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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Vereinigte Staaten von Amerika (Geschichte bis 1885)

mexiko aufrecht. Dagegen war die Union am Potomac auch 1862 wenig glücklich. Die südl. Generale Robert Lee und Stonewall Jackson operierten mit ebenso großem Geschick wie Erfolg, während im Norden ein steter Wechsel im Kommando, gegenseitige Eifersüchtelei und Unentschlossenheit vorherrschten. Bemerkenswert sind der denkwürdige Kampf zwischen dem neu erfundenen Monitor (s. d.) und dem Eisendampfer der Südländer Merrimac (9. März), ferner die Schlachten bei Bull-Run (29. und 30. Aug.), Antietam (16. und 17. Sept.) und Fredericksburg (13. Dez.), von denen die erste und letzte entschiedene Siege der Südlichen waren, die auch 15. Sept. bei Einnahme von Harpers-Ferry an 12000 Gefangene gemacht hatten. 1863 ging es der Union anfangs nicht besser. Auch der neue Feldherr Hooker erwies sich Lee und Jackson gegenüber nicht stärker wie vor ihm MacClellan, Halleck, Pope und Burnside. Er wurde bei Chancellorsville 2. bis 4. Mai empfindlich geschlagen und trat den Oberbefehl an Meade ab, während der Feind schon bis nach Pennsylvanien vordrang. Hier, bei Gettysburg, kam es 3. Juli zu einer der blutigsten Schlachten, in der es endlich gelang, dem Siegeslaufe der Südländer Halt zu bieten. An demselben 3. Juli, der Lee zum Rückzüge über den Potomac zwang, war es im Westen Grant gelungen, Vicksburg zu erobern und die 27000 Mann Besatzung gefangen zu nehmen. Dieser Tag bildete somit den entscheidenden Wendepunkt des ganzen Krieges. Der Süden war thatsächlich in zwei Hälften zerrissen, seit der wichtige Mississippi ganz in Besitz der Union gekommen war. Der Norden dagegen konnte seine ganze Macht alsbald gegen Virginien konzentrieren. Grant, der zunächst zum Befehlshaber der drei Armeen des Ohio (Burnside), des Cumberland (Thomas) und des Tennessee (Sherman) ernannt wurde, vertrieb Bragg aus den Chattanoogabergen (22. bis 25. Nov.), sicherte dadurch Tennessee und ermöglichte seinem Nachfolger Sherman (s. d.) weiteres Vordringen nach Süden, was dieser in seinen berühmten Märschen bis Atlanta (Sept. 1864) und dann bis zum Meere, nach Savannah (22. Dez. 1864), glänzend durchführte.

Im Frühling 1864 hatte Grant den Oberbefehl am Potomac übernommen und drängte, mit gewaltiger Übermacht gegen Lee vorrückend, diesen trotz des heldenmütigsten Widerstandes und obwohl sich dieser in der mörderischen Schlacht in der Wilderneß 5. Mai siegreich behauptete, immer weiter zurück. Nachdem Grant die Südarmee durch die Kämpfe bei Spottsylvania (12. bis 21. Mai) von neuem zum Zurückweichen gezwungen hatte, brachte ihm Lee 3. Juni bei Cold Harbor eine schwere Niederlage bei, worauf Grant sich nach einem vergeblichen Sturm auf Petersburg (18. Juni) zu der Belagerung dieser Festung wandte. Trotzdem leisteten die Südlichen, um die eine gewaltige Übermacht immer engere Kreise zog, tapfern Widerstand und errangen auch noch zahlreiche Erfolge. Als aber im Febr. 1865 auch noch Sherman vom Süden und Sheridan vom Westen heranzogen, konnte Grant den Gegner 31. März und 1. April zur Entscheidungsschlacht bei Five Points nötigen, darauf Petersburg besetzen und 9. April Lee mit der auf 27000 Mann reduzierten Hauptarmee beim Appomator Court House zur Kapitulation zwingen. Am 26. April mußte auch das letzte Heer der Südlichen vor Sherman bei Raleigh die Waffen strecken. Der Krieg war zu Ende, wenn auch die letzten Südtruppen erst 26. Mai jenseit des Mississippi bei Kirby Smith sich ergaben. Jefferson Davis, der Präsident der Südstaaten, fiel auf der Flucht nach Cuba bei Irwinsville in Georgia den Unionisten in die Hände. Der Norden, der 1. Jan. 1865 nicht weniger als 959460 Mann unter den Waffen hatte, war siegreich geblieben, aber auch er hatte 5221 Offiziere und 90868 Mann in den Schlachten und 2321 Offiziere und 182329 Mann durch Krankheit eingebüßt.

VI. Die Herrschaft des Nordens (bis 1885). Die ungeheuren Opfer, die der Krieg vielen Bevölkerungsklassen auferlegte, und noch mehr die enorme Korruption, die sich in seinem Verlauf eingenistet hatte, hatten unter den Demokraten des Nordens eine starke Partei entstehen lassen, die bei der Präsidentenwahl 1864 Beendigung des Krieges durch Ausgleich befürwortete. Ihr Kandidat, General MacClellan, unterlag aber dem Vertreter der Republikanischen Partei, Lincoln, dem als Vicepräsident der Gouverneur von Tennessee, Andrew Johnson (s. d.), an die Seite gestellt wurde. Kaum war die neue Regierung eingesetzt und durch den Erfolg bei Appomator glänzend gerechtfertigt, als Lincoln 14. April von dem Schauspieler Booth im Theater zu Washington ermordet wurde. Die That, die Verwirrung im Norden herbeiführen sollte, erfüllte diesen Zweck nicht; schon am nächsten Tage trat Johnson (1865-69) die Regierung an, und keinerlei Störung erfolgte. Aber die Aufregung im Norden war ungeheuer und trug nicht wenig dazu bei, daß jene Elemente, die eine versöhnliche Politik gegenüber den Südstaaten befürworteten, vor den Fanatikern zurückweichen mußten. Im Kongreß hatten die Extremen, die alsbald die Führung der Republikanischen Partei an sich rissen, die Oberhand, und so entwickelte sich alsbald ein scharfer Konflikt mit dem Präsidenten, dessen versöhnliche Ansichten mißdeutet wurden. Zudem der Kongreß den freigelassenen Negern durch das 13. und 14. Amendement zur Verfassung (18. Dez. 1865 und 28. Juli 1868) volles Stimmrecht gab und andererseits allen Teilhabern an der Rebellion das Stimmrecht versagte, indem er ferner den Südstaaten provisorische Regierungen durch meist importierte Politiker, die sog. Carpetbagger^[Stichwort: Carpet-bagger] (s. d.), auferlegte, ermöglichte er eine Ausbeutung der wohlhabenden und gebildetern südl. weißen Bevölkerung zu Gunsten seiner Parteipolitiker und trieb dadurch die Südländer zum Teil zu gewaltsamer Auflehnung (s. Kuklux-Klan). Selbstverständlich erhob die siegreiche Republikanische Partei auch im Norden den Anspruch, alle Ämter mit ihren Parteigenossen zu besetzen, und da sie dem Präsidenten in dieser Beziehung mit Recht mißtraute, nahm sie ihm mit der Tenure of office Act 2. März 1867 das Recht, Angestellte ohne Zustimmung des Senats zu entlassen. Johnsons Veto wurde überstimmt, und als er im August an dem ihm feindlichen Kriegssekretär Stanton ein Exempel statuieren wollte und ihn entließ, um Grant an seine Stelle zu setzen, wurde der Präsident in Anklagezustand versetzt. Der denkwürdige Prozeß endete (Mai 1868) damit, daß zwar eine große Mehrheit, aber nicht volle zwei Drittel des Senats Johnson schuldig sprachen, was gesetzlich einer Freisprechung gleichkam. Nun trat Stanton zurück, während Johnson unentwegt in Amnestierung der Rebellen und Wiederverleihung des Bürgerrechts an die weißen Südländer fortfuhr. Während dieser innern Kämpfe war 1867 Nebraska als 37. Bundesstaat aufgenom-^[folgende Seite]