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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wirkmaschine
Von allen Strickmaschinen hat zur Zeit die 1866
von dem Amerikaner I. W. Lamb konstruierte Ma-
schine (Fig. 10) die größte Verbreitung gesunden.
Dieselbe ist eine Flachstrickmaschine mit zwei ebenen
Nadelbetten di, 1)2 (Fig. 5), welche unter einem nahezu
rechten Winkel so gegeneinander stehend einen schma-
len Spalt zwischen sich lassen, durch den die fertige
Ware ^V, vom Gewicht 3 gespannt, abwärts hängt.
In diesen Nadelbetten sind die Führungsnutcn sür
die Zungennadeln 1^, "2 senkrecht zum Warenspalt
so tief eingeschnitten, daß die Nadclscbäfte nicht über
die Bettoderflüchen hervorragen und somit auch dem
Schlitten 8 kein Hindernis bieten, wenn derselbe mit
Hilfe eines Kurbelgetricbes, welches in Fig. 10 sicht-
bar ist, von dem Stricker oder durch Elemcntartraft
längs der Betten verschoben wird. Entlang der den
Warenspalt begrenzenden Kanten der beiden Nadel-
betteil sind zwischen den Nadelnuten dreieckige Vor-
sprünge, die Abschlagplatincn ", befestigt. Die
tiefste Arbeitstage der Nadeln begrenzen die Stell-
federn l, durch deren Herabziehen die Nadeln auch
ganz außer Arbeitsteilung gebracht werden können.
Hierdurch ist es möglich, auch einzelne Nadeln aus-
zurücken und damit verschieden breite Gewirke auf
einer Maschine herzustellen. An der dem Bett zu-
gekehrten Schlittenseite liegen die beiden Schlösser
^1, 8-2 Mr Verschiebung der Nadeln. Ein jedes dieser
Schlösser besteht, wie Fig. 7 u. 8 zeigen, aus drei
dreieckigen Platten, die gegen die gekröpften Nadel-
süße ä iTertfig. 2) wirken. Die beiden Enddreiecke,
die Nadelsenter n und 0, werden, nachdem ihnen
eine bestimmte Stellung erteilt wurde, mit Hilfe von
Schrauben t. (Fig. 5 der Tafel) am Schlitten be-
festigt. Das Mitteldreieck oder der N adelhebcrin
lFig. 7 u. 8) ist parallel zu den Nadelnuten verschieb-
bar hingesetzt; ein schräg zu den Nadelnuten laufen-
der Schlitz einer Platte p (Fig. 5), die in der Längs-
richtung des Nadelbettes verschiebbar ist, dient zur
Einstellung und Stellungssicherung des Mittel-
dreiecks. Die Verschiebung dieser Platte erfolgt beim
Anstoß an stellbare Niegel i- an den Enden jedes
Nadelbcttcs. Durch die Plattenschicbung wird der
Nadelheber entweder gehoben (Fig. 7) und damit
außer Arbeitsteilung gebracht, so daß er bei der
Schlittenbewegung oberhalb der Nadelfüßc d vor-
übergeht, die Nadeln also nicht verschoben werden,
oder gesenkt (Fig. 8) und schiebt dann die Nadeln über
die Äbschlagtante des Nadelbettes hinaus. Insolge
der Dreieckgcstalt des Nadelhebers m kann dieser bei
geeigneter Stellung in jeder Richtung des Schlitten-
schubes auf die Nadeln einwirken; die die Nadeln
herabziehenden Seitendreieckc n und 0 sind dagegen
in jedem der Schlösser doppelt anzuordnen, um für
jeden einfachen Schlittcnfchub wirkfam zu fein. Die
Tiefe der von ihnen hervorgebrachten Nadelsenkung,
welche die Länge der kulierten Schleifell regelt, wird
durch die Einstellung der Nadclseuker bestimmt.
Sind beide Riegel i- des Nadelbettes I>2 'nach außen,
diejenigen des Bettes d^ nach innen geschoben (wie
dies Fig. 5 zeigt), so daß die crstern nicht auf das
Mitteldreieck des Schlosses 8.2 einwirken können und
dieses daher dauernd geschlossen bleibt (Stellung
Fig. 7), so arbeiten nur die Nadeln der Nadclreihe d/;
es wird von ihnen glatte Ware als flaches
Stück gebildet. Sind dagegen sämtliche vier Riegel i'
nach innen geschoben, so daß sie jedes Schloß am Ende
eines jeden Schlittenhubes umstellen, und ist die
Schlohstellung beim Beginn der Arbeit so gewählt,
daß dein 51 fsuen des einen Schlosses die Schließung
des andern entspricht, so wird rund geschlossene
glatte Ware gearbeitet. Sind endlich alle vier
Riegel nach außen gezogen, so daß sie nicht auf die
in Arbeitsteilung gebrachten (also offenen) Schlier
einwirken können, so arbeiten die Nadeln beider
Maschinensciten gleichzeitig, und es entsteht je nacb
der Höhenstellung der Seitendreiecke Ränder- oder
Fangware. Bei dem Abschlagen der Maschen von
den Nadeln wird der Haken der letztcrn durch die
Nadelzunge geschlossen. Denselben für das Einlegen
eines neuen Fadens wieder zu öffnen, trägt jedes
Schloß einen Haken öffn er u, dessen messerartig
zugcschärftc Endplatte dicht an den Haken der vom
Schloß emporgetricbencn Nadel herantritt und die
Zunge derselben zurücklegt. Der Hakenöffner schreitet
in jeder Vewegungsrichtung des Schlittens dem
Fadenführer v ein Stück voraus, um die Nadeln für
das Einlegen des Fadens vorzubereiten. Der federnde
Fadenleiter x erteilt den: von einer Schleifspule
kommenden Strickfadcn die für die Mafchenbildung
erforderliche Spaunung. Mit Hilfe der genannten
Werkzeuge entwickelt sich der in Fig. 6 dargestellte
Arbeitsvorgang. Das schloß schreitet in der Rich-
tung des Pfeiles 1> vor. Das Mitteldreieck bat die
Nadeln 1, 2, 3 hochgeschoben. Der Hakenöffner n
drückt die Zunge der eben aufsteigenden Nadeln 1
zurück und der Fadcnführer v hat den von der
Ware (bei Nadel 6) ausgehenden Faden über die
Schäfte der Nadeln 5, 4, 3, 2 gelegt. Die Nadeln
4-6 werden von dem, dem Mitteldrcicck folgenden
Seitcndreieck zurückgezogen, Nadel 7 hat bereits die
tiefste Lage erreicht. Auf den Nadeln 1-5 hängen
die alten Warenmafchen. Diejenige der Nadel 4
tritt eben dicht hinter die Nadelzunge, hält dieselbe
bei der weitern Nadclsenkung zurück, so daß sie den
Nadelhaken schließt, die Nadel durch die von den be-
nachbarten (in der Figur nicht gezeichneten) Abschlag-
platinen zurückgehaltene Warenmaschc abwärts
gleitet (s. Nadel 5) und, indem sie den in ihrem Haken
liegenden Faden durch die Masche zieht, diese ab-
schlägt (s. Nadel 6). Die bis in die Endstellung 7
zurückweichende Nadel giebt der neuen Masche die
erforderliche Länge; die Tiefe der Nadelsenkung be-
stimmt daher die Maschengrösic und die Dichtigkeit
des fertigen Gestrickes.
Während des Strickens kann man die Arbeits-
breite der in der Anfertigung begriffenen Ware da-
durch mindern, daß die Maschen von den End-
nadeln einer oder beider Nadelreihen mit einem
Minderhäkchen abgehoben, auf die neben ihnen
stehenden, bereits Maschen tragenden Arbeitsnadeln
übergehängt und die Endnadeln selbst auher Arbeits-
stellung gebracht werden. Für den Zweck des Zu-
gebens hat man dagegen die Masche der letzten
arbeitenden Nadel jeder Reihe so zu erweitern, d^
sie sich über eine daneben befindliche, in die Arbeit-
stellung zu bringende Nadel streifen läßt. Da an
der Lambschen Maschine auch Vorrichtungen zum
Stricken der Fersen angebracht sind, kann man mit
derselben einen Strumpf bis zur letzten Masche fertig
stricken, ohne seine Forin durch Nähte vervollstän-
digen zu müssen. Von einer geübten Arbeiterin be-
dient, liefert die Maschine täglich 10 Paar langer
Fraucnstrümpfe oder 20 Paar Männcrsocken; ihrer
Einführung in Haushaltungen, wo sie nicht genügend
ausgenutzt wird, steht bisher noch ihr hoher Preis
entgegen. - Die W. ist auch zur Herstellung einer
Art von Maschinenspitzen (s. Spitzen) geeignet. -
Vgl. Willkomm, Die Technologie der Wirkerei