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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Westalpen
ment sind, so bleibt auch der Name Gneisalpen auf-
recht. Hierzu die Karte: Westalpen. Die Einteilung
zeigt die Karte beim Artikel Alpen.
^. Innerer Gneisalpenzug. 1) Ligurische
Alpen, von Savona, dem Colle Altare und Mille-
simo im O. bis zum Colle di Tenda und der Verme-
nagna im W., und von der innern Alpengrenze im
N. bis zur Meeresküste, der Penneraira und dem
Negrone im S. Die meisten Gipfel messen zwischen
1200 und 2400 m; die beiden höchsten sind: Cima
Marguareis (2649 m) und Mongioja (2631 m).
2) Cottische Alpen, von der Stura und dem
Col de Lärche im S. bis zur Dora Riparia und dem
Mont-Genevre im N., und von der Pienrontesischen
Ebene im O. bis zum Col de Vars und der Durance
im W. Der wasserscheidende Hauptkamm und auch
die höchste Erhebung der Gruppe, der Monte-Viso, ge-
hören dem silurischen Gebiete an, doch fällt der Gipfel
des letztern in einen jener Serpentinzüge, die hier so
häusig das ältere Gebirge durchbrechen. Durch den
Lauf des Guil und der Pellice in Verbindung mit dem
Col de Lacroix zerfallen die Cottischen Alpen in die
Monte-Viso-Gruppe im S. und die Röche-
brunegruppe im N. In ersterer kulminiert der
Monte-Viso (s. d.) 3843 m, dadurch vor allen übrigen
Alpengipfeln ausgezeichnet, das; er, ein Riese unter
Zwergen, alleGipfel seinerUmgcbungum600 bis über
1000 m überragt. Die nächstböchfte Spitze, weit im
SW. gelegen, ist die Aigle de Chambeyron (3400 m).
In der Rochebrunegruppe sind die höchsten Gipfel
der Pic de Nochcbrune (3324 m) und der Vric Froid
(3310 m). Das Gletscherphänomen ist in den Cotti-
schen Alpen sehr schwach entwickelt, nur an den höch-
sten Gipfeln finden sich einige kleine Hängegletscher.
3) Grajische Alpen, von der DoraRiparia und
dem Mont-Genevre im S. bis zur Dora Baltea und
dem Kleinen St. Bernhard im N., und von der Pic-
montesischen Ebene im O. bis zur äußern Gneiszone
im W. Man begegnet in ihnen zweien einander
ebenbürtigen Höhenzügen, die sich im Quellgebietc
der Isere, des Arc und des Orco rechtwinklig durch-
schneiden, eine Erscheinung, die in solchem Maßstabe
Mst nirgends in den Alpen zu beobachten ist. Den
Kern und den nörol. Ast dieses Gebirgskrcuzcs bildet
die Sassieregruppe (Grande-Sassiere 3756m).
Den südl. Zweig bildet dieLevannagruppe, deren
höchster Gipfel, die Pointe Charbonel (3760 m), nicht
im Hauptkamme selbst, sondern westlich von diesem
gelegen ist, wie auch der zweithöchste Gipfel, die
Ciamarella (3676 m) östlich davon; die Gruppe ist
nach ihrem nördl. Eckpfeiler benannt, der Levanna
(3640 m). Am Mont-Cenis gliedert sich nach W.
mit Umbiegung nach S. die Fre'jusgruppe an,
aus dem Mont-d'Ambin (3277 m) im O. und
dem Mont-Tabor (3205 m) im W. und S. des Col
de Fre'jus bestehend. Den östl. Gebirgsast bildet die
Paradisogruppe, die sich am Col Nivolet (s. d.)
von der Sassiöregruppe loslöst und von dieser wei-
terhin durch das Thal von Savaranche geschieden
ist; Gipfelpunkt ist der Gran-Paradiso (4062 m).
Die Vanoisegruppe, westlich vom Mont-Ise'ran
und den Quellthälern der Isere und des Arc, bildet
den westl. Gebirgszweig; zu ihren höchsten Gipfeln
gehören Mont-Thuria (3788 m) und Dent-Parrachee
(3712 m). Das Gletscherpliä'nomen ist in den Gra-
jychen Alpen mit Ausnahme der Frejusgruppe
schon ansehnlich entwickelt.
4) Penninische Alpen, von dem Collc della
Serena, dem Großen St. Bernhard und dem Val
d'Entremont im W. bis zum Simplon und der Toce
im O., und von der Dora Baltea und der Piemon-
tesischen Ebene im S. bis zum Rhönethal im N.;
durch die Tiefenlinie des Val Tournanche, des Theo-
dulpasses und des Nicolaithales zerfällt der Haupt-
zug der Penninischen Alpen in zwei Gruppen, die
Arollagruppe im W. und die Monte-Rosa-
Gruppe im O. Erstere besteht im wesentlichen aus
einem von SW. bis NO. streichenden Höhenzuge,
welcher mächtige Zweige nach N. hin entsendet. Ihre
höchsten Gipfel sind: Weißhorn (s. d., 4512 m),
Matterhorn (s. d., 4505 m), Dent Manche (s. d.,
4364 m), Grand-Combin (4317 m) und Zinal-Rot-
horn (4223 m). Die Monte-Rosa-Gruppe besteht
zunächst aus dem gewaltigen Massiv des Montc-
Rosa (s. d.), welches in dem Dufourspitz (4638 m)
kulminiert, in dessen nächster Umgebung noch drei
weitere Punkte von über 4500 m Höhe gemessen
sind; außerdem der Lyskamm (4538 m). Nach
N. zu entsendet dieses Massiv gabelförmig zwei
Kämme, den Kamm der Mischabelhörner mit dem
Dom (4554 m) und den Kamm des Weißmies-
horns (4031 m). Zwischen den Thälern von Gresso-
ney und Anzasca breitet sich die S esiagrupp e aus
mit dem Corno Bianco (3357 m). Mit Ausnahme
der letzten Gruppe sind die Penninischcn Alpen aus-
nehmend stark vergletschert; ihre Gletscherreviere
gehören zu den ausgedehntesten der Alpen.
5) Lepontinische Alpen, von den vorigen bis
zum Greinapaß Val Blegno und Tessin im O., und
vom bildende des Lago Maggiore, Luino und
Lugano im S. bis zum Rhone- und Vordcrrheintbal
im N. Während die bisher betrachteten großen
Alpcngruppen sämtlich in einheitlicher Weise ge-
gliedert waren, bestehen die Lepontinischen Alpen
aus zwei orographisch vollkommen getrennten Par-
tien. Durch die Thäler der Tosa und des Tessin sind
von dem Zauptzuge der Lepontinischen Alpen die
halbkreisförmig gegen S. geöffneten Tessin er
Alpen geschieden, welche im Basodino (3276 m)
kulminieren, während ihre gewöhnliche Gipfelhöhe
sonst nur 2000-2800 m beträgt. In einem flachern
Bogen legt sich um ihre Nordseite der Hauptzug
herum, welcher die Fortsetzung des Monte-Rosa-
Stockes bildet. Die Einsenkung des Nufcnenpasses
(s. d.) zerfällt ihn in zwei Teile, die Simplon-
gruppe (Monte-Leone 3565 m) im W. und die
Gotthardgruppe (Piz Medel 3203 m) im O.
Die Vergletscherung ist im Vergleiche mit den be-
nachbarten Alpcnabschnitten im W. und N. gering,
die Tessiner Alpen tragen überhaupt nur an wenigen
Punkten kleine Gletscker.
15. Änßerer Gneisalpenzng. 6) Meeralpen
(Seealpen), von der Meeresküste, der Penneraia,
dem Negrone, Colle di Tenda und der Vermenagna
im SO. bis zur Durance im NW. Die krystallinische
Centralmasje tritt nur im östlichsten Teil zu Tage,
in der Argenteragruppe (Punta dell'Argcntera
3297 m, Cima di Gelas 3135 m). südöstlich hiervon
und östlich vom Var bis zur Küste erstreckt sich die
Rivieragruppe; ihre Gipfelhöben betragen von
1000 bis 2000 m. Das übrige Gebiet nimmt die
Barcelonettegruppe (Mont-Pelat 3053 m) ein.
Nur die Argenteragruppe vermag einige kleine
Gletscher aufzuweisen.
7) Daup hine-Alpen, von der Durancs im S.
bis zur Vallee de Montjoie und dem Col du Bon-
homme im N. l^ie bestehen aus drei Centralmassen
und zerfallen in folgende drei Gruppen: DieEcrins -