Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

648
Wertingen - Wertpapiere
taratome sei. Da die Lehre von der W. ein bloßer
Ausdruck von Thatsachen, keine besondere Hypothese
ist, so muß hente folgender Satz zugegeben werden:
Die W. der Atome eines Elements ist keine absolut
bestimmte Größe, sondern kann durch gewisse Um-
stände beeinflußt, d. h. geändert werden. Zu diesen
Umständen gehören namentlich: 1) Die elettrochem.
Natur der andern Elemente, mit denen sie in Ver- !
bindung treten. So bindet z. B. das Jod von Wasser !
stoff und den elektropositivern Metallen nur ein ein- !
ziges Atom, ist ihnen gegenüber einwertig; elektro-
negativen Elementen gegenüber aber kann es sich
mehrwertig verhalten. So nimmt es z.V. von Chlor
bis zu drei Atomen auf (.I(^), ist letzterm gegen-
über dreiwertig, gegen Sauerstoff sogar sicbcnwertig,
da ein Iodatom gleichzeitig mit einem Sauerstost-
atom zweiwertig und mit fünf andern einwertig ver-
einigt sein kann, indem die letztern, als zweiwertige
Atome, noch je ein Wasserstoffatom binden:
/MI
^ 0ll
überjodsäure, 0^ 0ll
^011
Oll
Das Stickstoffatom ferner ist dem Wasserstoff
allein gegenüber nnr dreiwertig, da das Ammoniak,
NII3, keinen Wasserstoff mehr aufnimmt, wenn ihm
dieser allein dargeboten wird. Tritt aber neben
einem weitern Wasserstosfatom noch ein negatives
Elementaratom oder zusammengesetztes Radikal,
z. B. Chlor, hinzu, so bindet das Ammoniak beide;
z. B. ^II,^'Ii01^KIl40I. Das Etickstoffatom ist
also hier fünfwcrtig. Die letztere höhere W. hat es
auch gegenüber dem Sauerstoff in dem Salpcter-
säureanhydrid und feinen .Hydraten, den Salpeter-
säuren. 2) Die Temperatur, in dem Sinne, daß
höhere Temperatur, die überhaupt der Affinität ent-
gegenwirkt, eine Verminderung der W. bewirken
kann. So ift z. V. der Schwefel, der sich gegenüber
dem Wasserstoff und den positiven Metallen zwei-
wertig verhält, dem Sauerstoff gegenüber bei nicht
hohen Temperaturen sechswertig, in der Glühhitze
dagegen nur vierwertig, denn Schwefelsäureanhydrid
(die Verbindung von einem Atom Schwefel mit drci
zweiwertigen Sauerstoffatomen oder secks Sauer- !
stoffvalenzen) zerfällt beim Glühen in Sauerstoff
und Schwefligfüureanhydrid, kann also bei Glüh-
hitze nur noch vier Saucrstoffwertigkeiten binden:
2 8^0^25<^0,.
Gegenüber dem Chlor ist der Schwefel bei Tempe-
raturen unter -10" vicrwertig, denn hier existiert
die Verbindung 8(^4, die aber schon bei 0° die Hälfte
Chlor abgiebt. Dann also vermag das Schwefel-
atom nur noch zwei Chloratome zu binden, ist also
nur noch zweiwertig.
Ganz ähnlich wie den Elementaratomen spricht
man auch den zusammengesetzten Radikalen W. zu.
Sie ergiebt sich aus der Anzahl der nicht zur gegen-
seitigen Bindung der das Radikal zusammensetzenden
Elementaratome verwendeten Valenzen. So sind
die Radikale der gewöhnlichen Alkohole, l^II^^i,
einwertig, weil von den sämtlichen zur Anlagerung
anderer Elemente vorhandenen 2n l-2 Koblenstosf-
valenzen des aus n Kohlenstoffatomen bestehenden
Kohlenstoffkerns eben 2n-l-i durch Bindung von
Wasscrstoffatomen beschäftigt sind, also nur eine
zur Anlagerung anderer Elcmentaratomc oder zu-
sammengesetzter Raditale übrigbleibt. Die Kohlen-
wasferstoffradikale (^II^, wie die Alkylene, sind
deshalb zweiwertige, (H^-i dreiwertige, (^H.^..
vierwertige Kohlenwasferstoffradikale u. s. w. Aus
den gleichen Gründen ist das Radikal der Salpeter-
säure, Nitryl, N0.2, einwertig, da in ihm von den
sünf Valenzen des Stickstoffatoms nur vier durch
die Valenzen zweier Sauerstoffatome beansprucht
werden, die fünfte also anderweite Radikale, wie
das einwertige Hydroxyl in ^0., -011, oder Elemen-
taratome, wie Chlor in X 0.2 01, zu binden vermag.
Ungesättigte Verbindungen haben daher als zusam-
mengesetzte Radikale eine W., die der Anzahl der
nicht, oder (wie bei den ungesättigten Koblenwasser
stosfen) zur gegenseitigen Bindung ihrer Elementar-
atome nicht notwendig beschäftigten Valenzen der
Elcmentaratome entspricht. So sind Kohlenoxyd
und ebenso Äthylen zweiwertige, Acetylen ein vier-
wertiges Radikal, da die beiden erstern noch zwei
Chloratome, letzteres deren vier aufzunehmen ver-
mag, bis die Verbindung gesättigt ist.
Auch manchen gesättigten Verbindungen schreibt
man W. zu, namentlich den Hydraten, und bestimmt
sie nach der Anzahl der Hydroxylgruppen. So wer-
den z. B. die monohydratischen Basen und Alkohole,
wie K0II und (^II-; -OH, einwertige, die dihydrati-
schcn, wie (^,(()II).2 und (^H^OII)-, zweiwertige
genannt; das Glycerin, (^ll^OH)", ist ein drei-
wertiger, Mannit, ^Ii8(0ll)a, ein sechswertiger
Alkohol. Bei den Säuren wird der Ausdruck W.
meist durch Basicität ls. d.) vertreten.
Über die W. der Elemente als periodische Funk-
tion ihrer Atomgewichte s. Periodisches System der
chemischen Elemente.
Wertingen. 1) Bezirksamt im bayr. Reg.-
Bez. Schwaben, hat 317,ii likm und (1895) 1849?
(9139 männl., 9358 weibl.) E. in 45 Gemeinden
mit 96 Ortschaften, darunter 1 Stadt. -2) Bezirks-
stadt im Bezirksamt W., links an der rechts zur
Donau gehenden Zufam, unweit des Donauriedes,
Sitz des Bezirksamtes und eines Amtsgerichts
(Landgericht Augsburg), hat (1895) 1866 E., darun-
ter 32 Evangelische, Postexpedition, Telegraph,
tath. Kirche und Schloß. Hier siegten 8. Okt. 1805
die Franzosen unter Murat und Lannes über die
Österreicher.
Wertpapiere, solche über Rechtsverhältnisse
lautende Papiere, die einen über die Bedeutung
einer Veweisurkunde hinausgehenden Wert in sick
tragen. Das Handelsgesetzbuch von 1861 und 189?
definiert ebensowenig wie Deutsches Bürgert. Gesetz-
buch, Börscnsteuer- und Vörsengesetz den Begriff
der W., aber es stellt sie zusammen mit beweg-
lichen Sachen; an W. kann wie an Sachen ein
kaufmännisches Zurückbehaltungsrecht ausgeübt
werden (Art. 313); sie können wie Sachen vertret-
bar sein (Art. 301); sie können unter Umständen einen
Börsen- oder Marktpreis haben (Art. 375), Gegen-
stand des Handels (Art.271) und gewerblicher Weiter-
vcräußerung sein (ebenso Handelsgesetzbuch von
1897, §ß. 369,363,400 l^Börsengesetz vom 22. Juni
1896, §. 71^, 1). Der Frachtführer haftet für die-
selben nur, wenn ihm, wie bei Geld und Kostbar-
keiten, die Beschaffenheit und der Wert des Guts an-
gegeben sind (Art. 395; bez. §. 429 und Deutsches
Vürgerl. Gesetzb. §ß. 234 fg.; 372, 700, 437, 702,
783/1296,1807,1819). Daß Orderpapiere (s. d.),
namentlich der Wechsel, und Inhaberpapiere (s. 0.)
W. sind, darüber ist man einig, wiewohl im Handel