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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wage (Sternbild) - Wagen

man die Skala so einrichtet, daß für eine vorliegende Garnsorte mittels Anhängen eines Strähns von gewisser Länge sogleich die Feinheitsnummer abgelesen werden kann.

Den höchsten Aufwand an mechan. Scharfsinn zeigen diejenigen W. (automatische W.), bei denen das Zubringen der zu wägenden Last auf die Brücke oder Schale und das Abwerfen von derselben selbstthätig erfolgt; zu diesen gehören die Getreidewagen sowie die sinnreichen W. zum Justieren (s. d.) der Münzen. Auch die seit kurzem aufgekommenen Automatwagen (Personenwagen) gehören hierher, auf denen jedermann sein eigenes Gewicht erfahren kann, wenn er eine vorgeschriebene Scheidemünze hineinwirft.

^[Fig. 5]

Um der Parteilichkeit beim Wägen vorzubeugen, dürfen in allen Kulturstaaten nur solche W. verwendet werden, deren Zulässigkeit durch amtliche Aichung bestätigt ist. - Vgl. Brauer, Die Konstruktion der W. (2. Aufl., Weim. 1887).

W. wird auch das Haus genannt, in welchem das Wägeamt für Märkte sich befindet. Schon im Mittelalter gab es derartige Gebäude, von denen sich einige bis heute erhalten haben.

W. heißt ferner ein Teil des Wagens (s. d.).

Wage, Sternbild des südl. Himmels, das zwei Sterne zweiter Größe enthält. (S. Sternkarte des südlichen Himmels.) Bemerkenswert in diesem Sternbild ist ein dreifaches Sternsystem, zu dem möglicherweise noch ein ganz in der Nähe stehender Doppelstern gehört sowie ein schöner von Messier als Nebel entdeckter, von Herschel in zahllose Sterne aufgelöster Sternhaufe.

W. (lat. Libra) heißt ferner das siebente Zeichen des Tierkreises, von 180 bis 210° Länge reichend; es hat als Zeichen .

Wagebalken, s. Balancier und Wage.

Wagen, im Gegensatz zu den ein- bis dreiräderigen Karren (s. d.), die vierräderigen Fuhrwerke zum Transport von Personen und Gütern. Am W. wie am Karren unterscheidet man zunächst das Untergestell oder den Unterwagen und das Obergestell oder den Oberwagen. Wesentlich für die Leistung des Fuhrwerks ist nur die Konstruktion des Unterwagens; der Oberwagen kann auf dem nämlichen Untergestell sehr verschieden angeordnet sein.

Der Unterwagen besteht aus dem Hintergestell, dem Vordergestell und der Deichsel. Zum Hinter- wie zum Vordergestell gehören die hölzerne oder eiserne Achse mit den beiden Rädern und der hölzerne Achsstock, auf welchem zur Verstärkung, durch eiserne Bänder befestigt, der gleichfalls hölzerne Achsschemel angebracht ist. Der vom hintern Achsschemel ausgehende Langbaum mit seinen beiden Streben oder Armen verbindet Hinter-und Vordergestell und vermittelt für ersteres die Lenkung ebenso, wie dies für letzteres durch die Deichsel geschieht. Zwischen Achsstock und Achsschemel des Vorderwagens geben die beiden Deichselarme hindurch, die vor der Achse die Schere zur Aufnahme der Deichsel bilden; hinter derselben gehen sie gehörig weit auseinander, um nahe an den Enden durch einen Querarm, das Lenkscheit oder Drehscheit, verbunden zu werden, eine Anordnung, durch welche dem Vordergestell die selbständige Seitenbewegung (Drehung) gestattet ist. Der über das Lenkscheit hinweggehende Langbaum wird in einer Öffnung des vordern Achsschemels mittels eines von oben durchgesteckten Bolzens, des Spannnagels, festgehalten, um welchen das Vordergestell sich entsprechend drehen kann. Unter oder auf der Deichsel, je nach der Radhöhe, ist mittels eines vertikalen Bolzens der große Schwengel, auch Klippschwengel oder Wage genannt, befestigt, an welchem die zur Anbringung der Zugstränge dienenden kleinen Schwengel, Zugscheite oder Ortscheite, aufgehängt sind.

Zum Oberwagen gehört der mit demselben in Verbindung stehende Wendeschemel oder Lenkschemel, welcher, in der Regel konvex gekrümmt, auf dem vordern Achsschemel drehbar gelagert ist und durch welchen der Spannagel von oben hindurchgeht. Auf der Hinterachse wird der Oberwagen durch geeignete Vorrichtungen, Stemmleisten oder Rungen, festgehalten. Demnach kann die Vorderachse unter Lenkschemel und Oberwagen ihre Lage der bestimmten Stellung der Deichsel entsprechend verändern, ohne daß dieser und die Hinterachse an der Bewegung teilzunehmen brauchen. Wird dann der W. in Bewegung gesetzt, so veranlaßt der veränderte Zug der Pferde gegen die Achse und die hierdurch bewirkte seitliche Pressung des Langbaums das Hintergestell, in die neue Richtung überzugehen. Damit die Lage des Oberwagens eine genau horizontale sei, muß der Halbmesser der Vorderräder um die Höhe des Lenkschemels kleiner als derjenige der Hinterräder sein. Von der hier beschriebenen, für Lastwagen allgemein gebräuchlichen Konstruktion des Vordergestells ist das eigentliche Kutsch- oder Bockgestell schon dadurch verschieden, daß bei demselben über der Vorderachse ein großer freier Raum zur Anbringung des Bocks u. s. w. vorhanden sein muß; auch werden gewöhnlich unterlaufende Räder angewendet, wonach sich die Konstruktion sowohl des Unter- als des Oberwagens zu richten hat. Öfters weist der Unterwagen keinen Langbaum auf; die bezüglichen Verbindungsstücke sind alsdann in den Oberwagen verlegt.

Bei den für landwirtschaftliche Zwecke gebrauchten W. sind die Wände des Obergestells oft durch sog. Leiterbäume gebildet, die durch Spangen oder Sparren an beiden Seiten zu einer Art Leiter verbunden sind, weshalb man dem Ganzen den Namen Leiterwagen giebt; an den obern Enden sind die beiden Leitern gewöhnlich durch eine Art Zange, das Querscheit oder Schuhbrett, vereinigt. Wo die Beschaffenheit der zu transportierenden Materialien durchbrochene Wände nicht gestattet, ersetzt man die Leitern durch einen Kasten, d. h. man bildet aus Brettern und Verbindungsstücken einen oben offenen, an allen vier Seiten geschlossenen Raum, dessen hintere Querwand mit einem passenden Schieber versehen ist.

Von den Lastwagen unterscheiden sich die zur Beförderung von Personen dienenden W. auch dadurch, daß der mit Sitzen versehene Kasten nicht unmittelbar auf den Achsen, sondern zur Vermeidung von Stößen auf Druckfedern ruht oder in