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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Webstuhl - Wechsel (im Handel)
"na llipittinatic paz)6i8 ol Daniel ^V." (6 Bde.,
Bost. 1851) herausgegeben. Sein Sohn veröffent-
lichte seine Privatkorrespondenz (2 Bde., Bost. 1858).
- Vgl. Lanman, 1'rivÄte lile ot' Daniel >V. Most.
1853); Curtis, Daniel >V. (2 Bde., Neuyork 1870);
March, Daniels, anä lii8 eontemporarieZ (6. Aufl.,
ebd. 1853); Lodge, Daniel ^. (5. Aufl., Bost. 1885).
Webstuhl, s. Weberei.
Webzettel, s. Armüre.
Wechabiten, s. Wahhäbiten.
Wechsel, Wechselbrief (neulat. cauidinm;
frz. lettre äe enau^e; engl. dill ot excdan^e; ital.
lettera äi camdio).
I. Geschichtliches. Der W. in seiner heutigen
Gestalt ist seinem Ursprünge nach auf das eigent-
liche Geldwechselgeschäft der Wechsler, campsores,
lianclieri in den ital. Handelsstädten (Genua, Pisa,
Florenz, Amalfi), zurückzuführen, als diese im 12.
und 13. Jahrh, den Welthandel, die Vermittelung
des Handelsverkehrs zwischen dem Orient und Oc-
cident, in ihre Hände gebracht hatten. Die Wechs-
ler besorgten nicht nur den sog. Handwechsel, den
Umtausch einer Münzsorte gegen eine andere von
Hand zu Hand, sondern auch die Vermittelung von
Geldsendungen. Hatte z. V. ein Kaufmann in
Genna an einen Platz in Frankreich, Deutschland,
England zu zahlen, so zahlte er bei einem Wechs-
ler in Genua in dortiger Münze ein und der
Wechsler vermittelte die Auszahlung an dem frem-
den Platze in der dortigen Münze durch seine Nie-
derlassung dort oder durch einen andern Wechsler
oder Kaufmann dort, mit dem er in Verbindung
stand. Das geschah so, daß er dem Einzahlenden vor
dem Notar eine Urkunde ausstellte, in der er den
Empfang der Summe in der eingezahlten Münze
bekannte und fich zur Auszahlung an dem fremden
Platze in der dortigen Münze selbst oder durch einen
Dritten an den Einzahler oder dessen Beauftragten
verpflichtete. Aus dieser Urkunde haftete er nach
Gewohnheit, Privilegien und Statuten der Handels-
städte für die Zahlung. Nachweisbar erhielt z. V.
auch der deutsche Student in Bologna so "seinen
W."; auch zur Übermittelung des Peterspfennigs
nach Rom wurde dies Verfahren benutzt. Urkun-
den dieser Art, ursprünglich in lat. Sprache aus-
gestellt, sind ans den I.^ 1193, 1197, 1207, 1248
vorhanden. Sie haben die Natur eigener domizi-
lierter W. im heutigen Sinne. Im 14. Jahrh., nach-
dem den Urkunden der cainpsore" volle Beweiskraft
verliehen war, wurde es üblich, daß der campsoi-
die Urkunde nicht mehr als eigenen Verpflichtungs-
schein vor dem Notar, sondern selbst ausstellte, und
zwar in der Form eines offenen Briefes an den, der
zahlen follte, enthaltend das Bekenntnis des Em-
pfangs der ^umme in bestimmter Münzsorte und
die Aufforderung an den Adressaten, gegen Aus-
bändigung des Briefes die Summe in der gangbaren
Münze am Zahlungsorte an die im Briefe bezeich-
nete Person oder den Präsentantcn oder einen
Beauftragten derselben zu zahlen. Die Adresse be-
fand sich auf der Rückseite der Urkunde, welche die
Natur der heutigen Tratte hatte. Solche Tratten
finden sich schon aus den 1.1335, 1339,1357,1381.
Nach Gewohnheitsrecht, Privilegien und Statuten
der Handelsstädte haftete der Aussteller des Briefes
für die Zahlung, wenn die Annahme oder Zahlung
verweigert wurde. Proteste im heutigen Sinne, durch
welche dies festgestellt wurde, sind aus den 1.1335,
1339 vorhanden. Die Urkunden lauteten regelmäßig
Brockhaus' Konversations-Lexikon. 14. Aufl.. XVI.
auf Sicht. Anscheinend wurde es schon früh üblick,
sie in zwei Exemplaren, als Prima und Sekunda,
auszustellen, von denen eins an den Adressaten vor-
weg versandt, das andere dem Zahlungsempfänger
gegeben wurde.
Seine weitere Ausbildung erfuhr dies Wechsel-
geschäft auf den Wechselmessen. Nachdem das
Wechselgeschäft einen Umfang gewonnen, der es
dem einzelnen Wechsler unmöglich machte, auf jeden
verlangten Platz W. zu geben, gründeten zuerst die
ital. Wechsler Plätze, auf denen sie zu bestimmten
Zeiten zusammentrafen, um die Wcchsclgeschä'fte
zu erledigen. Solche sog. Wechselmesscn wurden im
14. und 15. Jahrh, in Frankreich, namentlich in
Troyes, Provins, Ligny, Bar lsog. Cbampagner-
messen), in Lyon, Besancon (sog. Burgundcrmessen),
dann in Brügge, Antwerpen, Leiden, Bozen, Leip-
zig, Frankfurt a. M., Augsburg, Nürnberg, im
16. und 17. Jahrh, auch in Piacenza und Novi ab-
gehalten. Der Wechsler, bei dem der Kaufmann in
Italien oder Deutschland eine Zahlung auf London
oder in London oder Frankreich auf Deutschland
leisten wollte, gab zunächst einen Wechselbrief auf
eine Messe und dort entweder selbst einen andern
W. anf den gesuchten Platz, indem er bei der Re-
gulierung der W. auf der Messe einen Schuldner
erhielt, der ihm zu zablen hatte, oder er erwarb einen
vorhandenen W. auf den gesuchten Platz durch Zah-
lung, oder der Wechselinhaber selbst erwarb durch
die auf den W. auf der Messe erhobene Summe den
nötigen W. Auf diesen Messen wurde zuerst das
Acceptieren der W., die mündliche oder schriftliche
Erklärung des im W. bezeichneten Zahlungspflich-
tigen, zahlen zu wollen, üblich; die schriftliche An-
nahme wurde auf die Urkunde selbst, und zwar auf
die Rückseite, unter die Adresse, gesetzt. Dann bil-
dete sich aber bei der Abwicklung der zahlreichen
Geschäfte dieser Art das Institut der Skontration
(s. d.) und aus diesem das des Giros, Indossaments,
aus. Wenn ^ an L und V an ^ zu zahlen hat,
braucht keiner zu zahlen, sondern sie rechnen auf
(Kompensation). Wenn ^ an 1i zu zahlen und von
(^ zu fordern hat, kann (.' auf Anweisung (Delega-
tion) des ^ an N zahlen und so seine schuld und
die des ^ tilgen. Wenn ^ an V, 15 an (', l' an v,
I) an 15, 15 aber an ^ zu zahlen hat, so bilden diese
Forderungen und Schulden einen Kreis (Giro), der
sich in ^ und 15 schließt und dadurch getilgt werden
kann, daß obne jede Barzahlung D, (', N ihre Schuld-
ner, L zuletzt den ^ anweisen, an 15 zu zahlen und
^ und 15 unter sich abrechnen (Skontration). Hatte
15 aber an ^ nichts zu zahlen oder weniger, als ^
zu zahlen hatte, und hatte ^ selbst einen W., aus
dem er an einen Dritten zu fordern hatte, so wurde
üblich, daß er dem Trassaten auf dein W. quittierte
und ihn anwies, an 15 zu zablen. Diese Anwei-
sung auf dcm W. nannte man Girata, aus dcr nun
auck ^V dem 15 alö selbständig haftend galt. Üblick
wurde auch, daß, wenn 15 der letzte Gläubiger war,
an den also ^V zu Zahlen hatte, die zwischen 15 und
^ siebenden I), <?. und V den Wechsel, den ^ dem
15 gab, zu dessen Sicherheit a vallo, d. h. am Fuße des
W. mitunterschrieben und aus dieser Mitunterschrift
haftbar wurden wie der erste Trassant. Auf den Wech-
selmessen erscheint auch zuerst (im 15. und 16. Jahrh.)
der Eintritt eines andern für den auf der Messe nicht
anwesenden Trassaten, die Intervention als An-
nahme und Zahlung 80piH prote^to (d. h. nach dem
Protest), und die Notadresse (s. Ehrenannabme).
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