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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Werkzeichnung - Werkzeugmaschinen
Untergang nur nichl durch Sckuld des Bestellers
herbeigeführt ist. Ebcnsolvenig ist der Unternehmer
für zufälligen Untergang und zufällige Verschlechte-
rung des vom Besteller gelieferten Stoffes verant-
wortlich, und nach Gemeinem Recht auch dann nicht,
wenn das an sich tüchtige Werk nach der Vollendung
durch Höhere Gewalt (s. d.) unterging. Nach Deut-
schem Bürgers. Gesetzbuch trägt der Unternehmer
! die Gefabr bis zur Abnahme, und sofern diese durch
, die Beschaffenheit des Werkes ausgeschlossen ist, nur
! bis zur Vollendung M- 644, 646). Für das Ver-
! seben seiner Leute haftet der Unternehmer schlecht-
bin wie sür sein eigenes Versehen l8- ^8>- Gemeines
Recht und Sachs. Bürgert. Gesetzb. H. 1^44 nehmen
^ an, es liege Kauf und nicht W. vor, wenn der Unter-
nebmer den Stoff zur Herstellung einer neuen be-
weglichen Sache liefert, also etwa der^ Nlu-ciianä
i NliUl'nr einen ncllen Rock aus seinen Stoffen nach
^)taß liefert. Anders nach Preuß. Allg. Landrecht'
uach Handelsgesetzbuch von 1861, Art. 338, ist die
Lieferung einer Vertretbaren Sache (s. d.) gegen
bestimmten Preis immer als Kauf zu beurteilen.
Dies gilt nach Deutschem Bürgert. Gesetzb. §. 651
iogar sür Herstellung einer nicht vertretbaren Sache
aus einem ebenfalls vom Unternehmer zu beschaffen-
den Stoffe- nur das; in einigen Punkten die Regeln
der W. gelten sollen, insbesondere die, daß bei
Mangel der gelieferten Sache der Besteller nickt
sofortige Wandelnng oder Minderung W. 462 fg.),
sondern nur Beseitigung des Mangels l^. 633) i'oll
verlangen können. Hat der Unternehmer das Wert
der Bestellung gemäß,'also mit den vorbednngenen
! Eigenschaften, und hat er es überdies obne von ihm zu
! vertretende Mängel hergestellt, so kann er Abnahme
, und Gablung des Preises fordern l§.64<". Ist das
! Wert in Teilen abzunehmen und die Vergütnn g für die
einzelnen Teile bestimmt, so ist die Vergütung für jeden
Teil bei dessen Abnahme zu entrichten <§. 641).
Die Deutsche Konkursordnnng ^. 41, Nr. 6 giebt
i Künstlern, Werkmeistern, Handwerkern und Arbei-
! tern wegen ihrer ^ordcrungen aus der W. in An-
^ sehung der von ibnen gefertigten oder ansgebesserten,
^ uoch in ihrem Gewahrsam befindlichen beweglichen
Sachen im Konturfe des Bestellers ein Pfandreckt.
Das Deutsche Bürgert. Gesetzb. tz. 647 giebt dieses
dem Unternehmer schlechthin und anch anßerhalb
^ des Konkurses. Ferner kaun uach ^. 648 der Unter-
^ nehmer eines Bauwerkes für feine Forderungen ans
dein Vertrage Einräumung einer Sicherungsbvpo-
tbet am Baugrllndstüct verlangen, Ist das Wert
! nock nickt vollendet, so kann er Einräumung der
' Sickerungshvpotbet sür einen der geleisteten Arbeit
entsprechenden ^eil der Vergütung und für Ans-
lagen verlangen.
! ^st der Besteller mit der Abnahme des Werkes im
^ Verzug, so geht die Gefahr auf ibn über. Ebenso
bat er nach Deutschem Bürgerl. Gesetzb. tz. 644 die
, Gefabr der Versendung zu tragen, wenn das Werk
auf sein Verlangen nach einem andern Trt als dem
Erfüllungsort versandt wird. zu vertreten sind
solche Mängel, welche den Wert oder die Tauglick-
! teit zu dem gewöhnlichen oder dem nach dem Ver-
! trag vorausgesetzten Gebrauch aufheben oder min-
' dern. Hat der Besteller das Werk, insbesondere durch
dessen Annahme, gebilligt, so hat er gegen den Unter-
nebmer bloß wegen solcher Mängel Anspruch, welche
ibm bei der Billignng verborgen blieben <^. 640).
Enlspvicht das Werk der Bestellnng nickt oder bat
es Mängel der bezeichneten Art, so kann der Be-
steller Beseitigung fordern, nach franz. Recht die
Mängel auf Kosten des Unternehmers beseitigen
lassen. Nach preuft. Praxis kann der Besteller zwar
auf Nachlieferung fehlender Stücke, aber nicht anf
der Bestellung entsprechende Umarbeitung tlagen.
Statt Beseitigung des Mangels darf der Besteller
nach Prcuß. Allg. Landrecht, Osterr. Gesetzbuch und
Schweizer Obligationenrecht Schadenersatz oder
Preisminderung fordern und bei wesentlichen Män-
geln znrücktreten und Schadenersatz wegen Nicht-
erfüllung fordern. Das TeutscheNürgerl. Gesetzbuch
giebt dem Besteller, wenn der Unternehmer den
Mangel nicht ohne Verzug beseitigt, das Recht, den
Mangel auf Kosten des Unternehmers beseitigen zu
lassen. Er kann auch dem Unternehmer eine Frist
zur Beseitigung mit der Maßgabe setzen, daß, wenn
innerhalb der Frist der Mangel nicht beseitigt wird,
der Besteller Wandlung (s. Wandlungsklage) oder
Minderung (s. Minderungsklage), oder, wenn der
Unternehmer im Verschulden war, Schadenersatz
wegen Nichterfüllung fordern darf lßß. 634, 635).
Für diese Ansprüche wegen Mängel bestehen kurze Ver-
jährungsfristen <§. 638). Wird das Werk nicht recht-
zeitig hergestellt, so hat der Besteller ein Rücktritts-
reckt, welches das Deutsche Bürgerl. Gesetzb. ß. 636
aualog der Wandlung wegen Mängel behandelt.
Der Besteller hat ein Kündigungsrecht, solange
das Werk nock nicht vollendet ist. Der Unternehmer
hat dann Anspruch auf volle Bezahlung, jedock
unter Anrechnung dessen, was er an Aufwendungen
erfpart oder anderweit verdient oder zu verdienen
böswillig unterläßt. Außerdem kann der Besteller
wegen Überschreitung des Kostenvoranschlags kün-
digen. Hier erhält der Unternehmer Vergütung nur
für den geleisteten Teil M. 649, 650j.
Werkzeichnung, s. Riß.
Werkzeuge, Vorrichtungen, welche bei der Be-
arbeitnng der verschiedenartigsten Körper die ge-
leistete Arbeit auf den in Verarbeitung befindlichen
Gegenstand ldas Arbeitsstück oder Werkstück)
übertragen. Ihre Bewegung erfolgt unmittelbar von
der Hand des Arbeiters oder mit Hilfe eines von
Hand geführten Geräts (z. B. einer Bohrkurdel),
welches gewöhnlich den Zweck bat, die Krastwirkung
zu verstärken', oder endlich das Werkzeng wird in eine
Werkzcngmaschine (s. d.) eingesetzt. In neuerer Zeit
bat man sog. kombinierte W. konstruiert, bei
denen mehrere verschiedene W. l> B. Hammer, Beil,
,^ange, Schere) zu einem Ganzen vereinigt sind, und
die namentlich für den Hausbedarf praktisch sind.
Die Herstcllnng der W. ist eine Hauptbeschäftigung
der sog. Kleineiscnindnstrie in Westfalen, Schlesien,
Königreick Sachsen und Thüringen, deren Pro-
dnktc nach allen Ländern der Erde versendet werden.
Über einzelne W. s. die Einzelartikel: Bohrer, Ham-
mer, Hobel, Meißel, Sägen u. s. w. - Vgl. Trautb,
Wcrlzenglehrc s2. Aufl., .Uriens 1897).
Werkzeugmaschinen, Maschinen zur mechan.
Bearbeitung fester Körper durch ein geeignetes Werk-
zeng ls. d.). Diese Bearbeitung macht eine Bewegung
des Werkzeugs gegen das Arbeitsstück oder auch des
Arbeitsstücks gegen das Werkzeug erforderlich. Die
W. vermitteln diese Bewegung und erteilen zugleich
dem bewegten Teile eine genaue Führung nach Maß-
gabe des zu erreichenden Zwecks. Letztere Eigentüm-
lichkeit unterscheidet die Werkzeugmaschine wescntlick
von dem einfachern Geräte, welckes zwar, wie die
Werkzeugmaschine, die Bewegung des Wertzcugs
vermittelt lz. V. die Bohrturbelj, seine genaue Füh-