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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Traktatgesellschaften - Tranchieren

lich geführte Vertragsverhandlung, welche noch zu keiner Bindung geführt hat; so auch im Völkerrecht.

Traktatgesellschaften, Vereine zur Herstellung und Verbreitung von Traktaten. T. entstanden zuerst in Schottland (1796), in England (1799), dann in Frankreich, Deutschland und andern Ländern. Hausierer und Agenten verbreiten die Schriften und halten auch gelegentlich Erbauungsstunden. 1814 entstand in Barmen die Wupperthaler Traktatgesellschaft, 1820 der Niedersächsische Verein zur Verbreitung christl. Erbauungsschriften, 1835 die Baseler Gesellschaft, 1845 der Evangelische Bücherverein in Berlin, 1848 die Pfälzer und Nassauer Gesellschaft u. s. w. Älter ist der Calwer Verlagsverein. Das Rauhe Haus bei Hamburg und die Berliner Traktatgesellschaft leisten wohl das meiste. Neuerdings geben einige dieser T. auch größere Werke heraus und sind mit sog. "christlichen" Buchhandlungen verbunden. Besonders wird auch die Verbreitung von Volkskalendern und religiösen Zeitschriften, Sonntagsblättern u. dgl. betrieben.

Traktathäfen oder Vertragshäfen, diejenigen chines. Häfen, welche dem auswärtigen Handel geöffnet sind. (S. China, Handel.)

Traktieren (lat.), behandeln; verhandeln; auch soviel wie bewirten.

Traktorie (neulat.) oder Zuglinie, nach Chr. Huyghens eine Linie, deren Tangente eine gegebene Linie, z. B. eine Gerade oder einen Kreis so schneidet, daß zwischen dem Berührungspunkt und dem Schnittpunkt eine gegebene Strecke liegt. Die Tafel: Kurven II, Fig. 12, zeigt zwei T. Die eine (a) hat die Eigenschaft, daß die horizontale Gerade von allen Tangenten dasselbe Stück abschneidet; bei der zweiten (b) thut dies ein Kreis. Die erste ist zugleich Evolvente der darüber gezeichneten Kettenlinie. Diese Linien gehören zu den ersten, die durch ihre Differentialgleichungen bestimmt worden sind. Die T. der Geraden ist ferner für die räumliche Geometrie wichtig, weil sie bei der Rotation die Pseudosphärische Fläche (s. d.) erzeugt.

Tralee (spr. trällíh), Hauptort der irischen Grafschaft Kerry und an der gleichnamigen Bai und an der Linie Limerick-Killarney, hat (1891) 9318 E., einen Gerichtshof, Kaserne, Kloster und Park; als Hafen dient Fenit Harbour.

Trallessches Alkoholometer, s. Alkoholometer.

Tramaseide, s. Seide.

Trambahnen, Tramways, die auch als Straßenbahnen (s. d.) bezeichneten Bahnen zum Verkehr auf städtischen Straßen. (S. auch Nebenbahnen.)

Das Wort Tramway wurde früher vielfach von einem engl. Kohlengrubenbesitzer Namens Outram hergeleitet, welcher Ende des 18. Jahrh. zuerst Spurbahnen in England gebaut haben sollte, stammt aber von dem Bergmannsausdruck "Tröme", der identisch ist mit der noch jetzt in Süddeutschland und im Plattdeutschen üblichen Bezeichnung "Tram" oder "Tramen" für "Balken".

Tramelogödie (grch.), eine Zwittergattung zwischen Tragödie und Oper, erfunden von Vittorio Alfieri (s. d.).

Trametes Fr., Kiefernschwamm, Pilzgattung aus der Gruppe der Hymenomyceten (s. d.), holzartige, feste, meist mehrere Jahre dauernde Pilze mit stiellosem sog. halbiertem Hut, die am lebenden oder abgestorbenen Holze wachsen. Zwei Arten sind für Nadelholzbestände äußerst schädliche Parasiten. Die eine, der Wurzelschwamm, T. radiciperda Hart., bewirkt die am häufigsten an Kiefern und Fichten auftretende Rotfäule (s. d.), die fast immer für die befallenen Bäume verderblich ist, so daß oft große Lücken in den Beständen sich bilden. Die andere, T. pini Fr., der Kiefernschwamm oder Astschwamm, bedingt die als Rinden- oder Ringschäle (s. d.) bekannte Krankheit der Nadelhölzer, besonders der Kiefern.

Tramin, ital. Termeno, Dorf im Gerichtsbezirk Kaltern der Bezirkshauptmannschaft Bozen in Tirol, 5 km vom rechten Ufer der Etsch entfernt, gegenüber von Neumarkt, in 272 m Höhe, am Fuß des Monte-Roën (Mendelgebirge 2053 m) und an der Linie Kufstein-Ala der Österr. Südbahn (Station Neumarkt-T.), hat (1890) 1854 deutsche E. und ist bekannt durch den feurigen Wein (Traminer). Die Traminer Rebe wurde auch an den Rhein verpflanzt.

Tramontana, bei den Italienern Name des Nordwinds, weil er über die Alpen (trans montes) zu ihnen kommt, aus ähnlichem Grunde auch Name des Nord- oder Polarsterns (stella tramontana); daher die Redensart perdere tramontana soviel bedeutet als: die rechte Fassung verlieren, weil die Schiffer sich nach dem Polarstern richten.

Trampeltier, s. Kamele nebst Taf. I, Fig. 3.

Trampoline (ital.), Schwungbrett zur Ausführung größerer Sprünge beim Turnen.

Tramp-steamer (engl., spr. trämmp stihmĕr; frz. navire vagabond), ein Dampfer, der von einem Hafen zum andern fährt, um Frachten aufzusuchen.

Tramseide (Tramaseide), s. Seide.

Tramways (engl., spr. -wehs), s. Trambahnen.

Trance (engl., spr. trännß), Entrückung, Verzückung, bei den Spiritisten der Zustand, in dem sich die sog. Medien infolge der Materialisation anderer oder frei gewordener Geister befinden.

Tranchée (frz., spr. trangscheh), soviel wie Laufgraben (s. d.). Tranchéemajor hieß in frühern Zeiten der beim förmlichen Angriff einer Festung mit täglichem Wechsel zu kommandierende höhere Ingenieuroffizier, dem der Ausbau und die Instandhaltung der Laufgräben oblagen.

Tranchéekavalier, Tranchéereiter, Tranchéekatze, Angriffskavalier, ein aus Erde, Faschinen und Sandsäcken hergestelltes Bauwerk von 2 bis 3 m Höhe, im förmlichen Festungsangriff früherer Zeit zur erhöhten Aufstellung von Schützen und Geschützen verwendet. Beim Vaubanschen Angriffssystem dienten derartige Anlagen, vorwärts der 3. Parallele angelegt und mit Schützen und kleinen Mörsern besetzt, zur Vertreibung des Verteidigers aus dem gedeckten Wege. Nach Einführung des indirekten Schusses nicht mehr in Gebrauch. (S. auch Kavalier.)

Tranchéewache, s. Förmlicher Angriff.

Tranchieren (frz., spr. trangsch-, das Zerlegen der Fleischspeisen in Portionen oder Tellerstücke. Es geschieht dies mit einem starken, scharf geschliffenen Tranchiermesser und einer starken, zweizinkigen Tranchiergabel am besten auf einer hölzernen Tranchierplatte. Das Meisterstück im T. besteht in kunstgerechter und völliger Zerlegung eines Stücks Geflügel auf der Gabel in freier Hand, ohne Auflage. Unterweisungen im T. finden sich im Anhang verschiedener großer Kochbücher (von Weber, Ritter u. s. w.); vgl. auch Klein, Tranchierkunst (Hildburgh. 1886).