papier das Eisensalz in unlöslicher Form ablagern. Die erste derartig bereitete T., die heute noch als Vorbild für die meisten im Handel befindlichen Gallustinten gelten kann, war die sog. Alizarintinte A. Leonhardis in Dresden (1855). Nach der Patentschrift werden 42 Teile Gallen und 3 Teile holländ. Krapp mit so viel Wasser warm ausgezogen, daß die Flüssigkeit 120 Teile beträgt. Der filtrierten Flüssigkeit werden 1 1/5 Teile Indigolösung, 5 1/5 Teile Eisenvitriollösung und 2 Teile holzessigsaure Eisenlösung zugesetzt. Den Krappzusatz hat man später, nachdem man erkannte, daß die Indigolösung allein genüge, unterlassen und wohl auch die Vorschrift noch weiter geändert. Häufig ersetzt man die Indigolösung durch andere sauer reagierende Substanzen und erzeugt die verschiedenen Farbentöne der Gallustinte durch Zusatz kleiner Mengen Anilinfarben. Als konservierendes Mittel setzt man meist Carbolsäure hinzu. Die Blauholztinten werden aus Blauholzextrakt unter Anwendung von Kaliumdichromat, Chromalaun und verschiedenen, in der Färberei als Beizen gebrauchten Salzen und Säuren dargestellt. Sie haben gegenüber den Gallustinten den Nachteil, daß die Schriftzüge leichter vom Papier entfernt werden können, dagegen den Vorzug einer vorzüglichen Kopierfähigkeit. Ihrer Billigkeit wegen benutzt man sie häufig für Schulzwecke (Kaisertinte). Die Anilintinten sind halb- bis einprozentige Lösungen der entsprechenden Farben (z. B. Tiefschwarz, Phenolschwarz, Resorcinblau, Methylviolett, Methylgrün, Eosin) in Wasser unter Zusatz von etwas Oxalsäure und Zucker. Sie stehen in Bezug auf Echtheit und Beständigkeit den Gallus- und Blauholztinten bei weitem nach, besitzen aber meist große Kopierfähigkeit, die sich je nach der Menge des gelösten Farbstoffes steigert. Vor der Anwendung der Anilinfarben stellte man die rote T. meist aus Pernambukholz, Cochenille oder Karmin, die blaue aus Indigokarmin oder Berliner Blau dar. Ihrer Verwendung nach teilt man die T. wohl auch in Kanzlei-, Kopier-und Schreibtinten für Haus- und Schulgebrauch ein. Die Kanzleitinten müssen Gallustinten sein und nach den Grundsätzen für amtliche Tintenprüfung, wenn sie zur Klasse I gezählt werden sollen, im Liter mindestens 30 g Gerb- und Gallussäure und 4 g metallisches Eisen enthalten. Die Kopiertinten ent-^[folgende Seite]