Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

601

Weinlig - Weinsäure

an demselben Stocke, oft sehr verschieden ist, so sammelt man oft in der Vorlese die zuerst gereiften Trauben und wartet mit der Ernte der übrigen ihre Reife ab. Manchmal wird außer der Vorlese und Hauptlese auch noch eine Nachlese gehalten, nicht selten aber verunglückt die letztere durch eintretendes kaltes Wetter vollständig. Den sog. Sekt (vino secco), oder Strohwein erhält man, indem man die Trauben am Stengel knickt und noch einige Zeit hängen läßt, oder aber die abgeschnittenen Trauben auf Stroh ausgebreitet austrocknen läßt. Die zum Versand bestimmten Tafeltrauben dürfen weder unreif noch vollreif abgeschnitten werden, und möglichst nur bei trocknem Wetter und ohne eine Beere zu berühren.

Weinlig, Christian Theod., Komponist und Musiktheoretiker, geb. 25. Juli 1780 zu Dresden, studierte in Leipzig die Rechte, war bis 1804 in Dresden Advokat und wurde dann Schüler seines Onkels Christian Ehregott W., der Kantor an der Kreuzschule zu Dresden war. 1814-17 war W. Kantor an der Kreuzkirche, 1823 wurde er Kantor an der Thomasschule in Leipzig, wo er 7. März 1842 starb. Als Komponist ist W. durch mehrere Hefte Singübungen, viele geistliche Musiken u. s. w. bekannt geworden. Vorzüglich geschätzt war er als theoretischer Musiker und als Lehrer. R. Wagner war sein Schüler. Nach seinem Tode erschien seine "Theoretisch-praktische Anleitung zur Fuge" (Dresd. 1845).

Weinm., hinter lat. Pflanzennamen Abkürzung für J. A.^[Johann Anton] Weinmann, geb. 1782, gest. 1858 als Inspektor des 1823 von ihm angelegten Gartens der Kaiserin zu Pawlowsk bei Petersburg.

Weinmonat, der Oktober (s. d.).

Weinmotte, s. Weinbau.

Weinnägelein, Beeren, s. Berberis.

Weinöl, s. Drusenöl; künstliches W., s. Önanthol.

Weinpalme, s. Mauritia, Palmwein und Oenocarpus.

Weinpressen, s. Weinbereitung.

Weinpunsch, s. Punsch.

Weinrebenschwarz, auch Frankfurter Schwarz, schwarze Malerfarbe, die durch vorsichtiges Verkohlen von Abschnitten der Weinreben, Trester u. s. w. erhalten wird.

Weinrose, s. Rose.

Weinsäure, Dioxybernsteinsäure, Bezeichnung für mehrere organische Säuren von der Zusammensetzung C<sub>4</sub>H<sub>6</sub>O<sub>6</sub> = COOH ‧ CHOH ‧ CHOH ‧ COOH. Es sind vier isomere Säuren bekannt, denen allen dieselbe Formel zukommt. Diese sind: die gewöhnliche W. oder Rechtsweinsäure, die Linksweinsäure oder Antiweinsäure, die Traubensäure und die inaktive W., Paraweinsäure oder Mesoweinsäure. Die beiden ersten Säuren sind sich sehr ähnlich und drehen die Polarisationsebene des Lichts gleich stark, aber in entgegengesetzter Richtung. Die Traubensäure besteht aus einer Verbindung beider, ist daher optisch inaktiv, kann aber in die beiden entgegengesetzten Modifikationen gespalten werden. Die letzte Säure ist gleichfalls optisch inaktiv, kann aber nicht in verschiedene Säuren zerlegt werden und wird durch Erhitzen mit Wasser in Traubensäure verwandelt. Der Grund dieser Isomerieverschiedenheiten liegt nach Le Bel und van 't Hoff in der Anwesenheit zweier asymmetrischer Kohlenstoffatome (s. Asymmetrisches Kohlenstoffatom).

Die gewöhnliche W. oder Rechtsweinsäure, auch Weinsteinsäure genannt (Acidum tartaricum), findet sich neben der Traubensäure häufig im Pflanzenreich, und insbesondere im Traubensaft, aus dem sie sich bei der Gärung als saures weinsaures Kalium (Weinstein) ausscheidet. Zur Darstellung der W. dient außer dem Weinstein noch die Weinhefe. Man führt deren W. in unlöslichen weinsauren Kalk über, zerlegt diesen durch Schwefelsäure in Gips und in freie W., deren Lösung durch Eindampfen und Krystallisierenlassen in krystallisierte W. übergeführt wird. Die W. krystallisiert in weißen, harten, monoklinen Prismen, ist in Wasser leicht löslich, schwerer in Alkohol, nicht in Äther. Die Lösungen drehen die Polarisationsebene des Lichts nach rechts und schmecken stark sauer. Der Schmelzpunkt der W. liegt bei 170°, wobei sie in ein Anhydrid übergebt. Bei höherm Erhitzen verkohlt sie unter Verbreitung eines charakteristischen Geruchs und unter Bildung von Brenztraubensäure und Brenzweinsäure. Durch Oxydation wird sie in Kohlensäure und Ameisensäure übergeführt. Man verwendet die W., außer zu Brausepulver und moussierenden Getränken, in der Technik in größten Mengen zu Back- und Hefenpulver, ferner in der Färberei und Zeugdruckerei als Ätzbeize. Im Großhandel kosten (1895) 100 kg 240 M. Mit den Basen bildet die W. die weinsauren Salze oder Tartrate, die sich zum großen Teil durch ihr Krystallisationsvermögen auszeichnen. Das Kaliumtartrat oder neutrale Kaliumsalz, C<sub>4</sub>H<sub>4</sub>O<sub>6</sub>K<sub>2</sub>+½H<sub>2</sub>O bildet monokline, in Wasser leicht lösliche Prismen. Das Kaliumbitartrat, das saure Kaliumsalz, der Weinstein (s. d.), C<sub>4</sub>H<sub>5</sub>O<sub>6</sub>K, ist in Wasser sehr schwer löslich. Kaliumnatriumtartrat, C<sub>4</sub>H<sub>4</sub>O<sub>6</sub>KNa+4H<sub>2</sub>O, das Seignette- oder Rochellesalz (Sal polychrestum Seignetti, Tartarus natronatus), wird durch Sättigen von Weinstein mit Soda erhalten und bildet große, rhombische Krystalle. Calciumtartrat, C<sub>4</sub>H<sub>4</sub>O<sub>6</sub>Ca+4H<sub>2</sub>O, ist ein in Wasser unlösliches Pulver. Es löst sich in Natronlauge, wird aber daraus beim Kochen als Gallerte wieder gefällt. Essigweinsaure Thonerde ist ein Doppelsalz, das als ungiftiges, sicher wirkendes Adstringens und Antiseptikum verwendet wird. Der Brechweinstein (s. d.) ist Kaliumantimonyltartrat, C<sub>4</sub>H<sub>4</sub>O<sub>6</sub>(SbO)K+½H<sub>2</sub>O.

Die Linksweinsäure oder Antiweinsäure stimmt ihren Eigenschaften nach vollkommen mit der Rechtsweinsäure überein und zeigt nur das entgegengesetzte Drehungsvermögen. Man erhält sie aus der Traubensäure, deren Natrium-Ammoniumsalz beim Auskrystallisieren aus Lösungen unter 28° sich in Krystalle des rechts- und linksweinsauren Salzes trennt. Die Krystalle zeigen hemiëdrische Flächen, die bei den beiden Salzen entgegengesetzte Lage, wie bei Spiegelbildern, haben. Es ist hierdurch möglich, die Krystalle des rechtsdrehenden Salzes von denen des linksdrehenden zu unterscheiden und durch Aussuchen zu trennen.

Die Traubensäure, C<sub>4</sub>H<sub>6</sub>O<sub>6</sub>+H<sub>2</sub>O (Acidum racemicum), kommt in geringen Mengen als saures Kaliumsalz im Weinstein vor und wird bei der Fabrikation der W. aus den letzten Mutterlaugen gewonnen. Sie kann auch auf synthetischem Wege erhalten werden, so bei der Oxydation von Fumarsäure durch Kaliumpermanganat, und bildet sich unter Erwärmung, wenn man Lösungen von Rechts- und Linksweinsäure vermengt. Von der gewöhnlichen W. unterscheidet sie sich dadurch, daß ihre Krystalle rhombisch sind, Krystallwasser enthalten und an der