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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wien (Behörden)

Reichsratsgebäude (s. Tafel: Parlamentsgebäude Ⅱ, Fig. 2) in griech. Stil von Th. von Hansen (1883), die Universität im Stil der toscan. Frührenaissance von Ferstel, ein großes Viereck (217 a) mit Arkadenhof (Büsten berühmter Professoren) und der Universitätsbibliothek, das prächtige neue Hofburgtheater (s. Burgtheater) am Rathausplatz, im Renaissancestil von G. Semper und K. von Hasenauer (s. Tafel: Theater Ⅱ, Fig. 1).

Erwähnung verdienen ferner von ältern Gebäuden in der innern Stadt die Paläste des verstorbenen Erzherzogs Albrecht, jetzt Friedrich (1801‒4 erbaut), in der Nähe der kaiserl. Burg, mit Kunstschätzen (s. S. 709 a), und des Prinzen August von Sachsen-Coburg-Kohary auf der Seilerstätte; das Majoratshaus des Fürsten Liechtenstein in der Bankgasse; das Landhaus; die Paläste der Ministerien (das der Finanzen 1703 von Fischer von Erlach für den Prinzen Eugen von Savoyen erbaut); die Gebäude der Statthalterei und der Österreichisch-Ungarischen Bank, beide in der meist von öffentlichen Gebäuden gebildeten Herrengasse; das bürgerliche Zeughaus; das alte Rathaus mit den schönen ehemaligen Sitzungssälen; das Gebäude der Akademie der Wissenschaften (vor 1848 Universitätsgebäude, die sog. Aula); das Kinskysche Palais (s. Tafel: Wiener Bauten Ⅱ, Fig. 1), 1710 von Hildebrand erbaut; die Paläste des Erzbischofs, der Fürsten Montenuovo (mit einer schönen Statue des heil. Georg, von Fernkorn), Lobkowitz und Esterházy, der Grafen Pallavicini, Harrach, Schönborn u.s.w. Unter den Neubauten sind hervorzuheben: das prachtvolle Hofopernhaus (s. S. 709a) auf der Ringstraße, 1861‒69 von van der Nüll und Siccardsburg erbaut, mit Fresken von Moritz von Schwind im Foyer und in der Loggia (s. Taf. Ⅰ, Fig. 3); die kaiserl. Akademie der bildenden Künste, das Österreichische Museum für Kunst und Industrie, die Kunstgewerbeschule, das akademische Gymnasium, das Musikvereinsgebäude, die Paläste des Ingenieur- und Architektenvereins und des Gewerbevereins, die Börse (s. Tafel: Börsengebäude Ⅱ, Fig. 3 u. 4), 1872‒77 von Hansen erbaut, das Central-Telegraphenamt, die Rudolfskaserne, der Kursalon im Stadtpark, das Korpskommando, die Paläste der Erzherzöge Ludwig Victor und Wilhelm (jetzt Eugen), des Grafen Henckel von Donnersmarck, des adligen Kasinos auf der Ringstraße und des Grafen Larisch in der verlängerten Johannesgasse, der Heinrichshof, Kärntnerhof, Aziendahof, Grabenhof, Philipphof, die Geschäftshäuser der «Equitable» und von Rothberger, die Arkadenhäuser am Rathausplatz, das Künstlerhaus, die Gebäude der Gartenbaugesellschaft, das von F. Schmidt an Stelle des 8. Dez. 1881 abgebrannten Ringtheaters auf Kosten des Kaisers Franz Joseph Ⅰ. erbaute prachtvolle Stiftungshaus mit der Sühnkapelle, die Polizeidirektion, die Hotels Grand-Hôtel, Impérial, Métropole, Royal, Bristol u. s. w. Von den erhaltenen Bauten der Weltausstellung von 1873 im Prater sind zu erwähnen die Rotunde (s. Tafel: Ausstellungsgebäude Ⅰ, Fig. 3), in deren linkem Flügel sich seit 1894 das Postmuseum befindet, und die zu Ausstellungen, Konzerten u.s.w. benutzt wird, und die ehemalige Maschinenhalle, jetzt städtisches Lagerhaus.

In den Vorstädten sind hervorzuheben: in der Leopoldstadt das kaiserl. Augartenpalais und das Carl-Theater; auf der Landstraße das kaiserl. Lustschloß Belvedere, der Sommerpalast des Prinzen Eugen von Savoyen (1693‒1724), bis Mai 1891 Sitz der Belvederegalerie (s. S. 709a), die Paläste der Fürsten Schwarzenberg und Metternich, der deutschen, brit. und russ. Botschaft, der ehemalige Palast des Fürsten Rasumoffsky, jetzt k. k. Geologische Reichsanstalt, die k. k. Hof- und Staatsdruckerei, die Centralmarkthalle, das Invalidenhaus, Hauptzollamt, die Münze, das Arsenal, eine mächtige, 1849‒55 erbaute Gebäudegruppe (690 m lang, 480 m breit, 33 ha groß) mit Heeresmuseum und Waffensammlung, Ruhmeshalle und Geschützgießerei (s. Tafel: Wiener Bauten Ⅱ, Fig. 2), die Bahnhöfe (s. Tafel: Bahnhöfe Ⅱ, Fig. 1 u. 2), auf der Wieden die Technische Hochschule, die evang. Schule, das k. und k. Theresianum, von Maria Theresia als Erziehungsinstitut adliger Söhne gegründet, mit großem Garten, die Paläste der Erzherzöge Karl Ludwig, Karl Salvator und Rainer, der Freiherren von Rothschild, Stummer und Miller von Aichholz; in der Josephstadt das Militärgeographische Institut zur Herstellung der Generalstabskarten mit kleiner Sternwarte, die Paläste der Fürsten von Auersperg, 1724 von Fischer von Erlach erbaut, des Grafen Czernin mit Gemäldegalerie, das große k.und k.Landesgericht für Strafsachen, 1830‒34 erbaut, mit neuem, schönem Schwurgerichtssaal; am Alsergrund das neue Anatomische Institut und das Josephinum für Militärärzte (s. unten), das Allgemeine Krankenhaus, die Irrenanstalt, 1848‒52 von Fellner erbaut und 1878 vergrößert, die große Alser- und die neue Rossauer Kaserne, das Chemische Universitätslaboratorium, das 1879 gegründete Technologische Gewerbemuseum, die Paläste der Fürsten Liechtenstein, mit berühmter Gemäldegalerie, und Dietrichstein und des Grafen Chotek. In Währing befindet sich eine neue Cottageanlage mit der neuen Sternwarte und der Hochschule für Bodenkultur (1896), in ital. Renaissance nach Plänen von Alois Koch, auf der sog. Türkenschanze.

Behörden. W. ist Residenz des Kaisers sowie Sitz der obersten Reichsbehörden, der Hofämter, abwechselnd mit Budapest der Delegationen, der auswärtigen Botschaften, Gesandtschaften und Konsuln, eines päpstl. Nuntius, des Reichsrates der österr. Reichshälfte, des Landtags von Niederösterreich, der obersten Reichsbehörden, des gemeinsamen Obersten Rechnungshofs, sämtlicher Ministerien und obersten Gerichtshöfe und des Obersten Rechnungshofs der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder, dann der Statthalterei für Niederösterreich, der Polizeidirektion, des Oberlandesgerichts (zweite Instanz) für Nieder- und Oberösterreich und Salzburg, des Landesgerichts, des Handelsgerichts und von 20 Bezirksgerichten, des Gefällsobergerichts, der niederösterr. Advokaten- und Notariatskammer, der Finanzlandesdirektion, der Finanzbezirksdirektion, Finanzprokuratur, des Central-Tax- und Gebührenbemessungsamtes, des Hauptzollamtes, des Münz-, des Punzierungsamtes, des Lottoamtes, der Generaldirektion der Tabakregie, der zehn Steueradministrationen, der Landeshauptkasse, der Generaldirektion der k. k. Staatsbahnen, einer Eisenbahnbetriebsdirektion, einer Post- und Telegraphendirektion, einer Handels- und Gewerbekammer, Forst- und Domänendirektion, der Berghauptmannschaft für Nieder- und Oberösterreich, Salzburg, Mähren, Schlesien und Bukowina, eines Landesschulrates, des Obersten und eines Landessanitätsrates, ferner