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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Vicenza (Herzog von) - Vich
Asiago, Barbarano, Bassauo, Lonigo, Marostica,
Schio, Thiene, Valdagno und V. mit zusammen
123 Gemeinden. Das Land ist im nördl. und nord-
westl. Teile gebirgig (Lessinische Alpen mit Cima
dodici 2341m und Monte-Pasubio 2236 in, die
sich nach S. in den Bericischen Hügeln >s. d.^ fort-
fetzen), im östlichen eben, wird bewässert vom Agno,
Bacchiglione mit Timonchio und Astico und der
Brenta und liefert Kohlen und Thon, Weizen, Mais,
Reis, Kastanien, Wein, Seide und Vieh. Die In-
dustrie erstreckt sich auf Seiden- und Wollspinnerei,
Weberei, Färberei, Fabrikation von Papier, Stroh-
hüten, pharmaceutischen Artikeln, Porzellan- und
Töpferwaren, Leinwand, Möbeln, Wagen, Leder,
Musikinstrumenten und Eisenwaren. - 2) Haupt-
stadt der Provinz V., zu beiden Seiten des schiff-
baren Bacchiglione, am Nordfuft der Bericischen
Hügel, in einer fruchtbaren, wohl bebauten Ebene,
on der Linie Mailand-Verona-Venedig des Adria-
tischen Netzes und den Anschlußbahnen V.-Treviso
(60 km) und V.-Schio (32 km), mit Dampfstrcchen-
bahn nach Recoaro und Arzignano, ist Sitz des
Prüfekten, eines Bifchofs, Tribunals erster Instanz,
einer Handels- und Gewerbekammer und hat (1881)
27 694, als Gemeinde 39431, nach Berechnung vom
ZI. Dez. 1894: 41200 E., in Garnison 1 Bataillon
des 45. Infanterieregiments, das 4. Kavallerie-
regiment "Genova" (außer einer Schwadron)
und eine Batterie Gebirgsartillerie. Die Stadt ist
von einer Doppelmauer und Graben umgeben,
hat sechs Thore, sieben Brücken (vier über den Ne-
trone, darunter Ponte San Michele von Palladio),
ein altes Kastell und 19 Kirchen. In der Nähe der
Porta del Castello steht das Denkmal Garibaldis
(1887) von Ferrari, auf dem Domplatz das Denk-
inal Victor Emanuels II. (1880) von Benvennti,
auf der Piazza de' Signori zwei Säulen und das
Marmorstandbild Palladios (1859) von Gajassi.
Von Kirchen sind zu nennen der Dom, ein niedri-
ger einschiffiger got. Bau; die Kirche Sta. Corona,
ein got. Backsteinbau mit lombard. Facade und Ge-
mälden; Santo Stefano mit einer Madonna von
Palma Vecchio; die got. Kirche San Lorenzo mit
dem Grab des Bartolommeo Montagna; San Nocco
mit einer Madonna von Vuonconsiglio (1502) und
auf den Bericischen Hügeln die Wallfahrtskirche Ma-
donna del Monte, in Form eines griech. Kreuzes,
mit Kuppel und der Veweinung Christi, einem
Hauptwerk von Montagna (1500). Zur Kirche
führt von der Stadt aus ein bedeckter, auf 180
Pfeilern ruhender, 650 m langer, mit Marmor-
quadern gepflasterter Bogengang. Hinter der Kirche
ein Denkmal der 1848 hier Gefallenen, nahebei die
Statue der Italia lidei-Hta.
Nnter den weltlichen Gebäuden zeichnen sich
aus die Vasilica Palladiana, an der ein Doppel-
geschoß großartiger offener Bogenhallen, mit unten
dor., oben ion. Säulen, den ältern spitzbogigen Bau
des Palazzo della Nagione umgiebt. Im ersten Stock
ein Saal mit Holzdeckc; der schmale rote Turm ist
82 m hoch; anstoßend das Tribunal, gegenüber
der Palazzo Capitano, gegenwärtig Municipio,
von Palladio (1571); daneben der Monte di Pietä
(Leihhaus, von 1553 und 1620); das 'I^tro Olim-
pico auf der Piazza d'Isola, ein Holzbau nach
Palladios Zeichnung und den von Vitruvius ange-
gebenen Verhältnissen in antikem Geschmack erbaut,
1584 vollendet, und der Triumphbogen am Ein-
gang des Campo Marzo.
Unter den 20 Palästen sind die bedeutendsten
die Loggia del Delegato oder Palazzo Prefettizio von
Palladio (1571), der vor 1566 erbaute, 1848 start
beschädigte, 1855 hergestellte Palazzo Chierecati,
eins der besten Werke Palladios, mit dem Nu86o
civico; Casa del Diavolo, ein unvollendeter Palast
von Palladio, mit korinth. Säulen und prächtigem
Kranzgesims; der Vescovado, bischöfl. Palast mit
zierlicher Halle (1494) im Hofe; Palazzo Trissino,
jetzt Porto, von Scamozzi (1588); der got. Palazzo
Schio, mit Nenaissanceportal; Palazzo Thiene, jetzt
Volksbank; gegenüber der Palazzo Porto-Barbarano
(von Palladio, 1577), der got. Palazzo Porto-Col-
leoni, mit schöner Halle, und Palazzo Valmarano
(von Palladio, 1566).
Die Stadt hat ein theol. Seminar, königl. Lyceum
und Gymnasium, bischöfl. Gymnasium mit Biblio-
thek, Seminar, eine technische Schule, ein Englisches
Fräuleinstift, die Olympische Akademie der Wissen-
schaften, Litteratur und fchönen Künste, eine öffent-
liche Bibliothek von 50000 Bünden, drei Theater,
darunter das leatro n'iln-monico das größte, ein
großes Krankenhaus, Taubstummeninstitut, Findel-
baus und andere Wohlthätigkeitsanstalten. Die
Stadt liefert schöne Seide und Seidenstoffe sowie
Reisstroh zu Hüten und treibt ansehnlichen Handel
mit Manufakturwareu und Naturprodukten, na-
mentlich mit Gartenfrüchten, Wein, Getreide und
Schlachtvieh. Bemerkenswert ist das am Fronleich-
namstage gefeierte Volksfest La Rua oder Ruota.
2 km von der Stadt liegt die Villa Notonda oder
Palladiana des Grafen Capra, ein Viereck mit ion.
Säulenvorhallen und Kuppelsaal in der Mitte.
Geschichtliches. Die Stadt, bei den Römern
Vicktill, mittellat. auch Vicentia, war im Altertum
unbedeutend, aber im Mittelalter eine der ersten, die
sich 1167 an den lombard. Städtebund gegen Kaiser
Friedrich I. anschloß. 1236 wurde V. von Kaiser
Friedrich II. erobert und zerstört. 1311 siel dac-
bisher unterthänige V. von Padua ab. Der Kaiser
Heinrich VII. belehnte die Familie della Scala mit
ihr, und diese und andere Familien herrschten da-
selbst bis 1404, wo die Stadt nebst Gebiet sich den
Venetianern unterwarf. Kaifer Maximilian I. er
oberte sie 1509, gab sie aber 1516 wieder an Vene-
dig zurück. 1848 erhob sich V. gegen die Österreicher
und wurde von püpstl. Truppen besetzt, die denselben
20. Mai ein Treffen lieferten. Am 23. Mai und
9. Juni ward die Stadt von den Österreichern be-
schossen und kapitulierte 11. Juni an Radetzkv. 186"',
kam V. an Italien.
Vicenza (spr. witsch-), Herzog von, s. Cau-
laincourt.
Vicepräsident, s. Präsident und Vorsitzender.
Vicefeekadetten, s. Vicedeckoffiziere.
Vicesimation (lat.), s. Decimieren.
Vi oo8Siön!8 (lat.), vermöge der Abtretung.
Vicefteuerleute, s. Vicedeckoffiziere.
Vioe vorsa. (lat.), umgekehrt, gegenteilig.
Vicewachtmeister, s. Vicefeldwebel.
Vich (fpr. witfch) oder Vique, lat. ^usa, Be-
zirksstadt im NO. der span. Provinz Barcelona in
Catalonien, 489 m ü. d. M., links am Gurri, der
rechts zum Ter geht, in fruchtbarer Gegend, an der
Zweiglinie Granollers-San Juan de las Abadesas
der Eisenbahn Barcelona-Perpignan, ist Bischofs-
sitz, hat (1887) 11640 E., eine Kathedrale und vier
weit schönere Kirchen; Baumwollspinnerei, Papier-
und Lemwandfabriken, in der Nähe Kupfer- und