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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Torsionsgeschütze - Tortola

differenz an den Enden des Galvanometerdrahtes, da der letztere stets einen bekannten konstanten Widerstand erhält, der 1 oder 100 Ohm beträgt, je nachdem das T. für stärkere oder schwächere Ströme benutzbar werden soll. Durch beigegebene Zusatzwiderstände läßt sich das T. in verschiedenen Empfindlichkeitsgraden verwenden. Es werden mit demselben direkt nur Spannungsdifferenzen, indirekt aber auch Stromstärken, Widerstände und elektromotorische Kräfte gemessen.

Torsionsgeschütze, s. Torsionswurfmaschinen.

Torsionswage oder (Coulombsche) Drehwage, ein von John Michell (gest. 1793) erfundenes, von Cavendish und Coulomb verwendetes Instrument zum Messen magnetischer und elektrischer Kräfte mittels der Torsionswinkel eines elastischen Fadens, wobei diese Kräfte auf einen Wagebalken wirken, der unten an dem lotrechten, ursprünglich ungedrehten Faden aufgehängt ist. Die zu messenden Kräfte lenken den Wagebalken um einen Winkel von seiner Ruhelage ab. Durch die dieser Ablenkung entgegengesetzte Drehung am obern Ende des Fadens, der den Wagebalken trägt, erlangt man Torsionswinkel, die proportional den zu messenden Kräften sind und daher als Maß für diese dienen können. Man hat magnetische und elektrische T. Die letztern lassen sich als Elektrometer (s. d.) verwenden und werden als Torsionselektrometer bezeichnet.

Torsionswinkel, s. Festigkeit und Schmiegungsebene.

Torsionswurfmaschinen. Die T. des Altertums beruhten im allgemeinen auf der Torsionselasticität (s. Torsion) zusammengedrehter Stricke, Haare oder Sehnen. Die geschoßbewegende Kraft wurde im allgemeinen auf folgende Art erzeugt: Ein aus zusammengedrehten Stricken, Haaren oder Tiersehnen gebildeter voller Cylinder, der sog. Spannnerv, wurde entweder wagerecht oder senkrecht befestigt; hierauf wurde ein Schwengel oder Arm mit dem einen Ende senkrecht in dem wagerechten oder wagerecht in dem senkrechten Spannnerv befestigt. Beim Zurückbiegen dieses Arms durch eine Spannkraft drehten sich die Stränge des Spanners derartig zusammen, daß der Arm, sobald die Spannkraft zu wirken aufhörte, in seine frühere Lage zurückschnellte. Es wurden zwei- und einarmige T. (Torsionsgeschütze) konstruiert. - Die zweiarmigen T. hatten die Form einer auf einem festgefügten Balkengerüst ruhenden großen Armbrust, anstatt des aus einem Stück bestehenden Bogens aber zwei voneinander unabhängige Arme, deren innere Enden in zwei an einem Mittelständer senkrecht angebrachten Spannnerven steckten, während ihre äußern Enden durch eine starke Sehne verbunden waren. Spannte man letztere an, so bogen sich die beiden Arme nach Art des Bogens einer Armbrust zurück, und beim Loslassen der Verbindungssehne vereinigte sich deren natürliche Schnellkraft mit der Gewalt der beim Vorschnellen der Arme sich zurückdrehenden Spannnerven. Zur Führung des Geschosses diente bei einer zweiarmigen Maschine eine Rinne.

Die einarmige Torsionswurfmaschine bestand aus einem Balkengerüst, in dessen Boden ein die Schußlinie rechtwinklig schneidender Bolzen wagerecht derartig angebracht war, daß seine beiden Zapfen in zwei an den Seiten des Gerüstes befestigte Spannnerven eingriffen; in der Mitte des Bolzens war ein Arm oder Stiel derartig befestigt, daß er für gewöhnlich senkrecht stand. Am obern Ende des Arms befand sich zur Aufnahme des zu schleudernden Gegenstandes eine Art Löffel oder ein hölzerner Kasten oder ein lederner Schleuderbeutel. Der Bolzen konnte mit seinen beiden Zapfen auch unbeweglich fest liegen; dann war das untere Ende des Arms oder Stiels mit der Mitte des Bolzens durch einen hier angebrachten Spannnerv derart vereinigt, daß der Arm unter Zusammendrehung des Spannnervs sich um den Bolzen in vertikaler Richtung zu drehen vermochte. Die Handhabung der einarmigen Maschine war in beiden Fällen dieselbe. Man zog das freie Ende des Arms mittels eines Windewerkes bis zur horizontalen Lage nieder, wodurch die Spannnerven zusammengedreht wurden, hielt den Arm in dieser Lage mit einem Haken fest und belastete den Löffel. Wollte man schleudern, so schlug man den Haken fort; der Arm wurde nun von dem sich aufdrehenden Spannnerven in die Höhe gerissen und gegen einen Querbalken geschlagen, so daß der Inhalt des Löffels fortgeschleudert wurde. Bei den einarmigen Maschinen konnte die Torsionskraft des Spannnervs auch durch einen mit Gewichten belasteten Kasten ersetzt werden, der am untern Ende des um den Querbolzen sich drehenden Armes befestigt war und hebelartig wirkte; die Wirkung war aber bedeutend schwächer als bei Anwendung des Spannnervs. Zu den T. gehörten Balliste, Karrenballiste, Katapulte, Onager, Skorpion (s. diese Artikel und Wurfmaschinen).

Torsk, s. Dorsch.

Torso (ital.), eigentlich der Baumstrunk, dann eine Statue, von der nur noch der Rumpf vorhanden ist, Kopf, Arme und Füße meist fehlen (s. das Vorblatt Torso zur Tafel: Hermes). Allgemein bezeichnet man als T. jedes unvollendet gebliebene oder teilweise zerstörte größere Werk.

Torstenson, Lennart, Graf von Ortala, schwed. Feldherr, geb. 17. Aug. 1603 zu Torstena in der schwed. Provinz Westergötland, war zuerst Page bei Gustav Adolf, zog als Artillerieoberst 1630 mit nach Deutschland und machte hier alle Feldzüge mit. Er ist der Schöpfer der vortrefflichen leichten Feldartillerie Gustav Adolfs, leitete deren entscheidende Verwendung in der Schlacht und galt als der hervorragendste Heerführer aus der Schule Gustav Adolfs. Beim Sturm auf Wallensteins Lager bei Nürnberg 3. Sept. 1632 wurde er gefangen und erst 1633 ausgewechselt; T. diente dann in Livland, darauf seit 1635 unter Bernhard von Weimar und Banér und übernahm nach Banérs Tode (1641) den Oberbefehl über die schwed. Armee, die unter seiner genialen Führung siegreich in Schlesien, Mähren, Sachsen, Holstein und Böhmen kämpfte (s. Dreißigjähriger, Krieg, V), bis ihn Kränklichkeit bewog, den Oberbefehl abzugeben und im Herbst 1646 nach Schweden zurückzukehren, wo ihn die Königin Christine 1647 zum Grafen erhob und zum Generalgouverneur von Westergötland ernannte. T. starb 7. April 1651 zu Stockholm. - Vgl. Svensk Plutarch (Stockh. 1824); Watts de Peyster, Eulogy of T. (Neuyork 1872).

Tort (frz., spr. tohr), Unrecht, Verdruß, absichtliche Beleidigung.

Torticollis (neulat.), schiefer Hals, s. Hals.

Tortola, eine der engl. Virginischen Inseln (s. d.) in Westindien, im Osten von St. Thomas, 64 qkm groß, besteht aus einer Kette kühn geformter malerischer Berge von Kreidekalk, welche