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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Uganda-Eisenbahn; Ugijar; Ugingo; Ugleisee; Uglitsch; Ugo d'Anversa; Ugocsa; Ugogo; Ugolino; Ugomba

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Uganda-Eisenbahn – Ugomba

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Uganda'

Provinzen sind Busiro, mit dem Königssitz Mengo (früher Rubaga), Tschagwe, Butera, Singo und Buddu die größten. Der engl. Resident befindet sich in Kampalla; er entscheidet in den Beratungen des Königs (Kabaka) mit seinem ersten Minister (Katikiro) und dem großen Rat (Lukiko); er verfügt über eine Truppenmacht von 1200 Sudanesen. Die Provinzen werden von erbberechtigten Häuptlingen (Bakungu) verwaltet; der Landadel (Bataka) ist der eigentliche Besitzer von Grund und Boden. Die Bauern (Bakopi) haben nach der Willkür der Adligen Frondienste zu leisten und Steuern zu zahlen. Haussklaverei besteht in mildester Form.

U. wird als die «Perle» von Ostafrika gerühmt. Doch haben seine Naturprodukte vorläufig auf dem Weltmarkt keine nennenswerte Bedeutung. Die Engländer begannen daher 1890 den Bau einer Eisenbahn von Mombas (an der Küste) bis U. (1072 km). Im April 1897 waren 72 km Schienen gelegt.

Geschichte. Vor 3–500 Jahren wanderte aus Nordosten ein fremdartiger Stamm ein (wahrscheinlich der Gallastamm der Wahuma) und unterwarf sich allmählich die eingeborene Bevölkerung. Unter König Sunna II. (1836–60) kamen die ersten Araber aus Tabora ins Land. Die Regierung Mtesas (1860–84), eines grausamen, aber höchst intelligenten Herrschers, schuf die letzte Blütezeit des Reichs. Zu seiner Zeit wurde U. zuerst von Europäern besucht, von Speke und Grant 1862, von Stanley 1875, von Emin Pascha 1876 u.a. Die ersten prot. Missionare aus England trafen 1877 ein; eifersüchtig auf ihre Erfolge begannen 1879 französische kath. Missionare das Bekehrungswerk, wodurch eine Spaltung innerhalb der Waganda entstand. Mtesa suchte 1881 und 1883 durch massenhafte Hinrichtungen das Christentum auszurotten. Sein Sohn Mwanga ließ 1885 den engl. Bischof Hannington ermorden und richtete unter seinen christl. Unterthanen 1886 ein schreckliches Blutbad an. Er wurde 1888 vom Volke vertrieben, fand eine Zufluchtsstätte bei den kath. Missionaren in Ukumbi und ließ sich taufen. Inzwischen errangen in U. die Mohammedaner unter Kalema, einem Bruder Mwangas, die Oberhand; die christlich gesinnten Waganda riefen 1889 Mwanga zurück, der 5. Okt. 1889 bei der Hauptstadt Rubaga die Feinde aufs Haupt schlug. Von neuem in Bedrängnis geraten, rief er eine engl. Expedition unter Jackson und später Dr. Peters (s. d.) um Hilfe an. Ehe diese eintrafen, warf sein Heer im Febr. 1890 die Feinde abermals zurück. Mwanga schloß im Dez. 1890 einen Schutzvertrag mit Kapitän Lugard, dem Vertreter der Englisch-Ostafrikanischen Compagnie, ab. Aus geringfügiger Veranlassung entbrannte 1892 ein erbitterter Bürgerkrieg zwischen Katholiken und Protestanten. Nach langwierigen Verhandlungen gelang es Lugard (Mai 1892) den Frieden herzustellen, das engl. Protektorat wurde anerkannt und König Mwanga trat zum Protestantismus über. Nachdem im Juni 1893 ein Aufstand der Mohammedaner und Sudanesen von Kapitän Macdonald unterdrückt worden war, hörten die innern Unruhen auf. Die engl. Regierung übernahm 1894 von der Englisch-Ostafrikanischen Compagnie die zu kostspielige Verwaltung und dehnte durch siegreichen Feldzug 1895 die Schutzherrschaft auch über Unjoro (s. d.) aus.

Vgl. Speke, Die Entdeckung der Nilquellen (Lpz. 1864); Stanley, Durch den dunkeln Weltteil (3.Aufl., ebd. 1891); Wilson und Felkin, Uganda (2 Bde., ↔ Stuttg.1883); Ashe, Two Kings of U. (Lond.1889); ders., Chronicles of U. (ebd. 1894); Stuhlmann, Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika (Berl. 1894).

Uganda-Eisenbahn, s. Mombas-Uganda-Eisenbahn (Bd. 17).

Ugijar (spr. uchichar), Bezirksstadt im SO. der span. Provinz Granada in Andalusien, Hauptort der östl. Alpujarras (s. d.), in einem von N. kommenden Seitenthale des bei Adra mündenden Rio Grande, 555 m ü.d.M., ist schlecht gebaut, aber wohlhabend, zählt (1887) 2944 E. und hat eine viel besuchte Messe.

Ugingo, Insel am Ostufer des Victoria-Njansa im äquatorialen Ostafrika.

Ugleisee, s. Ukleisee.

Uglitsch. 1) Kreis im südwestl. Teil des russ. Gouvernements Jaroslawl, rechts an der Wolga, hat 3457,2 qkm, 110216 E.; Flachsbau, Hausindustrie, 14 Fabriken. –

2) Kreisstadt im Kreis U., rechts an der Wolga, hat (1893) 12769 E., 24 Kirchen, 1 Mönchs-, 1 Nonnenkloster, Stadtbank; Fabrikation von leinenen Säcken, Schneiderei, Schuhmacherei und Schmiederei, 29 Fabriken, darunter 2 Papiermühlen, Flußhafen mit Verladung von Papier, Getreide, Säcken u.a.

Ugocsa (spr. úgotscha), Komitat in Ungarn, grenzt im N. und W. an das Komitat Bereg, im S. an Szatmár, im O. an Marmaros und hat 1190,63 qkm und (1890) 75401 meist griech.-kath. ruthen. E. (28852 Magyaren, 8830 Rumänen, 5447 Deutsche), darunter 6201 Römisch-Katholische, 2180 Evangelische und 9414 Israeliten. Das Land wird von der obern Theiß fast in zwei gleiche Teile geschieden. Der hügelige Boden zeigt abwechselnd Ackerfelder, Wiesen, Weinberge und Waldungen. Das Komitat hat zwei Stuhlbezirke. Hauptort ist die Groß-Gemeinde Nagy-Szöllös, am Fuß des Schwarzen Berges (Feketehegy), an dessen Abhang die Ruinen der 1557 zerstörten Burg Telekeny liegen, und an der Linie Szerencs-Marmaros-Sziget der Ungar. Staatsbahnen, mit (1890) 5187 E., Acker-, Weinbau und Jahrmärkten.

Ugo d'Anversa, ital. Name des niederländ. Malers Goes (s. d.).

Ugogo, Landschaft im mittlern Deutsch-Ostafrika, zwischen Usagara und Unjamwesi, 900–1200 m ü.d.M., im Osten und Westen von ausgedehnter Dschungelwildnis (der Marenga Mkali und Mgunda Mkali) umschlossen, ist eine leicht gewellte, im Westen von einer schroff ansteigenden, 330 m hohen Bodenerhebung begrenzte Ebene, aus Sand, Laterit und grauem Mergel bestehend, bedeckt von dürrer Savanne und verkrüppeltem Dorngebüsch, nur an vereinzelten Stellen geschmückt mit Gruppen von Akazien, Baobabs und Fächerpalmen. U. ist außerordentlich trocken; Bäche giebt es nicht, nur Rinnsale, in denen das Regenwasser auf kurze Zeit dahinströmt. Am Fuße der westl. Bodenerhebung befinden sich große, von Schilf umgebene Salzpfannen. Jagdbare Tiere sind selten. Die Bewohner (Wagogo) gehören zum Stamme der Bantu, sind aber stark mit Massaiblut vermischt. Muhalala und Mdaburu sind die wichtigsten Rastplätze für den Handelsverkehr von der Küste nach dem Seengebiet. Die 1892 in Unjangwira gegründete Station der deutschen Schutztruppe wurde im Jan. 1895 nach Kilimatinde bei Muhalala verlegt.

Ugolīno, s. Gherardesca.

Ugomba, Landschaft in Deutsch-Ostafrika, zwischen 3. und 4.° südl. Br., nordwestlich von Unjamwesi, an den Quellarmen des zum Tanganika gehenden Malagarasi gelegen.