Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

205
Venedig (ehemalige Republik)
schwung. Doch erst als nach dem Dreissigjährigen Kriege Spanien zurücksank, seine Machtstellung in Italien zu schwanken anfing und sich Österreich von ihm unabhängig machte, blühte die neue Zeit eines glorreichen Kampfes im Orient auch für V. voll wieder auf. Zwar ging Eandia trotz heldenmütigen Kampfes 1669 verloren; aber als vor Wien die Kraft der Osmanen gebrochen war, ging V. an Österreichs Seite siegreich vor; Sta. TTTTTaura, einige Plätze in Dalmatien, TTTTTiorea, Ägina wurden wiedergewonnen, und wenn auch durch den Spanischen Erbfolgekrieg die Osmanen Gelegenbeit bekamen, Rlorea wieder zurückzuerobern, so erhielt dafür V. im Paßarowitzer Frieden wenigstens Korfu und Dalmatien. Nach dieser Anstrengung zog sich die Republik in sich selbst zurück und ließ sich auch nicht durch den österr.-türk. Krieg von 1738 bis 1710 aus dieser Politik der bloßen Erhaltung des Besitzes und der Beschränkung auf den Schutz seiner Handelsinteressen herauslocken; ebenso überlieft es Italien sich selbst und den aufstrebenden Savoyern. Als dann die Heere der französischen Revolution in Italien einbrachen, suchte die Republik in äußerlicher Erhaltung der Neutralität bei thatsächlicher Begünstigung der Gegner Frankreichs ihr Heil. Aber Napoleon erklärte der Republik 1797 den Krieg, die nun durch Abschaffung der aristokratischen Verfassung und Aufrichtung einer Demokratie sich zu retten suchte; aber innsonst. Der Doge Alanin sah die Unmöglichkeit des Widerstandes ein und dankte 12. Mai ab; am 16. Mai rückte der corsische Kriegsherr ein, errichtete an Stelle des Großen Rates eine provisorische Regierung, lieferte aber dann V. im Frieden von Campo-Formio an Osterreich aus; nur das Gebiet jenseit der Etsch wurde zur Cisalpinischcn Republik geschlagen. 1805 gab Napoleon jedoch V. und Dalmatien an das franz.-ital. Vicekönigreich Eugene Beauharnais', und 1809 wurde Passerino und Istrien zu den illyrischen Provinzen des franz. Kaiserreichs geschlagen. Durch den ersten Pariser frieden von 1811 und die Wiener Kongreßakte ward V. mit seinem Gebiet an Österreich zurückgegeben und mit der Lombardei zu
dem sog. Lombardisch-Venezianischen Königreich (s. d.) 7. April 1815 vereinigt. Bei allen diesen Regierungswechsel hatte die Stadt V. an Handel und Reichtum mehr und mehr verloren, und in dem Maße, wie ihre Nebenbuhlerin Triest gewann, sank die ehemalige Königin des Adriatischen Meeres herab. Erst als V. 1830 einen Freihafen erhielt, begann es sich wieder zu beben. Am 22. März 1848 kam es mV. zu einem Aufstande; der Stadtkommandant Graf Zichv überlieferte die Stadt ohne Schwertstreich den Aufständischen, eine provisorische Regierung wurde gebildet, und 23. Mär; erfolgte die Proklamation einer Venetianischen Republik (Re-
publik San Mareo), an deren Spitze Daniele Manin (s. d.) und Tonlmaseo traten. Am 4. Juni erklärte man sich fast einstimmig für den Anschlich an Sardinien, worauf Manin und Tommaseo zurücktraten und ein nenes Ministerium, mit Castelli an der Spitze, die Regierung übernahm. Die Niederlage Sardiniens brachte indessen bald wieder die demokratische Partei zur Herrschaft. Am 10. Aug. erhob sich ein neuer Aufstand, der abermals Manin und Tommaseo ans Ruder brachte. Schon ^lZ. Aug. trat wieder eine Assamblea zusammen, die sofort eine Diktatur in form eines Triumvirats errichtete, in welchem Manin in thatsächlich unabhängiger Stellung das Civil-, Cavedalis das Militär-, Graziani das Mannewesen übernahmen. Der Widerstand gegen die Österreicher, welche die Stadt bereits blockierten, ward mit Energie fortgesetzt. Dagegen bewirkte 5. März ein Pöbeltumult die formelle Beseitigung der Diktatur und die Einsetzung eines verantwortlichen Ministeriums. Manin, zu dessen Präsidenten gewählt und mit der Exekutivgewalt betraut, trieb die Verteidigung der Stadt aufs äußerste, obwohl nach der Niederlage Sardiniens bei Novara keine Hoffnung mehr war. Nach tapferster Gegenwehr, während deren die Bevölkerung durch das Bombardement, Hunger und Cholera furchtbar litt, trat endlich Manin in Unterhandlungen, denen zufolge sich V. 22. Aug. auf milde Bedingungen bin ergab. Am TTTTT. Aug. 1841) hielt Radetzky seinen Einzug in die Stadt. Es gelang nicht, die Venetianer mit der österr. Herrschaft auszusöhnen; andererseits gingen aber die Hoffnungen, welche Napoleon 111. beim Ausbruch des Krieges von 1859 erweckte, nicht in Erfüllung. V. mit dem Gebiete bis jenseit des Mincio blieb bei Österreich; die Stimmung verschlimmerte sich seitdem immer mehr. Deshalb erbielt bei den konstitutionellen Reformen feit 1860 unter allen österr. Kronlanden V. allein keine Landesvertretung; andererseits erschien kein venet. Abgeordneter im österr. Reichsrat. Endlich erfüllte der Krieg von 1<Mi auch die Wünsche der Venetianer. Zwar wurden die Italiener, als sie den Mincio überschritten, bei Custozza zurückgeschlagen; aber nach den Niederlagen in Böhmen trat Kaiser Franz Joseph 4. Juli V. an Napoleon 111. ab und rief seine Truppen aus der Provinz zurück. Der österr.-ital. Friedensvertrag zu Wien 3. Okt. bestätigte diese Abtretung, die österr. Truppen räumten die Festungen und 17. Okt. die Stadt V. Am 18. Okt. übergab der Kommissar des franz. Kaisers, General Leboeuf, die Stadt im Namen seines Kaisers einer Kommission des Gemeinderates, und die ital. Truppen rückten ein. In Gemäßheit der Verabredungen zwischen Frankreich und Italien fand in ganz V. eine allgemeine Volksabstimmung 21. und 22. Okt. statt, wobei sich 65TTTTT1758 Stimmen für den Anschluß an das Königreich Italien und nur TTTTT dagegen erklärten. Darauf vollzog König Victor Emanuel II. 4. Nov. das s-Dekret und zog 7. Nov. 1866 in die Stadt V. ein.
Litteratur. Tentori, TTTTT (12 Bde., Vened. 1785-90); Daru, TTTTT (7 Bde., Par. 1819-21 u. ö.; deutsch im Auszuge von Bolzenthal, 3 Bde., Lpz. 1825-27); Romanin, TTTTT (10 Bde., Vened. 1853-61); Eicogna, TTTTT (3. Aufl., 2 Bde., ebd. 1867); Romanin, TTTTT (2 Bde., Flor. 1875); P. G. Molmenti, TTTTT bis 1797; 2. Aufl., Tur. 1830): E. Lentz, Das Verhältnis V.s zu Byzanz nach dem Fall des Exarchats bis Ende des 9. Jahrh. (Bd. 1, Berl. 1892); Zwiedineck-Südenhorst, Die Politik der Republik V. während des Dreißigjährigen Krieges (2 Bde., Stuttg. 1882-85); P. Molmenti, TTTTT (14. Jahrh.; Vened. 1892); L. von Ranke, Über die Verschwörung gegen V. im J. 1618 (Berl. 1831); Hain, Der Doge von V. seit den Sturze der Orscoler 1032 bis zur Ermordung Vitale Michiels 11. 1172 (Königsb. 1883); V. Marchesi, TTTTT, 1798-1866 (Tur. 1892); V. Malamani, TTTTT (ebd. 1892); TTTTT