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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Walhallabahn - Walker (Francis Amasa)
Bayern als dauerndes Denkmal deutschen Ruhms
und deutscher Größe gegründet wurde. 1816 erhielt
Leo von Klenzc (s. d.) den Auftrag, Entwürfe an-
zufertigen, 18. Okt. 1830 erfolgt^ die Grundstein-
legung, 18. Okt. 1842 fand die Einweihung statt.
Die W. erhebt sich 98 m hoch über der Donau, auf
einem mächtigen Unterbau als ein dorischer, dem
Partbenon zu Athen nachgebildeter Marmortempel
von 75 '. 35 m Grundfläche und 21 m Höhe. Die
Giebelgruppen schuf Schwanthaler. Das Innere
des Gebäudes, ein Saal ion. Stils (54,5 in lang,
15,5 iu breit, 17 m hoch), ist in drei Abteilungen
gesondert, von denen die mittlere zwei sitzende, die
beiden andern je zwei stehende Siegesgöttinnen von
Rauch enthalten. An der Wand finden sich mar-
morne Neliefdarstellungeu aus den: Leben der alten
Deutschen vou I. M." Wagner sowie die Büsten
liOI) oder, wenn beglaubigte Porträte fehlen, die
in Goldschrift auf Marmortafeln (64) ausgeführten
Namen der "Walhalla-Genossen", deren Reihen, in
Gruppen geteilt, durch Siegesgöttinnen getrennt
werden. - Vgl. König Ludwigs 1. Schrift: W.s Ge-
nossen (Münch. 1842); Adalb. Müller, Donaustauf
und W. (24. Aufl., Regensb. 1894); Cchratz, Kurze
Geschichte und Beschreibung der W. und des Markts
Donaustauf (4. Aufl., ebd. 1896).
Walhallabahn, 1887 genehmigte, 1889 eröff-
nete schmalspurige Nebenbahn von Stadtamhof nach
Donaustauf (9 Km) in Bayern, im Betrieb der Lokal-
bahn-Attiengesellschaft (s. d.) in Müncben. sS. Dcut-
scbe Eisenbahnen.)
Walheim, preuß. Ort, s. Bd. 17.
Wali, Statthalter, türk. Titel, der Vorsteher
eines Ejalet (s. d.).
Walldeh (auch Valideh), im Arabischen soviel
wie Erzeugerin, in den islamitischen Sprachen bei
höherer Diktion für Mutter gebraucht: Sultan
W. (Sultanin W.) oder W. Sultan ist der Titel
der Mutter des Sultans (s. Favoritsultanin).
Walk. 1) Kreis im mittlern Teil des russ. Gou-
vernements Livlaud, hauptsächlich im Gebiet der
Aa, hat 6030,2 (iicm, 123 877 E., meist Letten; Acker-,
besonders Flachsbau, Viehzucht, einige Brauereien
und Branntweinbrennereien. - 2) W., lett. ^Valkg,
esthn. ^Vnlkii-Nii, Kreisstadt im Kreis W., an der
Peddel und an den Linien Petersburg-Riga und W.-
Pskow der Baltischen Eisenbahn, hat (1893) 4815 E.,
Post und Telcgrapb, eine russ., eine evang. Kirche, eine
Syuagoge, ein lettisches Lehrerseminar; Handel mit
Flachs szwei Flachsmärkte), Hanf und Leinsamen.
Walten, ein Arbeitsverfahren, mittels dessen
durch Aufeinanderhäufen lose vereinigte Tierhaare
oder aus solchen durch Spinnen und Weben herge-
stellte Gewebe verfilzt und dadurch befestigt und ver-
dichtet werden (s. Filzfabrikation, Tuchfabrikation
und Appretur). Während in der Filz- und Filzhut-
fabrikation das W. oder Filzen noch jetzt großen-
teils durch Handarbeit geschieht, dienen hierzu in
der Tuchfabritation ausschließlich Maschinen. Die-
selben wirken teils durch Stoß, teils durch Druck,
uud man unterscheidet hiernach Stoßwalken
tWalkhämmer) und Druckwalken (Kurbelwalken,
Walzenwalken). Das W. wird entweder bei gewöhn-
licher oder erböhter Temperatur ausgeführt (Kalt-
walken, Warmwalken). Im erstern Fall füllt
man den das Gewebe aufnehmenden Walltrog mit
kaltem Wasser oder feuchtet auch nur den Stoff
mit solchem an; im zweiten Fall verwendet man
lauwarmes Wasser. Das für feine Tuche gebrauch
lichere Kaltwalken erfordert längere Zeil als das
Warmwalken; dafür ist aber die Verftlzung voll-
ständiger und gleichmäßiger, während ein auf war-
mem Wege gewalkter Stoff zwar auf der Oberfläche
dicht, im Innern jedoch nur in geringem Grade ver-
filzt und daher lockerer und dünner ist. Die zum
W. dienende, das Haar geschmeidig machende Flüs-
sigkeit wird durch Auflösen verschiedener Stoffe,
namentlich von Walkerde (s.d.), in Wasser hergestellt.
Walkenried, Dorf im braunschw. Kreis Blan-
kenburg, an der Wieda, am südl. Abhang des Har-
zes und an der Linie Ottbergen-Nordhausen der
Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts
(Landgericht Brannschweig), hat (1895) 1161 E.,
Post, Telegraph, Reste der prächtigen, 1525 zerstör-
ten, dreischiffigen got. Kirche (13. Jahrh.) und des
1127 gestifteten, 1648 eingezogenen Cistercienser-
klosters, dessen Kapitelstube als Ortskirche dient. In
der Nähe Gipsgruben und der Gipsberg Sachsen-
stein. - Vgl. Girschner, Die vormalige Reichsabtei
W. (Nordh. 1870); Lemcke, Geschichte des freien
Reichsstifts W. (Lpz. 1895).
Walker oder G erb er (I'olvpIiM kiüio 2>.), eine
26-35 mm lange Maikäfer
art (f. beistcbende Abbildung),
deren Flügeldecken auf schoko-
ladenfarbiger Grundfarbe nur
vielen, meist beschuppten
Flecken, Punkten und Strei-
fen überdeckt sind. Der Kä-
fer liebt sandige Gegenden und
lebt besonders anf Kiefern.
Seine Larve wird oft durck
Vernichtung der Wurzeln von
Tünengrasern, die zur Be-
festigung des Dünensandes
angepflanzt werden, schädlicb.
Walker (spr. wahter), Stadt in der eugl. Graf-
schaft Nortbnmberland, an der Linie Newcastle-
Tnnemouth der North-Eastcrnbahn, zählt (1891)
11341 E., hat Eisenwerke und chem. Fabriken.
Walker (spr. wahter), Francis Amasa, amerik.
Nationalökonom und Statistiker, geb. 2. Juli 1840
in Boston, studierte die Rechte in Worcester, brachte
es im Secessionskrieg in der Unionsarmee zum
Brigadegeneral, wurde 18(i9 Direktor des zum
Treasurydepartment gehörigen Statistischen Bu-
reaus der Vereinigten Staaten, 1873 Professor
der Volkswirtschaftslehre und Geschichte an der
81icM(M 8cwitiiic Ncilool der Dale-Universität
in New-Haven, 1881 Präsident des Nli88uc,1in-
86tt8 Institute ot' ^'ecliiiolo^v und stand sowohl
dem IX. als dem X. Census der Vereinigten Staa-
ten als Direktor vor. Er starb 7. Jan. 1897 in
Boston. W. war Bimetallist, Anhänger der Cur-
rency-Schule (s.d.), bekämpfte die altengl. Lehre
vom Lobnfonds (s. Arbeitslohn), war Anhänger der
Rentenlehre Ricardos und bestritt diejenige von
Henry George. Er veröffentlichte: "IX^ (^H8U8 ot'
Üi6 vnit^i 8tat68" (4 Bde., Wash. 1872 - 73),
<c^k6 Inclilni ^N68ti0ii)) (Boston 1873), ">Voi-1ä8'
I^ir, I^tiillulelpilili 1876, 3, ciitic".! keconnt"
(Neuyork 1878), "1!^ n^^-hn^Uon" (ebd. 1876;
neue Ausg., Lond. 1891), "Noiik)'" (Nenyork 1878;
neue Ausg., Lond. 1891), "None^, ti-^<!6 3nä in"
lw8ti-v" (Neuyork 1879), "X^ (^N8N8 ol tli6 Llnitoä
^t3,t68" (Wash. 1883 - 85), "I'oIiticÄi economyv
(Neuyork 1883; neue Ausg., Lond. 1888), "I^uä
linä it8 reut') (Boston 1883; ferner Lond. 1834),