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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Vichy - Victor
Steinkohlengruben und liefert Amethyste, Topase
und farbige Krystalle.
Vichy (spr. wischih), Badeort im Arroudissement
La Palisse im S. des franz. Depart. Allier in Bour-
bonnais, 259 m ü. d. M., rechts mn Allier, über
den eine Brücke führt, an der Linie St. Germain-
des-Fosse's-Thiers der Mittelmeerbahn, besteht au?
der Altstadt im S. und dem neuern schönen Teil
im N. und hat (1896) 11658, als Gemeinde 12330
(5., ein Bürger- und ein Militärhospital' Woll-
spinnerei, Mehlfabrik und Handel. Das große Bade-
etablissement von 1820, dem 1853 aus der West-
seite noch ein größerer Bau hinzugefügt wurde,
so daß nnn täglick 3500 Bäder abgegeben werden,
gehört dem Staat und wird von Pächtern ver-
waltet. Im alten Bau sind die wichtigsten Quel-
len: 1e Pnits Chomel (44° ('.), la Grande Grille
(42"), la Eource Mesdames l16">. im Souterrain
die stärkste le Puits Carre' (45"), die täglich 2520^1
Wasser liefert, das nur zum Baden benutzt wird.
Hinter demselben sind die Gebäude, wo das Salz,
die Pastillen und der Gerstenzucker hergestellt wer-
den, und vor dem Hauptgebäude ist bis zum präch-
tigen Kasino (1860 - 65) ein Park, an dessen
Seiten Hotels stehen. Im südl. Teile haben die
Quellen de l'Höpital (31°), deLarbaud, die drei des
Celestins (14 und 12 ) sowie de Lardy ihre eigenen
Etablissements, die beiden lektcn auch Parkanlagen.
Am Ufer des Allicr und der Westseite der Stadt
bietet der 12 lia große Neue Park eine prächtige
Promenade. Alle zehn Quellen sind ausgezeichnet
durck bohen Gehalt an kohlensaurem Natron und
werden gegen Verdauuugsschwäche, Magenkatarrh,
Säurebildung und Krankheiten der Harnorgane,
auch gegen Gicht und Diabetes angewandt. Sie lie-
fern täglich 6230 lil Wasser, wovon viel getrnnken,
nock mehr (jährlich über 7 Mill. Flaschen) versandt
wird. Während der Saison (15. Mai bis 30. Sept.)
kommen an 60000 Kurgäste an. Auf dem linken
Ufer des Allier ist die intermittierende Quelle von
Vesse und 4 Km südlich davon die von Hauterive,
deren Wasser versandt wird. Zwei andere kalte
Quellen sind 3 km uordöstlich in Cusset ls. d.) am
Sickon, wohin Trambahn sührt. V. war als Vicu8
caliäuL schon den alten Römern bekannt, war dann
vergessen und kam erst unter Ludwig XlV. wieder
in Aufnahme. - Vgl. Grellety, V. 6t 8L8 e^nx
minoi-liws (4. Aufl., Vichy 1886); P. Ioanne, V. "t
K03 0NVII-0N5 (Par. 1889). >Du Deffand.
Vichy-Chamrond ispr. wischih schangröng). s.
Vioia. Iv., Wicke, Pflanzengattung aus der Fa-
milie der Legumiuosen (s. d.), Abteilung der Papi-
lionaceen, mit gegen 180 in der nördl. gemänigten
Zone und in Südamerika weit verbreiteten Arten,
trautartige, ineist kletternde Gewächse. Eine der be-
kanntesten Arten ist die seit uralter Zeit kultivierte
Pferde-, Sau- oder Buffbohne, V. 1^1^ Iv.,
wabrscheinlich aus dem westl. Asien stammend
n. Bobne). Gleichfalls wichtig ist die in Europa und
den Mittelmecrländern einheimische Futterwicke
(V.3Htiv^2).,s.Tafel: Futterpflanz enI,Fig.23),
mit kletterndem, flaumhaarigem Stengel, paarig ge-
fiederten, in eine Wickelranke endenden Blättern und
violettroten Blüten, die zu zwei in den Blattwinkeln
stehen, sowohl der Samen wegen wie als Futter-
pflanze häusig angebant. Eine Kulturform ist die
in England und Belgien zu Blattfutter angebaute
Winterwicke. Eine Reihe anderer in Deutschland
wild wachsender Arten sind teils geschätzte Futter-
kräuter, teils, zumal in Getreidefeldern, lüstige Un-
kräuter, wie z. B. die überall gemeine sog. Vogel-
wicke, V. craccll /., mit dichten rotvioletten oder
blauen Blütentrauben, und die zottigeWicke oder
Sand wicke lV. vi11o8H AfM, s. Taf. II, Fig. 1).
V. crviliH, s. Linsenwicke.
Vicinäl (lat.), nachbarlich.
Vicinälbahnen (in Österreich) oder Lokal-
babnen, s. Nebenbahnen. Ordnungen).
Vicksburg (spr. wicksbörg), Hauptort des County
Warren in: nordamerik. Staate Mississippi, auf stei-
ler Anhöhe, auf der Ostseite des Mississippi, an der
V.-Sbreveport-Merioian- und der nordsüdl. Louis-
ville Neuorleans-Texasbahn, zählt (1890) 13373 E.,
darunter 6000 Neger, und ist die größte Stadt des
Staates. V. hat bedeutenden Baumwollhandel,
einige Groschandelshäuser, Baumwollölmühlen und
Dampfschiffabrt. V. war während des Bürgerkrieges
wegen feiner Eisenbahnverbindung und strombeherr-
schenden Lage von großer Wichtigkeit. Am 22. Mai
1863 wurde'die Stadt angegriffen. Am 4. Juli ka-
pitulierte sie an Grant, wodurch der Flotte des Nor-
dens die Herrfchaft auf dem Mississippi zufiel.
Vico, Giovanni Battista, ital. Philosoph, geb.
23. Inni 1668 zu Neapel, widmete sich juridischen,
histor., philol. und philos. Stndien, wnrde 1697
Professor der Rhetorik und 1734 Hofhistoriograph
des Königs von Neapel. Er starb 21. Jan. 1744.
^ein erstes Werk war "Do autüiuiägiiuli Italoi >im
8:ipiontill" (Neap. 1710); diesen folgten "Oe uno
univei'si .jnri8 principio t't iin6 uno" (ebd. 1720),
"1)6 ccm8wntill ^ni'ispi'uä^ntiao)) (1721) und sein
Hauptwerk "?i incipi äeli^ Lcienxa nnova d' inturno
ali^ C0mmun6 rmtui-H äoUe n^xil)ni>) (Neap. 1725).
Eine Gesamtausgabe seiner Werke besorgte Ferrari
(6 Bde., Mail. 1836 - 37). Auf V., als den Be-
gründer der modernen Geschichtsphilosophie, ist man
in der Gegenwart vielfach zurückgegangen. Er be-
kämpfte den zu seiner Zeit herrschenden Cartesianis-
mus und suchte Erfahrung und gesunden Menschen-
verstand mit der ewigen Ordnung der Dinge zu ver-
mitteln; das Princip der Vermittelung fand er in
Gott, in dem alle Thatsachen und alle Erkenntnis
vereinigt sind. So ist anch die göttliche Vorsebung,
indem sie in der Entfaltung der menschlichen Thätig-
keit sich auf natürliche Weise kundgiebt, die Basis
der Geschichte. In der Entwicklung der Civilisation
uuterscheidet V. drei Perioden, die göttliche, heroische
und menschliche. - Vgl. Werner, Über Giovanni
Battista V. als Geschicktsphilosoph und Begründer
der neuern ital. Philosophie (Wien 1877).
Vicogne (frz., spr. wikönnj) oder Vigogne,
eigentlich soviel wie Vicunawolle (s. d.). Was ge-
wöhnlich V. genannt wird, ist ein aus Schafwolle
und Baumwolle, jetzt auch wohl nur aus Baum-
wolle, jedoch uach Art des Streichgarns hergestelltes
Garn. (S. Spinnerei.)
Vicomte (frz., fpr. wiköngt; vom lat. vi^econiOs'
ital. Visconte; span. Vizcondc; portug. Vis-
conde; engl. Viscount), ursprüuglich der Stell-
vertreter eines Grafen, derzeit in den roman. Län-
dern sowie in England zwischen dem Grafen und
Baron stehender Adelsrang. Die Rangkronen der V.
veranschaulicht die Tafel: Kronen II, Fig. 16^20.
Victor, Aurelius, röm. Geschichtschreiber, s. Au-
relins Victor.
Victor, Name von fünf Päpsten: V. I. (190-
202), ein energischer Mann, der bereits päpstl.