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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wasserstoffsuperoxyd – Wasserverschluß

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Wasserstoffsäuren'

freien Radikalen hervorgehen, wie Chlor , Fluor-, Cyanwasserstoff.

Wasserstoffsuperoxyd, H2O2, chem. Verbindung, die in reinem Zustande äußerst unbeständig ist, aber in wässeriger Lösung längere Zeit existieren kann, namentlich wenn etwas Schwefelsäure zugegen ist. Es entsteht beim Zersetzen einer wässerigen Lösung von Baryumsuperoxyd mit verdünnter Schwefelsäure. In Berührung mit Platinschwarz, Braunstein und manchen organischen Stoffen sowie beim gelinden Erwärmen zerfällt es in freien, gasförmigen Sauerstoff und Wasser. Es wird technisch meist in 3prozentiger wässeriger Lösung dargestellt und in der Bleicherei der Gespinstfasern als Ersatz des Chlorkalks verwendet, dient auch zum Bleichen von Elfenbein, Knochen u. s. w. Aus der käuflichen Lösung kann man durch Destillation im luftverdünnten Raum das reine W. in Gestalt einer wasserklaren sirupösen Flüssigkeit isolieren, welche unter 68 mm Druck bei 84–85° siedet.

Wasserstoffsupersulfid, H2S2 und vielleicht anch H2S3, ölige Flüssigkeit, die beim Eingießen einer Lösung von Superfulfiden der Alkalimetalle und des Calciums in Salzsäure entsteht. W. zersetzt sich nach kurzer Zeit in Schwefelwasserstoff und Schwefel.

Wasserstrauch, virginischer, Pflanzenart, s. Hydrangea.

Wassersucht (Hydrops), die krankhafte Ansammlung von wasserähnlicher Flüssigkeit in den Leibeshöhlen und in den Geweben des Körpers. Dieselbe entsteht entweder infolge von Nierenerkrankung (mit unterdrückter oder beschränkter Harnabsonderung) oder infolge von allgemeinen oder örtlichen Kreislaufstörungen. Allgemeine Kreislaufstörungen dieser Art sind z.B. die Herzkrankheiten, in deren Verlauf es nicht selten zu W. kommt. Die örtlichen zu W. führenden Kreislaufstörungen sind verschiedener Natur und bestehen meist in Verschluß größerer Blutgefäße, z. B. der Pfortader durch Krebsgeschwülste oder durch Entartung der Leber u. dgl. (S. Embolie und Thrombose.) Die bei Entzündungen einzelner Organe auftretende örtliche W. hängt von einer Lähmung der Blutgefäße (der Gefäßnerven) und Verschluß der Lymphgefäße ab. In vielen Fällen endlich entsteht W. durch eine hydrämische Beschaffenheit des Blutes, wobei das letztere ärmer an Eiweißstoffen, wässeriger und dünnflüssiger ist. (S. Blutarmut.) Deshalb schließt sich an manche chronische Ernährungsstörungen, bei denen das Blut durch andauernde Eiweißverluste hydrämisch wird, gern allgemeine W. an; dahin zählen erschöpfende Blutverluste, chronische Eiterungen, Lungenschwindsucht, Skorbut u. a. Je nach den verschiedenen Örtlichkeiten wird die W. verschieden benannt. Die W. der Gewebe heißt Hydrops anasarca oder Ödem (s. Hautwassersucht), die der Bauchhöhle Hydrops ascites (s. Bauchwassersucht), die der Brusthöhle Hydrothorax (s. Brustwassersucht), die des Herzbeutels Hydropericardium (s. Herzbeutelwassersucht), die des krankhaft entarteten Eierstocks Hydrops ovarii (s. Eierstockswassersucht), die eines größern Gelenks Hydarthros (s. Gelenkwassersucht), die der Schädelhöhle Wasserkopf oder Hydrocephalus (s. Gehirnwassersucht). Die Flüssigkeit bei W., das ödematöse oder hydropische Transsudat, dessen Quelle einzig und allein das Blut ist, erscheint bald klar und farblos wie Wasser, bald schwach gelblich oder grünlich gefärbt, bald dünnflüssig wie Wasser, bald dicker, schleimig und klebrig; die Reaktion ist ↔ gewöhnlich alkalisch, sehr selten sauer, das specifische Gewicht niedriger als das des Blutserums.

Die W. ist entweder akut oder chronisch, von monate- und jahrelanger Dauer; ihr Ausgang Heilung (durch Resorption der wässerigen Flüssigkeit) oder der Tod (durch Entkräftung, Lähmung lebenswichtiger Organe, brandige Entzündung). Die Erscheinungen der allgemeinen W. beginnen zumeist an den tiefsten Körperstellen, an den Füßen und Knöcheln, dann folgen Anschwellungen der Augenlider und allmählich ein hydropischer Erguß in die freie Höhle des Bauchfells, endlich der ganzen Haut. Die ödematöse Haut fühlt sich weich und teigig an, ist gedunsen, blaß, glatt und faltenlos, jeder Druck hinterläßt eine Grube, die nur langsam wieder verstreicht. Der Wassererguß in die Bauchhöhle sowie in den Brustraum ist nur durch eine physik. Untersuchung sicher zu erkennen. Die Behandlung der W. erfordert vor allem die Beseitigung der betreffenden Grundursache, was freilich in vielen Fällen unmöglich ist, und die Entfernung und Aufsaugung der hydropischen Flüssigkeit durch Anregung der Nierenthätigkeit (harntreibende Mittel), der Darmfunktionen (drastische Mittel), oder durch Steigerung der Hautausdünstung (Bäder, Schwitzkuren, schweißtreibende Mittel). Bei starker Wasseransammlung in den innern Körperhöhlen wird das Wasser künstlich vermittelst des Trokars entleert. (S. Punktion.) – Über falsche W. s. Sackwassersucht. Über die beim Rinde vorkommende Zellgewebswassersucht s. d.

Wassertöpfe, s. Gasbeleuchtung.

Wassertrense, s. Trense.

Wassertrommelgebläse, s. Gebläse.

Wassertrommeln, s. Bergbau.

Wassertropfen (frz. gouttes d’eau), brasil. Topasgerölle, s. Topas.

Wassertrüdingen, Stadt im Bezirksamt Dinkelsbühl des bayr. Reg.-Bez. Mittelfranken, an der Wörnitz und der Linie Pleinfeld-Augsburg der Bayr. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Ansbach) und Rentamtes, hat (1895) 1772 E., darunter 86 Katholiken und 46 Israeliten, Postexpedition, Telegraph, evang. Kirche und Präparandenschule. Nordwestlich der Hesselberg (689 m), südwestlich der Öttinger Forst.

Wasserturbinen, im Gegensatz zu den Windturbinen (s. Windmotoren), die durch Wasserkraft betriebenen Turbinen (s. d.). Über W. für Gärten s. Gartengeräte.

Wasserturm, s. Wasserversorgung.

Wasseruhr, Klepsydra, im Altertum Name eines mit einem bestimmten Quantum Wasser gefüllten Gefäßes, das unten so durchbohrt war, daß das Wasser in einer bestimmten Zeit abfloß. Sie war schon 600 Jahre v. Chr. bei den Assyrern in Gebrauch. In Athen wurde sie besonders bei den Gerichtsverbandlungen gebraucht, indem die Redner nach der W. die Länge ihres Vortrags einrichten mußten. In Rom wurde die W. 159 v. Chr. eingeführt und diente ebenfalls für die gerichtliche Praxis sowie im Militärdienst zur Bestimmung der Nachtwachen.

Wasserverschluß, eine an Wasserklosetts, Abzugskanälen, Küchenausgüssen oder Gußsteinen, Senkgruben und Einläufen (s. Gully) für Kanalisationszwecke angebrachte Vorrichtung, durch welche mittels einer stets in der betreffenden, eigenartig gekrümmten Rohrleitung vorhandenen Wasserschicht der Abschluß der äußern Luft von der in den Leitungen befindlichen erreicht und somit das Ein-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 538.