Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

329
Vielfarbenmaschine - Vienne (Departement)
bunom wird. Nach Herstellung der Verbindung
muß ferner der Beamte durch ein deutlich wahr-
nehmbares Schlußzeichen davon benachrichtigt wer-
den können, daß das Gespräch beendigt ist und
cr die verbundenen Leitungen wieder voneinander
trennen soll. Außerdem möchte der Beamte befähigt
werden, während des Gesprächs in zwei verbundenen
Leitungen sein Telephon so mit diesen Leitungen zu
verbinden, daß cr vernimmt, ob noch gesprochen
wird; natürlich darf dabei das Gespräch nicht gestört
werden: ein solches Beborchen ist ans dienstlichen
Rücksichten geboten, wenn die Verbindung der beiden
Leitungen schon lange bestebt, das Schlußzeichen
nicht gegeben oder überbört worden sein könnte, eine
der beiden Leitungen aber von einer dritten gewünscht
wird. Alle diese verschiedenen Verrichtungen sollen
möglichst rasch und leicht ausgeführt werden können
unter ldunlichster Fernbaltung aller den Betrieb
störenden und erschwerenden Irrungen. Im kleinern
Umfang bietet der Linienwähler von Mix <^ Genest
(s. Telepbonanlagen" äbnliche Leistungen wie ein V.
Vielfarbenmafchine, eine Rotationsmasckine
von Kömg ^ Bauer in Kloster Oberzcll; sie druckt vou
gebogenen Galvanos in drei oder fünf Farben; die
Bogen werden geschnitten angelegt; jede Form wird
zweimal eingefärbt. Die V. eignet sich für Spiel-
karten, (Metten, Landkarten, Accidenzien u. s. w.
Vielfraß (^u1c>), eine Gattung der Bärcnmarder
is. d.) von gedrungenem Körperbau und mit kurzem,
buschigem Schwänze. Der nordische V. l(lnl<"
Ixn oaii^ ^7^o?l; s. Tafel: Bären m a r d e r, Fig. 1 j
tritt mit balber Sohle auf, bat starke Füße mit
scharfen Krallen, einen breiten Kopf mit stumpfer
Schnauze und knrzen, abgerundeten Ohren. Sein
dunkelbraunes, aber nicht feinhaariges, zu Pelzen
und Decken verwendetes Fell zeigt auf dem Rücken
cinen schwarzen Sattel (den sog. Spiegel). Ohne
den 22 cm langen Schwanz mißt er bis 75 cm. Er
findet sich in allen Nordpolarländern. Bei Tag und
Nacht gebt der V. auf Raub aus, fängt Füchse,
Hasen sowie kleine Säugetiere und Vögel und wird
sogar den Renntieren gefübrlich. Der amerika-
v^n cke V. oder Wolverene ist nur eine Lokalrasse
Vielfuß, s. Schnnrasseln. ftes nordischen.
Vielgötterei, s. Polytheismus.
Vielheit, s. Größe.
Vielhnfer, s. Dickhäuter. js. Störungen.
Viel-Körper-Problem, in der Astronomie,
Viella, Hanptort des Hochthals Aran ls. d.).
Viel Lärm um Nichts, s. Nncn :uw ulwut
Vielle (frz.,fpr.wlcll), s. Drehleier, inotnin^.
Vielliebchen, ein Spiel, das darin bestebt, daß
die in Nüssen oder Krachmandeln vorkommenden
Doppelkerne von zwei Personen geteilt gegessen
werden, worauf die Beteiligten sich am andern
Morgen mit "Guten Morgen, V." begrüßen; wer
dies zuerst sagt, gewinnt und erhält ein Geschenk
von dem andern. Variationen dos Gebrauchs be-
steben darin, daß man ".I'v p6N80'> oder "Ich denke
dran" sagen muß, so oft man etwas aus der Hand
seines Mitspielers nimmt, oder stets ein grünes
Blatt bei sich tragen mnß und äbnlicbes.
Vielmännerei, s. Polyandrie.
Vielmäuler, s. Sangwürmer.
Vielstimmig oder polyphon ist ein Tonsatz,
in dem alle Stimmen melodisch selbständig geführt
sind. Demnach ist dieser Satz dem h omopbonc n
odcr monodischen entgegengesetzt, in dem nur
eine Stimme den Charakter der Hauptstimme sübrt
und von den andern, welche die vollen Accordc an-
geben, begleitet wird. (S. Stimmführung.)
Vielteilige Größe, s. Polynom.
Vielweiberei, s. Polygamie.
Vien (spr. wiüng), Joseph Marie, Graf, franz.
Maler, geh. 18. Juni 1716 zu Montpellier, widmete
sich seit 1741 zu Paris unter Natoire der Malerei und
ging 1744 nack> Rom, wo er unter anderm das jetzt
im Louvre befindliche Bild Der eingeschlafene Eremit
malte. 1750 nach Paris zurückgekehrt, leitete er
25 Jahre hindurch eine von ihm eröffnete Maler-
sckulc, die als Pflanzstätte des franz. Klassicismus
^s. David, Jacques Louis) berühmt geworden ist.
1775 wurde er an Stelle Natoires zum Direktor der
Französischen Akademie in Rom ernannt; 1781 traf
er wieder in Paris ein, wurde 1789 zum Hofmaler
des Königs ernannt und von Napoleon durch Er-
nennung zum Senator ausgezeichnet. Er starb
27. März 1809 in Paris. Außer dem ebenfalls im
Louvre befindlichen Bilde Dädalus und Ikarus
<1754) und dem Raub der Proserpina (Museum zu
Grenoble) schuf V. Darstellungen biblischen Inhalts.
Vienenburg, Dorf im Kreis Goslar des preusi.
Reg.-Bez. Hildesheim, an der Einmündung der
Radau in die Oker, an der nördl. Abdachung des
Harzes und den Linien Halle-Halberstadt-Seesen und
Brannschweig-Harzburg der Preuß. Staatsbahncn,
bat ^1895) 3717 E., darunter etwa 720 Katholiken,
Postamt zweiter Klasse, Telegraph, evang. und katb.
>Urcbe; Zuckerfabrik, Kalifalzwerk, Fabriken für
Holzstoff, Papier und Snperphosphar, Fournier-
schneiderei, Sägemühle, Getreide- und Mehlhandel.
Vienne (spr. wlenn), 372 km langer, linker
Nebenstuß der Loire, entspringt im N. des Depart.
Correze, am Mont-Tdouze (954 iu) des Plateaus
von Millevache, fließt in das Depart. Haute-Vicnne,
wo cr in malerischem Lanf rechts die Maude und
unterhalb St. Löonard den Taurion erhält, an Li-
moges vorübergeht, links die Briancc empfängt,
um, an St. Iunicn vorbei, im Depart. Charente
eine nördl. Richtung einzuschlagen. Unterhalb Con-
folens tritt er in das Departement V., nimmt links,
von Poitiers her, den Clain auf und wird bei Chä-
tellerault für die letzten 74 kni fchisfbar. An der
Grenze des Depart. Indrc-et-Loire geht ihm rechts
die schiffbare Creusc zu. Er mündet oberhalb Saumur.
Vienne (spr. wienn), Departement im westl.
Frankreich, bestebt aus dem östl. oder obern Poitou,
grenzt im NO. an Indre-et-Loire, im O. an Indre,
im ^O. an Haute-Viennc, im S. an Charente, im
W. an Denr-Sevres und im NW. an Maine-et-
Loire, bat anf 6970,3? lnach Berechnung 7023) hkm
(1890) 338114 E. (0241 weniger als 1891), alfo
48,7 E. auf 1 <ikm, darunter nur 259 Ausländer,
und zerfällt in 5 Arrondissemcnts (Chatellerault,
Civray, Loudiln, Montmorillon, Poitiers) und
:',!. Kantone mit 300 Gemeinden. Hauptstadt ist
Poitiers. Das Land ist ziemlich eben, die größte
Erbebung (westlich bei Chätellerault) beträgt 171 in,
es ist bis auf ein paar große Sand- und Heidestrecken
ziemlich fruchtbar und liegt fast ganz im Gebiet der
V. und ihrer Zuflüsse; nur im Süden fließt die
Charente und im Norden an der Westgrenze die bei
Saumur mündende Dive. Abgesehen von dem nicht
seltenen plötzlichen Temperaturwechsel ist das Klima
mild. Die Erde liefert gutes Eifen, Blei, Marmor,
Mühl-, Schleif- und vorzügliche Lithographiesteine.
Der Ackerbau lieferte (1895) 1 887 200 KI Weizen,
l,020<> ni Roggen, l 385200 iil Hafer, 486300 Kl