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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Turinsk - Türken

Umgebung. Der 1839 eröffnete Friedhof ist einer der schönsten Italiens. Die Klosterkirche La Superga, auf einem Berge im Nordwesten von T., ein Kuppelbau mit Säulenvorhalle, ist die Begräbnisstätte der savoyischen Herrscher; sie ist von Victor Amadeus II. für die Befreiung der Stadt 1706 gelobt, 1718-31 nach Juvaras Plan erbaut und 1749 geweiht. Zu dieser Kirche führt seit 1884 eine Drahtseilbahn vom Dorfe Sassi, nach Sassi Dampfstraßenbahn. Das ehemalige königl. Lustschloß Il Valentino, im franz. Stil des 17. Jahrh. erbaut, ist jetzt Sitz der höhern Ingenieurschule; das jenseit des Po auf einem Hügel, auf welchen eine Drahtseilbahn führt, liegende Kapuziner-, später Camaldulenserkloster (aufgehoben) hat Aussicht auf die Stadt und die Alpenkette, besonders von der vom ital. Alpenverein errichteten Warte aus; das schöne Lustschloß Stupinigi, 10 km im Südwesten von T., unter Karl Emanuel III. nach Juvaras Plänen erbaut, und das Jagdschloß La Mandria mit herrlichem Park. Weiter entfernt sind Rivoli (s. d.) und Moncalieri (s. d.).

Geschichte. T. war der Hauptort der gallischen Taurini, wurde 218 von Hannibal erobert und erhielt unter Augustus eine röm. Kolonie und den Namen Augusta Taurinorum. Unter den Langobarden war es Sitz von Herzögen. Karl d. Gr. erhob es zur Residenz des Herzogs von Susa, dessen Linie bis 1032 regierte, worauf das Haus Savoyen eintrat. Die Franzosen eroberten T. 1506 und behielten es bis 1562, wo Herzog Philibert von Savoyen die Stadt zurückerhielt und sie zur Residenz machte. Um die sehr französisch gesinnten Einwohner im Zaume zu halten, baute er 1567 die Citadelle. 1640 nahmen die Franzosen unter Harcourt die Stadt nach 17tägiger Belagerung ein. Am 29. Aug. 1696 wurde daselbst der Separatfriede zwischen Savoyen und Frankreich geschlossen. Im Spanischen Erbfolgekrieg von den Franzosen belagert, ward T. durch den großen Sieg der Kaiserlichen unter Prinz Eugen und der Preußen unter Leopold von Dessau 7. Sept. 1706 befreit. Bonaparte schloß hier 28. April 1796 Waffenstillstand mit dein Turiner Hof; 1798 wurde es wieder von den Franzosen eingenommen, aber 27. Mai 1799 (die Citadelle erst 20. Juni) von den Österreichern und Russen unter Suworow wieder befreit. Nach der Schlacht bei Marengo 1800 kam es aufs neue in die Gewalt der Franzosen und wurde Hauptort des Po-Departements, bis es, unterdessen seiner Festungswerke bis auf die Citadelle beraubt, 1814 wieder an Sardinien zurückfiel. Nach der Errichtung des Königreichs Italien wurde T. dessen Haupt- und Residenzstadt und blieb es, bis auf Grund der Septemberkonvention (s. d.) 1. Mai 1865 der Sitz der Regierung nach Florenz verlegt wurde. 1898 soll eine allgemeine ital. Nationalausstellung stattfinden.

Vgl. Cibrario, Storia di Torino (ebd. 1846, für das Mittelalter); Carlo Promis, L'antica Torino (ebd. 1871); Torino e dintorni (ebd. 1874); Borbonese, Torino illustrata e descritta (ebd. 1884); P. Boselli, La Duchessa di Borgogna e la battaglia di Torino (ebd. 1892); Isaia, Führer durch T. (deutsch, edd. 1895). Guida Bianchi und Guida Marzorati erscheinen zu Anfang jeden Jahres.

Turinsk. 1) Bezirk im westl. Teil des russ. Gouvernements Tobolsk in Westsibirien, im Gebiet der Tura, Tawda, Konda, hat 77 034 qkm, darunter 776 qkm Seen, 68 104 E.; Sümpfe und Wälder, nur im Südwesten Ackerbau. - 2) Bezirksstadt im Bezirk T., rechts an der Tura bei der Mündung der Jalymka, hat (1893) 4384 E., Post, Telegraph, Kirche, Nonnenkloster; Gerbereien.

Turka. 1) Bezirkshauptmannschaft in Galizien (s. Karte: Ungarn und Galizien), hat 1458,39 qkm und (1890) 62 578 (31 413 männl., 31 165 weibl.) meist ruthen. E. in 74 Gemeinden mit 210 Ortschaften und 62 Gutsgebieten und umfaßt die Gerichtsbezirke Borynia und T. - 2) Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts (804,85 qkm, 37016 meist ruthen. E.), nahe dem Einfluß des Jablonkabachs in den Stryj, an der Lemberg-Czernowitz-Jassy-Eisenbahn, hat (1890) 5131, als Gemeinde 5330 meist poln. E., darunter 2623 Israeliten; bedeutenden Vieh-, Holz- und Weinhandel; in der Nähe Naphthaquellen.

Türkei, s. Osmanisches Reich.

Türken, Türkvölker, der weit verbreitete westl. Zweig der drei Hauptzweige der tatar. Völkerfamilie, die mit den finn. Völkern die uralaltaische Völkerfamilie ausmachen. (S. Tataren und Uralaltaische Völker und Sprachen.) Türk ist ursprünglich der Name eines großen Nomadenreichs, das sich im 5. Jahrh. zwischen Irtysch und Jenissei bildete und von den Chinesen Tu-küe genannt wird. Da die Chinesen die Tu-küe als Nachkommen der Hiung-nu bezeichnen, so müssen die T. bis zum 3. Jahrh. v. Chr. im Norden und Westen Chinas gelebt, aber schon sehr früh die Steppen bis zum Kaspischen Meer und zum Ural überflutet haben. Nach der Vernichtung der Türkdynastie am Orchon im 8. Jahrh. entstand im Osten das türk. Reich der Uiguren, das sich vom Baikal bis zum Gelben Flusse erstreckte. Durch das Vordringen der Tungusen (Kitai) wurden die eigentlichen T. in die Turanischen Tiefebenen gedrängt und von dort zogen sie in der Folge über Nordpersien nach Kleinasien und auf die Balkan-Halbinsel, während sich die Uraltürken unter dem Namen von Agatziren, Polowzer (Kumanen), Petschenegen und Chasaren über das südl. Rußland und den nördl. Kaukasus ausbreiteten. Heute bewohnen die Türkvölker mehr oder weniger dicht das Gebiet von Ostsibirien bis zur Balkanhalbinsel. Den östl. Zweig bilden: die Jakuten, die Karagassen, Abakan-Tataren, Sojonen, altaische Bergvölker, Teleuten und Barabiner; den westl. Zweig: die sibir. Tataren am Irtysch, die Baschkiren, die Wolgatataren, die Tschuwaschen, ferner die Steppenvölker (Kirgisen, Karakirgisen, Karakalpaken, Nogajer), die mittelasiatischen T. (Ostturkestaner, Usbeken, Sarten), endlich die Turkmenen, die Aserbeidschanen, die Kalmücken, die Osmanen und die Krimtataren.

Vorzugsweise werden die Osmanen als T. bezeichnet, wie man auch die von diesen beherrschten Länder als Türkei oder Türkisches Reich zusammenzufassen pflegt. (S. Osmanisches Reich.) - Vgl. Vámbéry, Das Türkenvolk in seinen ethnolog. und ethnogr. Beziehungen (Lpz. 1885). (S. auch Türkische Sprache und Litteratur.)