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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Vienne (Haute-, Departement) - Vier

Gerste, 2 338 560 hl Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Obst und Wein (1895: 346 901 hl, im Durchschnitt 1885-94 jährlich 397 097 hl). Die durch gute Wiesen begünstigte Viehzucht hatte 1895 einen Bestand von 35 582 Pferden, 119 549 Stück Rindvieh, 361 035 Schafen und 89 339 Schweinen, außerdem Esel und Ziegen; auch Wild und Geflügel sind vorhanden. Die Eisenindustrie ist bedeutend, obwohl die 15 Erzgruben nicht viel Eisen liefern, sonst werden Posamenten, Maschinen, Leder und Papier fabriziert. Den Handel mit Getreide, Mehl, Futter, Wein, Branntwein, Kastanien, Nüssen, Luzerne- und Kleesamen, Honig und Wachs fördern (1893) 549,4 km Eisenbahnlinien und (1895) 384,5 km Nationalstraßen; von höhern Lehranstalten bestehen ein Lyceum und drei Collèges. - Vgl. Redet, Dictionnaire topographique du département de la V. (Par. 1881).

Vienne, Haute- (spr. oht wĭenn), Ober-Vienne, Departement in Westfrankreich, besteht im S. aus Ober-Limousin und im N. aus der Nieder-Marche, liegt zwischen den Departements V. (im NW.), Indre (im N.), Creuse (im O.), Corrèze (im SO.), Dordogne (im SW.) und Charente (im W.), hat auf 5517,33 (nach Berechnung 5490) qkm (1896) 375 724 E. (2846 mehr als 1891), also 68,1 auf 1 qkm, darunter nur 290 Ausländer, und zerfällt in 4 Arrondissements (Bellac, Limoges, Rochechouart, St. Yrieix) und 27 Kantone mit 203 Gemeinden. Hauptstadt ist Limoges. Das Land ist im Süden und Osten durch zwei westl. Ausläufer des Gebirges der Auvergne gehoben, die Südgrenze entlang ziehen die Berge von Limousin, erheben sich an der Südostgrenze (im Mont-Gargans) 731 m, im Nordosten von St. Yrieix (in der Condamine) 503 m und westlich von Chalus 496 m hoch. Östlich von Limoges steigt an der Grenze der Mont-Larron 622 m empor und nördlich trennt ein zweiter Höhenzug (im Puy de Sauvagnac 701 m hoch) die Gebiete der V. und Gartempe oder Limousin und Marche. Abgesehen vom Quellgebiete der Charente und Tardoire im Westen und der Isle mit Dronne und Loue im Süden gehört das Departement dem Gebiete der hier nicht schiffbaren V. und ihrer Zuflüsse an. Das Klima ist feucht, kühl und veränderlich, der Boden steinig und nur strichweise fruchtbar. Er liefert Eisen, Blei, Kupfer, Antimon, Granit, Bausteine und im Süden, bei St. Yrieix, ausgezeichnetes Kaolin. Der Landbau liefert Weizen (1895: 728 567 hl), Roggen (1 024 604 hl), Hafer (331 855 hl), im magern Oberlande nur Buchweizen (661 196 hl), ferner Kartoffeln (2,5 Mill. Centner), Hanf und Raps. Ausgedehnte Wiesen gestatten bedeutende Viehzucht, besonders schöner Pferde. 1895 gab es 8226 Pferde, 211 007 Stück Rindvieh, 614 660 Schafe, 166 208 Schweine sowie 25 891 Bienenstöcke. Auch Wildbret fehlt nicht. Die Industrie liefert besonders Porzellan (40 Fabriken mit mehr als 6000 Arbeitern), Eisenwaren, Tuch, Wollzeuge, Papier, Holzschuhe sowie Porzellanmalereien (in Limoges). An Eisenbahnen gab es (1893) 413,2 km und Nationalstraßen (1895) 377 km, sowie von höhern Unterrichtsanstalten ein Lyceum und zwei Collegès. - Vgl. Barral, L'agriculture, les prairies et les irrigations de la Haute-Vienne (Par. 1884).

Vienne (spr. wĭenn). 1) Arrondissement im franz. Depart. Isère, hat auf 1741,06 qkm (1896) 137 421 E., 10 Kantone und 136 Gemeinden. - 2) V., lat. Vienna Allobrogum oder Galliae, Hauptstadt des Arrondissements V. und früher von Viennois, links an der Mündung der Gère in die Rhône, über die eine Hängebrücke nach dem zum Depart. Rhône gehörigen Weinbauort Ste. Colombe (1192 E.) führt, 31 km südlich von Lyon, an einem untertunnelten Hügel, zwischen Bergen gelegen, an der Linie Lyon-Valence der Mittelmeerbahn und an der Trambahn nach Le Grand-Lemps und Charavines-les-Bains, ist Sitz eines Gerichtshofs erster Instanz, Handels- und Schiedsgerichts, einer Gewerbe- und Ackerbaukammer. V. hat (1896) 20 997, als Gemeinde 24 977 E., in Garnison Teile des 52. Infanterieregiments und das 19. Dragonerregiment, ein Collège, Hospital, Bibliothek, Theater; Dampfschiffahrt; Obst- und Weinbau, Hüttenwerke für Eisen und Kupfer, Wollspinnerei, Tuchfabrikation, Seidenweberei, Drahtzieherei, Brauerei, Lohgerberei, Herstellung von Papier, Kurz- und Glaswaren und Handel mit Getreide, Wolle, Tuch, Eisen, Wachslichten und Wein (besonders von der Côte rôtie). Die hübsche got. Kathedrale St. Maurice (12. bis 15. Jahrh.), auf einer Terrasse, hat 2 Türme, einen Altar aus grünem Marmor und ein Grabmal zweier Erzbischöfe des 18. Jahrh. von Michel Angelus Slodtz. Am rechten Gèreufer liegen die Ruinen des Schlosses de la Bâtie (13. Jahrh.) und über dem linken die des Schlosses von Pipet und eine Kolossalstatue der heiligen Jungfrau (1860). Von röm. Bauten stehen noch der Tempel von Augustus und Livia, ähnlich der Maison carrée in Nimes, ein 27 m langes, 15 m breites und 17,35 m hohes Gebäude mit korinth. Säulenfaçade und Säulengängen auf den andern Seiten, das aber durch Thüren und Fenster verunstaltet ist; ferner röm. Arkaden und südlich von der Stadt der Plan d'Aiguille, eine 16 m hohe Pyramide, die, von 4 korinth. Arkaden umgeben, für den Eckstein eines Cirkus gehalten, vom Volk das Grab des Pilatus genannt wird. - V. war Hauptort der gallischen Allobroger, seit Diocletian der Provincia Vinnensis in Gallia Narbonensis; später war es Residenz mehrerer Kaiser. Sodann wurde V. die Hauptstadt des ersten und zweiten burgund. Königreichs, 1394 an Frankreich abgetreten und hatte mehrere Konzile in seinen Mauern, darunter das ökumenische von 1311 bis 1312, auf dem Clemens V. den Templerorden aufhob. V. war bis 1801 Sitz eines Erzbischofs (Primas von Gallien). - Vgl. Allmer und A. de Terrebasse, Inscriptions antiques et du moyen âge de V. (6 Bde. mit Atlas, Vienne 1876); Schneyder, Histoire des antiquités de la ville de V. (ebd. 1881).

Vieques (spr. wiëkes), eine der span. Virginischen Inseln (s. d.).

Vier oder Tetras (auch Tetraktys) galt in der Zahlensymbolik der Pythagoreer einerseits als Stellvertreterin der Zweizahl (Dyas), andererseits als Erzeugerin der Zehnzahl (Dekas). Als einfache Zwei oder zweites Glied in der Potenzenreihe dieser Zahl (2, 4, 8, 16 u. s. w.) war sie gleich der 8, 16 u. s. w. Stellvertreterin der Dyas mit dem geometr. Zeichen des Quadrats. Für die Erzeugerin der Dekas galt sie darum, weil die letztere durch Addition der in ihr enthaltenen Zahlen entspringt, indem 1 + 2 + 3 + 4 = 10. Die Dekas galt aber als Symbol der Ganzheit oder des Universums, weil nach dekadischem System alle Zahlen in der Zehn enthalten liegen. Diesem Gedankengange zufolge fiel auf die Vierzahl der Begriff, die Erzeugungs- oder Schöpfungszahl des Universums zu sein, oder die Wurzel und Quelle der ewigen Natur zu bedeuten.