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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Verzinken - Verzug
zosen (Couperin) übertrugen sie alo Agrömentc'
auf die Instrumentalmusik. Erst im 1^. Jahrb. ward
es allgemein gebräuchlich, die V. in den Noten anzu-
geben. Bis dabin winde ihre Wabl und Ausführung
den Ausführenden überlassen. Gebräuchlich sind noch
von V. der Triller, Pralltriller, Mordent, Doppel-
scklag, der Vorschlag und das Arpeggio.
Verzinken, das überziehen mit ^ink, wird
hauptsächlich auf Eisen (Telegraphendrähte, Schrau-
ben, Steinklammern, Geschützkugeln, Nägel, Blech)
ausgeführt, und zwar als Schutz gegen Rost. In-
dem das verzinkte Eisen mit Wasser oder Feuchtig-
keit in Berührung eine Kette bildet, in der das Zink
den elektropositiven Bestandteil ausmacht, wird nach
und nach das Zink orydiert, während das Eisen
unangegrissen bleibt. Die in Betracbt kommende
Stellung des Eisens und Zinks in der elektrischen
Spannungsreihe (s. Elektrochemische Theorie) gab
die Veranlassung, das V. des Eisens Galvanisie-
ren und das mit Zink überzogene Eisen galvani-
siertes Eisen zu nennen. Das V. geschieht selten
auf nassem Wege (d. h. durch Niederschlagen von
Zink aus Zinksalzlösungen); meist wird es anf trock-
nem Wege bewirkt. Die betreffenden blank gebeizten
und sorgfältig gereinigten Gegenstände werden er-
wärmt und in ein Zinkbad getaucht. Für das V.
von Vlechtafeln wird ein Walzwerk benutzt, dessen
Walzen innerhalb des geschmolzeneu Zinks rotieren,
^ur galvanischen Verzin kuug benutzt man als
^ersetzungsflüssigkeit entweder eine Lösung von Zink-
oryd in Natronlauge oder eine Lösnng von Chlor-
zink und Salmiak; sie bietet keinen so großen Schutz
gegen das Rosten als das V. auf trocknen: Wege.
Kupfer fowie verkupferte Metalle verzinkt man durch
Eintauchen in eine konzentrierte 'Atznatronlösung in
Berührung mit Zink bei 100" (^. Noch rascher erfolgt
die Verzinkung, wenn man das Zink, welches das
Kupfer berühren muß, noch mit metallischem Blei in
Berührung bringt. - Vgl. Richter, Die galvanische
Verzinkung des Eisens (Lpz. 1895). l(der Hölzer).
Verzinkung, ein volzverband, s. Verknüpfung
Verzinnen, das überziehen eiferner, kupferner,
messingener, bronzener und anderer Gegenstände
mit Zinn. Durch V. wird eine Verschönerung des
Ansehens oder ein Schutz gegen Rost, Säuren u. s. w.
erreicht. Im allgemeinen geschieht das V. durch
Eintauchen oder Einlegen der von allen Unreinig-
keiten und von Oryd befreiten Stücke in das stark
erhitzte, flüssige Zinn, bei Gefäßen durch Aufreiben
des geschmolzenen Zinns unter der das Festhalten
befördernden Mitanwendung von Kolophonium,
Salmiak oder Chlorzink. Sehr gebräuchlich ist das
V. von Weißblech (mit Zinn überzogenes Eisen-
blech), das oberflächlich, wenn es mit Säuren ge-
beizt wird, in Metallmobr (s. Moirö) übergebt. V. auf
nassem Wege, das aber nur einen äußerst dünnen
Zinnüberzug giebt, kommt unter dem Namen W e isi-
sud auf gewissen Waren von Mefsing, wie Steck-
nadeln, Kleiderhaken u. s. w., vor und wird z. B. er-
zeugt, indem man die Waren mit feingekörntem Zinn
und Weinstein in Wasser kocht. " ^ls. d.).
Verzögerung, der Gegensatz zu Beschleunigung
Verzögerungsgebühr. Nach dem Deutschen
Gerichtskostengcsetzvom18.Iuui1878,8.48,kannim
Civilprozeß das Gericht, falls durch Verschulden einer
Partei oder eines Parteivertrcters die Vertagung
einer mündlichen Verhandlung oder die Ansetzung
cines Termins zur Fortsetzung derselben veranlaßt,
oder falls infolge scbuldbaft verspäteten Vorbringens
von Angriff- oder Verteidigungsmitteln, Beweis-
mitteln oder Beweiseinreden die Erledigung des
Rechtsstreits verzögert wird, von Amts wegen die
besondere Erhebung einer Gebühr, und zwar erstern-
falls für die verurfachte weitere Verhandlung, letz-
ternfalls für die neu veranlaßte Beweisanordnung,
beschließen. Die Gebühr besteht in der vollen Ge-
bühr (f. Gerichtskosten), kann jedoch bis zu zwei
Zehnteln herabgesetzt werden. Das Gesetz will bier-
mit der Prozeßverschleppung entgegenwirken. Wirk-
samere Mittel, der Prozeßverschleppung entgegen
zu treten, hat die Osterr. Civilprozeßorduuug vom
1. Aug. 18^5 dadurch gegeben, daß sie Erstrcckung
von Terminen und Fristen durchgängig von der
Genehmigung des Gerichts abhängig gemackt und
sie nur sür bestimmte Fälle zugelassen hat.
Verzuckerung, cbem. Prozeß, s. Saccharifikation.
Verzückung, s. Ekstase.
Verzug (lat. "wrli), die Verzögerung der Er-
süllung einer Forderung, welche entweder dem Gläu-
biger (AnnahmeVerzug, nwra. ci^ditoris) oder
dem Schuldner (ErfüllungsVerzug, inora äkdi-
toi-i") zur Last fällt. Der V. des Schuldners
wird durch die Fälligkeit der Schuld und durch die
nach dem Eintritt der Fälligkeit erfolgte Mabnung
(Interpellation), d. h. die Aufforderung zu erfüllen,
bewirkt. Die Mahnung an einem unpassenden Orte
oder zu einer unpassenden Zeit kann der Schuldner
zurückweisen. Im übrigen kann sie auch von einem
Bevollmächtigten oder gesetzlichen Vertreter des
Gläubigers und an den gesetzlichen Vertreter dec?
Schuldners oder einen vom Schuldner zur Entgegen-
nahme der Mahnung Beauftragten erfolgen. Be-
darf es zur Erfüllung einer Mitwirkung des Gläu-
bigers, so tritt ein V. des Schuldners nur ein, wenn
die hiernach zur Erfüllung erforderlichen Voraus-
setzungen vorhanden sind. Die Mahnung erfordert
keine besondere Form. Nach franz. Recht (Coäe civil
Art. 113s)) muß die außergerichtliche Mahnung durch
Vermittelung eines Huissiers oder Notars erfolgeu.
Der Mahnung bedarf es zum Eintritt des V. nicht,
wenn für die Leistung eine Zeit nach dem Kalender
oder, sofern eine Kündiguug vorauszugehen hat,
dergestalt bestimmt ist, daß sie sich von der Kündi-
gung ab nach dem Kalender berechnen läßt: Dic8
inwi'i^Nllt pro Iiomine. Doch gilt das nach (^oä6
civil und Badischem Landr. Art. 1139 nur, wenn
dies der vertragsmäßige Schuldtitel besagt; nach
Sächs. Bürgert. Gesetzb. §. 736 und nach Schweiz.
Obligationenrecht Art. 117 nur, wenn die Er-
füllungszeit durch Vertrag festgesetzt ist; nach Preuft.
Allg. Landrecht, Österr. Bürgert. Gesetzbuch und
Deutschem Bürgert. Gesetzb. §. 284 allgemein, ali'o
auch weuu der liil^ durch ein anderes Rechtsgeschäft,
durch Urteil oder Gesetz bestimmt ist.
Der Mahnung steht die Erhebung der Klage aus
die Leistung und die Zustellung eines Zahlungs-
befehls gleich. Umstände, welche die Säumigkeit
des Schuldners entschuldigen, also äußere Umstände,
welche ihn an der Erfüllung gehindert haben, ohne
daß er sie bei entsprechender Aufmerksamkeit vorher-
sehen oder abwenden konnte, gerechte Zweifel an
der Existenz der Schnld, ibrer Höhe, der Erfülluugö-
zeit u. s. w. schließen den Eintritt des V. aus. Der
Schuldner im V. hat dem Gläubiger den Sckaden
zu ersetzeu, welcher ihm daraus erwachsen ist, daß
ihm nicht rechtzeitig geleistet wurde. Doch haben
Landesgesetze über das Maß dieses Schadens sür
verschiedene Fälle verschiedene Bestimmungen. Bei