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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Utis - Utrechter Friede
Iltis, Pseudonym, s. Rieger, Marinnlian.
Ntkala, im Sanskrit Name von Orissa (s. d.).
IIt1a.Fa.tu8, s. Vogelfrci.
ütliberg oder Uto, Gipfel des Albis (s. d.)
bei Zürich, viel besuchter Anssichtspunkt, durch Ad-
häsionsbahn (s. Schweizerische Eisenbahnen, Über-
sicht V) von der Stadt erreichbar, ist 873 in hoch,
trügt ein Denkmal des Staatsmanns Jakob Dubs,
Aussichtsturin und Gasthäuser.
Utlucht, s. Bauernhaus.
Uto Azteken, s. Amerikanische Rasse.
Utopien (Utopia), nach dem Griechischen soviel
als Nirgendswo, nannte der engl. Kanzler Thomas
More (s. d.) die fabelhafte Insel, auf welcher er
seinen Staatsroman "I)o "ptimo roipudlica" 8tatu,
äe^no nov^ iu8n1a Uto^ül" (Löwen 1516 u. ö.) spie-
len lieft. Nach dieser Schrift wurde die ganze Gat-
tung von Schriften U. genannt, deren Eigentümlich-
keit darin besteht, dasi der Verfasser die von ihm ge-
wünschten Änderungen dcrRechtsordnung als bereits
durchgeführt voraussetzt und die Wirkungen dieser
Änderungen am Bilde eines erdichteten Staats-
wesenszeigt. StattU.nenntmansolcheSchriftenauch
Staatsromane (s. d.). In neuerer Zeit bezeichnet
man Socialreformer, welche den Boden der Wirt-
lichkeit verlassen und sich mit phantastischen Weltver-
besserungsplänen beschäftigen, als Utopisten.
Utraquisten, s. Hussiten.
Utrecht (spr. üt-). 1) Provinz des Königreichs der
Niederlande, zwischenGelderland und Holland, gehört
größtenteils zur Region der Marschen und zählt auf
1384 ciltin (1895) 238282 E., d. i. 172 auf 1 likm.
49 Proz. der Fläche bedecken Wiesen, 9,9 sind^Wald,
l>,3 unbebaut, 19 Feld, 5,i Proz. Wasser und lHumpf.
Haupterwerbszweige sind Rindviehzucht, Milchwirt-
schaft, Flachsbau, Bienen-, Obst- und Blumenzucht
sowie Woll- und Tabakindustrie. 40 Proz. der Be-
völkerung entfällt auf Groß- und Mittelstädte. -
2) Hauptstadt der Provinz U., am Kromme Rijn,
welcher hier den Namen Alter
Rbein annimmt und die Vecht
zum Zuidersee entsendet, liegt
unweit der Grenze gegen die
Geest, zählt (1895) 94305 E.,
darunter etwa ein Drittel Ka-
tholiken. Die Durchschnittstem-
peratur ist im Jan. 1,u;", im
Juli 18,ii° c., die relative
Feuchtigkeit 81 Proz. U. ist
wichtiger Eisenbahnknotenpunkt (2 Bahnhöfe) der
Linien Emmerich - U. - Amsterdam, U. - Amersfoort,
U.-Hilversum, U.-Voerden-Leiden und U.-Gouda-
Rotterdam sowie U.-Culeuborg-Herzogellbusch, und
bildet den Hauptstützpuntt der "Neuen Holland.
Wasserlinie'), der Hauptvcrteidigungslinie des Lan-
des. Vor der seit 1830 in Promenaden verwandelten
Umwallung liegt eine innere Linie von Werken auf
etwa 12/2 und eine äußere Fortliuie auf 3 bis 4^ km
östlich von der Stadt. Von deren 8 Werten liegen
die 3 des Centrums im trocknen, die andern im
Inundationsgelande. Die vordere Linie mißt 15km.
Außerdem bietet die Maliebaan, eine Allee von sechs
Reihen Bäumen, einen schönen Spaziergang. Kanäle
durchziehen die ^tadt. Von den Kirchen sind zu er-
wähnen: drei roman. Stils aus dem 11. Jahrh.
(Buurtkirche, St.Pieterskirche, St. Ianskirche), eine
aus dem 12. Jahrh, (die Iakobikirche) und die got.
Domkirche aus dem 13. Jahrb. mit Turm aus dem
14.; das Schiff des letztern ist durch einen Trkan
1674 zertrümmert, so daß der Turm, 103 in hoch
(mit schönem Glockenspiel und weiter Fernsicht), durch
einen offenen Platz vom Chor, jetzt als prot. Kircke
eingerichtet, geschieden steht. Kreuzgänge führen zum
1894 durch einen Nenbau erweiterten Universitäts-
gebäude. Andere Bauwerke sind: das Papsthaus
(Paushuis), erbaut vom spätern Papst Adrian VI.,
jetzt Regierungsgebäude; das Iustizgebüude, seit
1837 an der Srelle der einst berühmten Abtei von St.
Paulus errichtet; das Archivgebaude, ehemaliger
Palast des Königs Ludwig Napoleon; das Räthaus,
das Gebäude für Künste und Wissenschaften mit dem
Museum Kunstliefde, ein erzbischöfl. Museum für
alle Zweige der christl. Kuust, das Haus des Deut-
schen Ordens, die Reichsmünze, die Fleischhalle von
1637, die Altersversorgungsanftalt im ehemaligen
Schloß Oudaen (14. Jahrh.) und das Altertums-
museum im Park Hoogeland.
U. ist Sitz eines kath. Erzbischofs und altkatb.
Bischofs. Die 1636 von der Stadt gestiftete Uni-
versität (56 Docenten, 708 Studenten) besitzt außer
einer ansehnlichen Bibliotbek (200000 Bände) und
andern Instituten auch einen botan. Garten und
eine auf Initiative von Donders errichtete allge-
meine niederlünd. Augenheilanstalt; das Universi-
tätsgebäude mit schöner Aula ist an der Stelle des
alten Domkapitels errichtet. Überdies besitzt U.
die einzige Tierarzneiscbule des Landes. Unter den
wissenschaftlichen Vereinen nehmen die Historische
Gesellschaft und die Gesellschaft der Künste und
Wissenschaften den ersten Rang ein. Auch befindet
sich zu U. das von Napoleon 1. errichtete Militär-
hospital. Unter den industriellen Etablissements
sind hervorzuhebeu: Fabriken für Ultramarin und
Beinschwarz, viele Holzsägewerke, Bierbrauereien,
Buchdruckereien, zwei Orgclfabriken, viele Cigarren-
fabriken, Eisengießerei u. s. w.
U. ist die älteste batavische Stadt (I^oowni in-
lßriu") und wurde von den Römern 4'i-^octum ad
15Ii6!iuni genannt. 696 wurde daselbst von dem
heil. Willibrord ein Bistum gestiftet, dessen Bischöfe
bald großen Landbesitz und Einfluß erlangten und
lange Zeit als die Hauptvertreter der kaiserl. Gewalt
in den Niederlanden galten, bis im 11. Jahrh, sich
die Grafschaften Geldern und besonders Holland
erhoben; anch hatten sie wahrend des ganzen Mittel-
alters unaufhörliche Kämpfe mit den freiheitlieben-
den Utrechter Bürgern zu bestehen. 1527 trat der
Utrechter Bischof Heinrich seine weltliche Macht an
Karl V. ab. 1559 wurde U. durch Papst Paul IV.
zum Erzbistum erhoben. 1672-74 war die Stadt
von den Franzosen besetzt. In U. wurde 1579
die Utrechter Union (s. d.) und 1713 der Utrcchter
Friede (s. d.) abgeschlossen.
Utrechter Friede, die Friedensverträge, die
den Spanischen Erbfolgekrieg (s. d.) beendigten.
Schon im Jan. 1712 waren zu Utrecht die Friedens-
verhandlungen eröffnet worden, allmählich kamen,
unter vorwaltendem engl. Einflüsse, Vertrüge zwi-
schen Frankreich und England, Holland, Preußen,
Portugal, Picmont (April 1713), zwischen Spanien
uud England, Savoyen (Juli), zwischen Spanien
und Holland (1714), Spanien und Portugal (1715)
zu stände. Kaiser Karl VI. beharrte noch im Kriege;
aber der Nordische Krieg (s. 0.) lahmte das Reich,
so daß er sich endlich 7. März 1714 doch zu dem
Rastatter Frieden verstehen mußte (s. Rastatt). Der
Friede zwischen dem Reiche und Ludwig XIV. wurde
zu Baden in der Schweiz im Sept. 1714 geschlossen.