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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Victoria (Stadt) - Victoria (Deutsche Kaiserin)
bohes Hügelland debut sich südwärts bis zur Küste ^
und nach Norden bis an den Murray aus. Dieser
nimmt fast alle Gewässer, soweit sie nicht in den
Wüsten verlaufen, von der Nordseite des Gebirgs-
landes auf, darunter den Goulburn. Das Klima
ist subtropisch (in Melbourne 20" (>. mittlere Tem-
peratur). Wie der ganze Kontinent, leidet auch V.
an Dürren. Die Flora zäblt gegen MD Arten von
Gefäßpflanzen, etwa ein Fünftel der Gesamtflora
Australiens (s. d.), auf kleinem Raum. Hier ist die
Berglandsflora schön entwickelt, die Australischen
Alpen besitzen antarktische Buchen und buschige
Hochgebirgs-Gumbäume ^u^g1vpt^8 klpiim und
1>Äuciüc)!a >3ieb.). Im Gippsland findet die schöne
llud in europ. Gewächsbäusern viel gezogene I^ivi-
8tonli au8tra1i8 ^tt,^. als südlichste Fächerpalme
ihre Südgrenze. Die Fauna ist die von ganz Austra-
lien, doch sind manche Tierarten, wenn auch nicht
Gattungen, den Gebirgen eigentümliäv
Unter der eingewanderten Bevölkerung befin-
den sich 15000 Dentsche und 12000 Chinesen; die
übrigen stammten fast durchweg aus England; Ein-
geborene zäbltc man 1891 noch 565. Katholiken
zählte man 218 591, Juden 6459. Die Einwande-
rung betrug 1888: 102 032, 1889: 84552, 1892:
62951, 1895: 81199; die Auswanderung 60229,
68 418, 69 214 und 88 886 Seelen. Etwa fünf
Neuntel der Einwohner leben in den Städten, be-
sonders in Melbourne, Ballarat und Sandhurst.
Die Haupterwerbszweige der Kolonisten sind Vieh-
zucht und Bergbau, daneben Ackerbau, Handel und
Industrie. Bei dem Reichtum an Wiesen und guten
Weidedistrikten war die Viehzucht die erste Beschäf-
tigung der Kolonisten; sie wird meist auf sog. Sta-
tionen betrieben. Man zählte 1895: 531547 Pferde,
1833 900 Rinder, 13180943 Schafe und 337 588
Scbweine. Der Ackerbau beginnt erst feit einem
Jahrzehnt größern Umfang anzunehmen. Man baut
auf den 33 684 Farms oder Landgütern Getreide
< 5,7 MM. Bushel Weizen, 2,9 Mill. Bushel Hafer,
0,7 Mill. Bushel Gerste und 0,i Mill. Bushel Mais),
Kartoffeln (117238 y, Weil: und Tabak. Seit 1890
an den Ufern des Murray angelegte Verieselungs-
anlagen (besonders Mildura) hatten finanziell
schlechte Ergebnisse. Bisher beschäftigt der Bergbau,
namentlich die Goldgräberei, die meisten Hände.
Der Bergbau auf Gold war früher die bedeutendste
Einnabmequellc der Kolonie, doch wird das Gold
nicht mehr wie früher an der Oberfläche, sondern
von 29897 Arbeitern aus Schachten mittels Ma-
schinen geholt. 1851-95 sind 60 Mill. Unzen im
Werte von 241 Mill. Pfd. St. gewonnen worden.
Die Ausbeute betrug 1893: 707367,1894: 739244,
1895: 740086, 1896: 805087 Unzen im Werte von
2,5, 2,5, 3 und 3,5 Mill. Pfd. St. Weniger wichtig
sind die Erträge von Zinn, Kupfer, Silber, Antimon
und Kohle. Industrielle Betriebe bestanden (1895)
2675, davon benutzten 1674 Dampf- oder Gas-
motoren. Der Handel bewegt sich fast ausschließlich
nach England und den andern austral. Kolonien.
Er betrug in der Einfuhr 1889: 24, 1891: 21,?,
1893: 13,3, 1895: 12,5, 1896: 14,<i; in der Ausfuhr
12,4,16,13,3, 14." und 14,2 Mill. Pfd. St. Sehr
hoch sind die Einfuhrzölle (1895: 17 Proz. des Eiu-
fuhrwerts). Die Haupteinfubrwaren sind Wolle und
Wollwaren, Baumwollartikel, Zucker, Vieh, Kohlen;
zur Ausfuhr kommen namentlich Gold und Wolle,
ferner Brotstoffe, Leder, Talg. Von den 1948
Schiffen mit 2,2 Mill. t, die 1895 einliefen, landeten !
1655 mit 2,0" Mill. t iu der Hauptstadt Melbourne,
wo sich der Gesamthandel konzentriert.
Die Eisenbahnen sind staatlich, betragen (1896)
5023 Ivin und brach teil einen Neinertrag von 0,555
Mill. Pfd. St. Güter wurden 2163722 t, Personen
41 Mill. befördert. Der Telegraph hatte 1896 eine
Drahtlänge von 15062 km. Telephon ist sehr ver-
breitet. Die Regierungsform ist dieselbe wie in den
andern austral. Kolonien; an der Spitze steht ein
Gouverneur mit verautwortlichem Ministerium und
ein Parlament aus zwei Häusern bestehend. 1895/96
betrugen die Einnahmen 6458682, die Ausgaben
6786221 Pfd. St.
Vgl. Brougb Smyth, ^111" ^dorj^iii08 c>k V.,
>vitli not^" leiutinF tc> tde Ii^dits ot tke n^tiv68
s"t' otliei' i)2i t8 Ot'^u8ti'g.1ia luiä ^8nmnii<. (2 Bde.,
Melbourne 1878); Hayter, ^U8ti-Hiu8ian 8t3.ti8tic8
t'oi- tk" >6m-1884 (ebd. 1885); ders., V. ^6M'-doo1<
<ebd.); Thomson, I1In8tr",t0(I IlHiiddook ok V.
(ebd. 1886). ftito-Santo (s. d.).
Victoria, Hauptstadt des brasil. Staates Espi-
Victoria, Hauptstadt der Vaneouverinsel und
der canad. Provinz Britisch-Columbia, an der San-
Iuan-de-Fuca-Straße, Endpunkt der Canada-Pa-
ciftc-Bahn, die bei Vancouver vom Festland nacd
Nanaimo übersetzt, ist Sitz des Lieutenant-Gouver-
neurs, hatte 1891: 16 841, 1894 etwa 25000 E.,
darunter 3000 Chinesen, die in einem besondern
Viertel wohnen. An der Iamesbai liegen die Re-
gierungsgebäude mit Parlament und Museum,
ein neues Zollhaus, Stadthalle, Marinehospital,
anglikan. Kathedrale, kath. Iosephshospital, Col-
leges, ein Theater und ein Beacon-Hill-Park.
Elektrische Bahnen durchziehen die Straßen. Wich-
tig ist die Ausfubr von Kohlen, Holz und Lachs,
Wagen-, Maschinenbau, Sägemühlen, Ziegelei,
Brauerei u. s. w. V. ist Sitz eines deutschen Konsuls.
Victoria, Ciudad de, Hauptstadt des mexik.
Staates Durango (s. d.). ^maulipas (s. d.).
Victoria, Hauptstadt des mexik. Staates Ta-
Victoria, La (Santa Maria de la V.),
Stadt im Staate Guzman Blaneo der Republik
Venezuela, am Rio Aragua, hat 12 000 E. und
Plantagen von Kaffee, Zucker und Kakao.
Victoria, Hauptstadt der Insel Hong-kong (s. d.).
Victoria, altröm. Siegesgöttin, in vielen Tem-
peln verehrt und vielfach auf Kunstdenkmälcrn m
der Gestalt der griech. Nike (s. d.) dargestellt.
Victoria, Ädelaide Marie Luise, Teutsche Kai-
serin und Königin von Preußen, geborene Princeß
Royal von Großbritannien und Irland, Herzogin zu
Sachsen, geb. 2l. Nov. 1840 im Buckiughampalast
zu London als ältestes Kind der Königin Victoria
(s. d.) von Großbritannien und Irland und ihres Ge-
mahls, des Prinzen Albert von Sachsen-Coburg und
Gotha. Im Herbst 1855 erfolgte in Valmoral im
schott. Hochlande ihre Verlobung mit dem Prinzen
Friedrich Wilhelm von Preußen, spätern Kaiser
Friedrich III., 25. Jan. 1858 im St. Iamespalast
iu London die Vermählung. Nach dem Tode ihres
Gemahls (15. Juni 1888) nahm sie den Namen
Kaiserin Friedrich an und residiert meist auf
Schloß Friedrichshof bei Cronberg. V. ist eine be-
gabte Malerin und Bildhauerm, und die Entwick-
lung des Kunstgewerbes empfing durch sie reiche
Förderung. Von ihr ging der Anstoß aus zur Stif-
tung der nach ihr benannten "Victoria-National-
Iuvalidenstiftung" im 1.1866. Während des Krie-
ges von 1870^ 71 wirkte sie von Homburg aus für