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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Voiron - Vokalapparat
von 1870 und 1871 führte V. mit großer Auszeich-
nung das 10. Armeekorps, das der deutschen Zwei-
ten Armee (Prinz Friedrich Karl) zugeteilt war. Die
Schlachten vor Metz, insbesondere 1(5. Aug. bei
Vionville-Mars-la-Tour, und die Kampfe während
der Einschließung dieser Festung sowie der Feldzug
an der Loire, namentlich der Tag von Veaune-la-
Rolande (28. Nov. 1870), boten ihm vielfache Ge-
legenheit, sich auszuzeichnen. Nach dem Frieden wie-
der kommandierender General des 10. Armeekorps,
nahm er 1873 krankheitshalber den Abschied und starb
11. April 1877 zu Wiesbaden. Seinen Namen führt
seit 1889 das 3. hannov. Infanterieregiment Nr. 79.
Sein Bruder William von V., geb. 10. April
1813, führte 1866 als Oberst die Avantgarde des
5. Armeekorps bei Skalitz und focht mit in der
Scblacht bei Königgrätz. Im Feldzug gegen Frank-
reich erstürmte er als Commandeur der 18. Infan-
tcriebrigade bei Weißenburg den Gaisberg, focht bei
Vörth, führte die Avantgarde des 5. Armeekorps
bei Sedan und bei Petit-Bicetre und war dann vom
Sept. 1870 bis März 1871 Kommandant von Ver-
sailles. 1873 wurde er Commandeur der 20. Divi-
sion, 1881 nahm er seinen Abschied.
Der jüngste Bruder, Julius von V., geb.
16. Febr. 1822, trat 1840 in die Gardeartillerie,
nahm am Deutschen Kriege von 1866 als General-
stabsoffizier der 2. Garde-Infanteriedivision teil,
wurde darauf Chef des Generalstabs des 3. Armee-
korps und machte als folcher den Feldzug gegen
Frankreich mit. 1873 wurde er Generalmajor und !
Direktor des Allgemeinen Kriegsdepartemcnts, 1878 !
Generallieutenant und Infpecteur der 4. Feldartil !
lerie-Inspektion, 1882 Generalinspecteur der Ar !
tillcrie, als welcher er die Waffen den modernen
Ansichten und Erfindungen gemäß umzugestalten ^
berufen war, 1886 General der Infanterie. 1889
nahm er feinen Abfchicd und wurde zum General
der Artillerie ernannt.
Voiron (fpr. wöarbng), Industriestadt im Arron
dissement Grenoble des franz. Depart. Isere in der
Dauphine, 290 in ü. d. M., an der Morge, rechtem
Zufluß der Isöre, an der Linie Lyon-Grenoble der
Mittelmeerbahn, hat (1896)8039, als Gemeinde
12022 E., schöne neue Kirche St. Bruno im Spitz-
bogenstil, eine nationale Gewerbeschule, Hospital,
Bronzestatue der heiligen Jungfrau auf einer An-
böhe; Hüttenwerke, Seidenweberei, Fabrikation von
Strohbütcn, Leinwand, Papier, Wagenbau, Handel.
Voirons, Les (spr. lä wöaröng), 10 Km langer
Bergrücken der Chablais-Alpen (s. Westalpen) im
uordwestl. Teile des franz. Depart. Haute-Savoie,
15 km östlich von Genf, steigt im Calvaire bis zu
1468 m und im Pralaire zu 1412 in auf und ge-
währt einen umfassenden Rundblick.
Voit, August von, Baumeister, geb. 17. Febr.
l601 in Wassertrüdiugen, studierte unter Friedr.
von Gärtner an der Münchener Akademie, über- i
nahm mehrere Reisen durch Italien und Frankreicb !
und führte dann in der bayr. Pfalz eine Anzabl
öffentlicher Bauten aus, in denen er einen von
byzant. und roman. Formell gemischten Stil zur
Anwendung brachte. 1841 als Professor an die
Akademie der bildenden Künste nach München be-
rufen, schuf er für diefe Stadt die Entwürfe zu der
Glasmalereianstalt, der Neuen Pinakothek (1846
- 53; s. Tafel: Museen II, Fig. 1), dem In-
dustrieausstellungspalast (1854). V. starb 12. Dez.
1870 in München.
Voit, Karl von, Physiolog, geb. 31. Okt. 1831
zu Amberg in Bayern, studierte zu München und
Würzburg^Medizin, wandte sich dann ausschließlich
der Physiologie zu und studierte Chemie den Winter
1855 zu Gött'ingen. Im 1.1856 trat er als Assistent
in das Physiologische Institut zu München unter Bi-
schofs, habilitierte sich dann 1857 als Privatdocent
an der Universität, wurde 1860 außerord. Professor
und 1863 ord. Professor der Physiologie und Kon-
servator der physiol. Sammlung. V.s erste wissen-
schaftliche Arbeit waren die Untersuchungen über die
epidemische Cholera in der "Zeitschrift für rationelle
Medizin" (1854), in welchen er das Vorhandenfein
von Harnstoff im Muskel nachwies. Befondere Auf-
merkfamkeit wandte er feitdem den Fragen über Stoff-
zcrsctzung und Ernährung des Tierkörpers zu. Da-
bin gehören von seinen Schriften: " Physiol.-chem.
Untersuchungen" (Heft 1, Augsb. 1857), in denen
er über den Kreislauf des Stickstoffs im tierischen
Organismus und über die Aufnahme des Quecksil-
bers und seiner Verbindungen in den Körper han-
delt; ferner "Untersuchungen über den Einfluß des
Kochsalzes, des Kaffees und der Muskelbewegungen
auf den Stoffwechfel" (Münch. 1860), die mit Bischoff
gemeinschaftlich veranstalteten und veröffentlichten
Unterfuchungen über "Die Gefetze der Ernährung
des Fleischfressers" lLpz. 1860). Andere Arbeiten
über den Eiweißumsatz im tierischen Organismus
sowie über die Respiration und den ganzen Etofs-
umsatz im Körper hat V. in der von ihm mit von
Buhl und von Pettentofer gegründeten "Zeitschrift
sür Biologie" niedergelegt. ^ Die bis dahin erhalte-
nen Resultate seiner Forschungen faßte V. in der
akademischen Festrede "über die Theorie der Ernäh-
rung" (Münch. 1868) übersichtlich zusammen. Seine
spätern pbvsiol. Forschungen auf dem Gebiete der
Ernährung veröffentlichte er in dem Buche "Unter-
suckung der Kost in einigen öffentlicken Anstalten"
< Münch. 187?) sowie in seinem "Handbuche der
Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der
Ernübrung" lim 6. Band des großen "Handbuchs
der Physiologie" von Hermann, Lpz. 1881).
Voitsberg. 1) Bezirkshauptmanuschaft und
Gerichtsbezirk in Steiermark, hat 675,95 qkm und
<1890) 41216 l20994 männl., 20222 weibl.) meist
deutsche E. - 2) Stadt und Sitz der Vczirtshaupt-
mannsckaft und eines Bezirksgerichts (675,95 qkin,
41216 E.), an der Graz-Köflacher Eisenbahn, hat
(1890) 1572, als Gemeinde 3343 E., drei Kirchen,
ein altes Schloß, eine Burgruine, Landesbürger-
schule, Bürgerspital; Leder-, Papier-, Pappen- und
Glasfabrikation und in der Nähe Braunkohlen-
bergbau (s. Köflach). fterbuch.
Vokabel (lat.), Wort; Vokabularium, Wör-
Vokalapparat, eine von Helmholtz (1859) er-
fundene Einrichtung, welche die Vokal- und aucb
andere Klänge aus reinen und einfachen Tönen
zusammensetzt, letztere gehen von Stimmgabeln
aus, die elektromagnetisch nach dem Princip des
Wagncrschen Hammers (s. d.) in Schwingung er-
balten und durch Resonatoren verstärkt werden.
Nenn man nun mehrere dieser Sti?mtt6c?br/)l
gleichzeitig zum Tönen bringt, so ergeben sich, je
nach der Verschiedenheit von Höbe und Stärke der
Töne, die Vokalklänge. In ähnlicher Weise lassen
sich auch mit dem V. Tongemische hervorrufen, die
andere klänge als die der Vokale darstellen. Obiger
V. wird von König in Paris geliefert. Statt der
Stimmgabeln verwendet Apprmn in Hcmau beim