Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

560
Webervögel - Webster
Webervögel, Weberfinten (^lockic^),
eine aus 24 Gattungen und etwa 15)0 Arten be-
stehende Gruppe von meist schön gefärbten Fin-
ten, die Süd- und Mittelafrika sowie Südasien
bewohnen (s. Karte: Tiergeographie I), den
lräftigen Kegelschnabel der hinken besitzen und
sich dadurch auszeichnen, daß sie äußerst kunstvolle,
oft gemeinsame Nester bauen, die gewöhnlich zum
Schutz gegen Raubtiere an schwanken Zweigen auf-
gehängt oder dnrch fest gearbeitete schiefe Dächer
gesichert sind. Zu ihnen gehören der Blutschnabel-
weber ((juelea 8an^niniit)8tii8 <??'"?/, s. Tafel:
Webervögel, Fig. 1), der Napoleonsvogel (llu-
1i1ecto8 !Nl'IlinoAa8t"r Hocl//iF., Fig. 2), der Feuer-
vogel (UuM)et68 fl'aN(:j8ClMU8 /561't., s. I^UpIoct63,
Fig. 4), der Scharlachweber (l^ouäia ma^3^l,8cll-
i-6N8i8 6>tt?/, Fig. 3), der Goldweber (Ilxpnluiwi'ni^
Hvn-60itava <^? <2?/, dessen hängende Nester in Fig. 5 ab-
gebildet sind), der Bayaweber (1'Inc0N8 da^ /^?/i/,)
u. a. m., die Viehweiden beftlchenden und den Rin-
dern die Schmarotzer ablesenden Büffelweber fi^xwi-
u1dir08tii8 Fi/'6.), inr weitern ^inne auch die ver-
schiedenen Widahfinken (s. Witwenvögel) u. a. m.,
die alle wegen ibrer Farbenpracht, ihres tuustvollen
Nestbaues imd ibrer guten Haltbarkeit Gegenstand
großer Liebhaberei sind. Alljährlich gelangen Tau-
sende von W. anf den europ. Vogclmarkt, meist aller
dings unausgefärbte billige Vögel, Für aufgefärbte
bezahlt man, je nach der Art, 5, 10, 20 und mebr
Mark für das Paar. Früher rechnete man auch die
Siedelvögel (?uiww"in8), deren gemeinschaftlich
Nester auf der Tafel: W ebervögel abgebildet sind,
zu den W. Jetzt werden sie den Sperlingen zugezählt.
Das Prachtkleid tragen nur die Männchen der W.
zur Fortpflanzungszeit, während sie sonst den un-
fcheinbar gefärbten Weibchen gleichen.
Webkante, soviel wie Ealleiste (s. d.).
Webfchulen, Lehranstalten, die Webereibeflisse-
nen die theoretische und praktische Ausbildung zu
einer umfassendern Ausübung ihres Berufs ge-
währen. Sie sollen die Handweberei verbessern, den
Handwebern Gelegenheit zum Übergang nach der
mechan. Weberei gewähren und die letztere fördern.
Die ersten Verfuche hierzu wurdeu bereits 1770
mit eiucr Webschule zu Hohenelbe in Böhmen ge-
macht; sie war eine Lehrwerkstätte und ging bald
wieder ein. Die erste lebensfähige Wcbscbule wurdl'
1850 zu Reichenbach im Vogtland gegründet. Ibr
folgten bald zahlreiche andere, alle mit Lehrwert-
^ statten verbunden. Man unterscheidet zwischen
höbern W., welche meist ein- oder zweijährige
Kurse habeu, vollen Tagesunterricht erteilen nnd
, die Bestimmung baben, Fabrikarbeiter und Beamte
für umfänglichern Webereibetrieb heranzubildeu,
und den einfachen W., welche vielfach nur bei
einjährigem Kurs durch Abend- und Sonntagsunter
richt Arbeiter oder Werkführer vollkommen auszubil-
wen beabsichtigen. Im Königreich Sachsen zählt man
allein 21 W., wovon die zu Chemnitz (älteste höherc
Webschule seit 1857), Crimmitschau, Glauchau,Groß-
. schönau, Memm', Wcrdau und Reichenbach (seit 1830)
', jetzt als höhere W. gelten. Die 13 preußischen W.
'Mtstammen den sechziger und siebziger, zumeist aber
den achtziger Jahren; die besteingerichtete Webschnlc
ist die höhere kömgl. Lehranstalt für Textilindustrie
zu Krefeid; bedeutend sind auch die W. zu Aachen,
Mülheim a. Rh., Spremberg und Berlin. Bayern
besitzt drei W., zu Passau, Müuchberg und Lambrecht
(Pfalz), wovon letztere die bedeutendste ist. Eine sebr
gut und vollständig eingerichtete Websämlc besitzt
Württemberg in der Fachschule für Spinnerei, We-
berei und Wirkerei mit Färberei und chem. Labora-
torinm zu Reutlingen (1855 gegründet). Ebenso ist
die theoretisch- und praktisch-mechan. Spinn- und
^ Webschule zu Mülhausen (Elsaß, gegründet 1861)
! vorzüglich eingerichtet und gnt besuckt. Die Sckweiz
! besitzt eine Seidenwebschnle zu Wipkingen bei Zürich
l seit 1884 und eine Webschule zu Wattwyl. Zu den
' ersten und auch bedeutendsten österreichischen W. zu
Reichenberg (gegründet 1852), Brunn (gegründet
1860), Wien und Bielitz sind nach 1870 nickt weni-
ger als 25 weitere W. hinzugekommen.
Websky, Christian Friedr. Martin, Mineralog,
! geb. 17. Juli 182-1 zu Wüstegiersdorf in Scklesien,
^ widmete sich anfangs dem Bergfach und rückte bie>
! znr Stellung als Oberbergrat bei dem königl. Ober- -
, bergamt in Breslau vor, habilitierte sich auch als
^ Privatdocent für Mineralogie an der dortigen Uni-
! versität, an der er bald darauf eine außerordent-
liche Professur erhielt. 1874 wurde er ord. Professor
an der Berliner Universität, 1875 Mitglied der
Akademie der Wissenschaften daselbst. Er starb
27. Nov. 1886. W. hat eine große Anzahl kleiner .
Arbeiten über verschiedene Mineralarten veröffent-
licht sowie ein selbständiges Werk: "Die Mineral-
species nach den für das 1'pec. Gewicht derselben an-
genommenen und gefundenen Werten" (Brcsl.
Webspinnen, s. Spinnen. j>868).
Webster, Ort im County Worcester im nord-
amerik. Staate Massachusetts, südlich von Worcester,
, an einen: Nebenflüßchen des Quinebaug-River, an
der Neunort-Neuengland- und der Boston-Albany-
^ Bahn, hat ^1890) 7031 E.; Kaschmir-, anderc-
Textil- und ^chnhfabriken.
Webster, Daniel, amerik. Staatsmann, ged.
18. Jan. 1782 zu Salisbury (jetzt Franklin) in
New-Hampshire, ließ sich 1807 zu Portsmouth in
New-.hampshire als Advokat nieder und ward, nack-
dem er 1812 der Gesetzgebenden Versammlung seinev
! Staates angehört hatte, in demselben Jahre als Ad-
! geordneter in den Kongreß gewählt, dem er als
i Mitglied der Föderalistenpartei bis 1817 angehörte.
! Nach seinem Austritt aus dem Kongreß zog W.
i nach Boston, wo er 1820 Mitglied der die Verfassung
! von Massachusetts revidierenden Versammlung
! wurde. 1823 trat er wieder als Repräsentant von
> Boston in den Kongreß, indem er bald eins der lei-
teiwen Mitglieder wurde. 1827 gelangte er in den
! Senat, dem er bis 1839 augehörte. Präsident.yarri-
son stellte W. 1841 als Staatssekretär an die Spitze
des Ministeriums, und auch unter Tyler behielt W.
dieses Amt noch bis 1843. Im Auftrage deoselben
schloß er 1842 zu Washington mit dem engl. Ge-
sandten Lord Ashburton den Vertrag zur Regulie-
rung der Grenzen, zur Unterdrückung des Sklaven-
handels und zur Auslieferung der Verbrecher ab.
^ 1845 trat W. wieder in den Senat, wo er sich ener-
! gisch gegen den Krieg mit Mexiko erklärte, weil er
ein Gegner der Ausdehnung der Sklaverei war;
später trat er jedoch auf die Seite der Sklavenhalter
z über. Mlmore ernannte ihn zwar im Juli 1850
' zu seinem Staatssekretär, aber der bisher gefeierte
I Mann verlor durch seinen anf die Präsidentschaft
spekulierenden Gesinnungswechsel Ansehen und Ver-
trauen beim Volke. W. starb 24. Okt. 1852 auf
seinem Landsitze zu Marshfield bei Boston. Seine
Reden und Schriften wurden mit einer biogr. Skizze
von Everett u. d. T. "Apokeno?. i'oi^nßic ln'Fnment^