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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wilhelm I.-III. (Landgrafen v. Hessen) - Wilhelm I. (Markgraf v. Meißen)
(geb. 13. Aug. 1792, gest. 2. Dez. 1849); ihre 1821 ^
geborene Tochter starb schon nach drei Monaten.
Aus einem 1790-1811 dauernden Verhältnis mit
einer irischen Schauspielerin, Dora Jordans, batte
er zehn Kinder, von denen der älteste Sohn, George
Fitzclarence, geb. 1794, gest. 1842, im 1.1831 den
Titel eines Grafen von Munster erhielt. Der zweite
Sohn W.s, Lord Fred er ick Fitzclarence, geb.
1799, starb als Oberbefehlshaber von Bombay ^
30. Okt. 1854. - Vgl. Huish, llwoi^ ok tlie i ci^n
aiiäM60f>ViI1i3mIV.^ond.1837); Mgerald,I^it'6
an(Itiin63 0^ViI1iniu1V.(2Bde., ebd. 1884),Pauli, !
Geschickte Englands seit l 814 (3 Bde., Lftz. 1864- !
75); Walpole, lliLtoi)' ot'Nu^wnd troin tl^6 conoiu- ^
8i^"n ok td6 tzisat ^ar in 1815 l5 Bde., 1878-88). '
Wilhelm I.-III., Landgrafen von Hessen,
s. Hessen (Voltsstamm).
Wilhelm IV., Landgraf von Hessen-Cassel
(15<"7-92), der Sohn Philipps l.,des Großmütigen,
geb. 14. Juni 1532, führte während der Gefangen-
scbaft seines Vaters nacb dem Sckmalkaldischen
Kriege die Negierung, und war an der Vorbereitung !
und Durchführung des von Moritz von Sachsen ge-
leiteten Krieges gegen Karl V. beteiligt ^(1552).
Danu lebte er zurückgezogen seinen astron. Studien,
bis ibm bei der Landesteilung nach seines Vaters
Tode 1567 Hesseu-Cassel zufiel. Er geborte zu der
unter Sachsens Fübrung von jeder prot. Attionspo-
litit sicb ängstlich zurückbaltenden Partei und starb
25. Aug. 1592. Er ist der Stifter der hessen-cassel-
scben Linie. Einen Teil seiner astron. Beobacbtun-
tungen gab Snellius u. d. T. "M)86i-v5ttioii6811^8-
8icne coeli 6t ßidt^'nni" (Leid. K, 18) heraus; die mei-
sten siud ungedruckt in der Bibliothek zu Cassel.
Wilhelm V.-VIII., Landgrafen von Hessen-
Cassel, s. Hessen-Cassel.
Wilhelm I., der erste Kurfürst vou Hessen -
Cassel (1803-21), vorher als Landgraf (17,^5-
1803) Wilhelm IX. genannt, geb. 2. Juni 1743 zu
Cassel als Eobn des Landgrafen Friedricb II. Wäh-
rend der letzten Jahre des Siebenjährigen Krieges
lebte er am Hofe seines Oheims, des Königs Fried-
rich V. von Dänemark, dessen zweite Tochter, Wil-
belmine Karoline (geb. 1747, gest. 1820), er 1764 bei-
ratete. 1760 übernahm er an Stelle seines katboliscb
gewordenen Vaters die Regiernng der Grafscbaft
Hanau. Als er 1785 seinem Vater als Landgras in
der Regierung von Hessen-Cassel gefolgt war, ver-
legte er seine Residenz nach Cassel und suchte die
unter se.ines Vaters Regierung eingerissenen Miß-
stände abzuschaffen. Mit Preußen verbündet, nabm
W. an den Rcvolutionskricgen teil. 1795 trat er
dem Frieden zu Basel bei. Im Reicksdcputations-
hauptschluß von 1803 erhielt der Landgraf die Kur-
würde, die er 1. Mai 1803 als W. I. förmlich an-
nabm. Wiewohl sich der Kurfürst Preußen ange-
schlossen hatte, suchte er doch nacb Au^bruck des
Krieges im herbst 1806 von Napoleon Anerkennung
seiner Neutralität zu erhalten. Der Kaiser gestand
diese zunächst zu, aber nach der Scklacbt bei Jena
erklärte er den doppelzüngigen Fürsten für abgesetzt
und sandte den Marscball Mortier gegen ibn. W.
stob mit seiner Familie und seinen Schützen nacb
Schleswig und dann nach Prag. Seine Länder
wurden mit dem neu errichteten Königreich Westfalen
vereinigt. Nach der Schlacht bei Leipzig übernabm
W. 21. Nov. 1813 wieder in Cassel die Regierung.
Ms er durch den Wiener Kongreß den größten Teil
des Fürsteutums Fulda erhielt, nahm er 1816 den
Titel Großherzog von Fulda an. Mit Härte und
Brutalität suchte er alles in seinem Lande wieder
auf den Fuß von 1806 zu bringen; die Beamten, die
wäbrend der Zeit der westfäl. Zwischenregierung
uuter seiuem "Verwalter Ieröme" aufgerückt waren,
wurden auf die frühern Posten zurückversetzt, auf dem
Lande die abgeschafften Fronen wiederhergestellt,
die Staatsobligationen wurden auf ein Drittel des
Wertes reduziert, und den Domänenkäufern wurden
die gekauften Güter ohne Entschädigung entrissen.
W. berief znr Vereinbarung einer Verfassung die
altbess. stände zweimal, 1815 und 1816, und ord-
nete ibnen Deputierte der Bauern zu. Da aber die
Versammlungen sich seiner Willkür nicht fügten,
namentlicb nicht von der Forderung einer Sonderung
des Staatvvermögens von dem überreichen Privat-
scbatze des Kurfürsten abgehen wollten, so kam eine
Einigung nicht zu stände. Doch gab W. 4. März
1817 das Haus- und Staatsgesetz, in dem einige
Artikel des Vcrfassungsentwurfs Aufnahme fanden.
W. starb 27. Febr. 1821.
Wilhelm II., Kurfürst von Hesscn-Cassel
' 1821-47), geb. 28. Juli 1777, Sohn und Nach-
folger des Kurfürsten Wilhelm I., erhielt eine streng
militür. Erziehung, studierte in Marburg und Leip-
zig, begleitete seinen Vater 1806 nach der Besetzung
des Landes durch die Franzosen erst nach Holstein,
dann nach Prag, ging 1809 nach Berlin und machte
den Feldzug von 1813 im preuft. Heere mit. 1814
führte er die Hess. Truppen nach Frankreich und
blockierte Diedeuhofen, Luremburg, Metz und Saar-
louis. Bei feinem Regierungsantritt beaann er
mit mancherlei Reformen, allein die gehegten Er-
wartungen erfüllte er nicht. Dazu kamen Spal-
tungen in der kurfürstl. Familie, hauptsächlich ver-
anlaßt dadurch, daß der Kurfürst seine Geliebte,
Emilie Orilöpp, zur Gräfin von Reichenbach erhob.
Im I. 1830 entstanden deshalb Unruben in Cassel
ls. Hessen-Cassel), die dazu führten, daß der Kurfürst
30. Sept. 1831 feinen Sohn Friedrich Wilhelm zum
Mitregenten erhob, während er selbst meist außer
Land lebte. Vermählt war W. 11. seit 1797 mit
Auguste, Tochter König Friedrich Wilhelms II. von
Preußen (gest. 19. Febr. 1841), dann (seit 8. Juli
1^41) morganatisch mit Emilie, Gräfin von Reichen-
bach-Lessonitz (gest. 12. 5ebr. 1843) und seit 28. Aug.
l 843, ebenfalls morganatisch, mit Karoline, Baronin
von Bergen, geborenen von Berlepsch lin zweiter
Ehe 1851 mit dem Grafen Adolf von Hobenthal ver-
mäblt, gest. 21. Febr. 1877). W. II. starb 20. Nov.
1847 zu Frankfurt a. M.
Wilhelm I., Markgraf von Meißen <1349
-1407), Sobn Markgraf Friedrichs des Ernft-
baften, geb. 29. Dez. 1343, stand nach dem Tode
des Vaters 1349 unter der Vormundschaft seines
ältesten Bruders Friedrichs des Streugen. Nachdem
er schon seit 136" Meißen als Statthalter verwaltet
batte, erhielt er dies Land bei der vorläufigen Tei-
lung (Örterung" von 1379 und der endgültigen Tei-
lung 1382 ganz. Er erkaufte 1398 die Städte Leisnig
und Geitbain; 1402 erwarb er nach heftiger Fehde
den Befitz der Burggrafen von Dohna (Dohna,
.^önigstein, Weesenstein, Dippoldiswalde, Rabenau,
.Uönigsbrüct) als böbm. Leben, 1404 erhielt er als
Pfand das böbm. Pirna und in demselben Jahre
erwarb er nocb die ganze Herrschaft Colditz. Im
Innern seines Landes sorgte er eifrig für die wirt-
scbaftlicbe Hebung der Städte und die Sicherung -
des Landfriedens. Er starb 9. Febr. 1407 in