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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wollindustrie - Wollkäfer
Vgl. W. von Raumer, Die Insel W. (Berl. 1851). -
2) Stadt auf der Insel W., an der Südosteckc der-
selben, durch Brücken über die dreiarmige Dieveuow
mit dein Festland verbunden, an der Nebenlinie Wiet-
stock-W. (15,? 1(ln) der Preuß. Staatsbahnen, Sitz
eines Amtsgerichts (Landaericht Stettin), bat(1895)
4899 E., darunter 12 Katholiken und 96 Ivraeliten,
Postamt zweiter Klasse, Telegraph, zwei evang., eine
altluth. Kirche, Realprogymnasium, höhere Mädchen-
schule; dreiWerfte, Schiffahrt, Schiffbau, Fischfang,
Holzhandel, Viehzncht, Pferdemärtte und lebhaften
Handel. - W., das fagenhafte alte Julin oder Vi-
neta (s. d.), war seit 1125 Sitz eines Bistums, das
1170 nach Cammin verlegt wurde. Die Stadt W.
wurde 1636 von den Schweden, 27. Ang. 1659 von
den Brandenburgern eingenommen, 5. Okt. 1675
von letztern und 16. ^ept. 1759 von erstern erstürmt.
Wollindustrie. In der industriellen Verwer-
tung der Wolle steht Großbritannien in erster Reihe,
dann folgen Deutschland, Vereinigte Staaten von
Amerika, Frankreich, Belgien, Österreich. Von den
Ländern, welche Rohwolle in größerer Menge auf
den Weltmarkt bringen (Australien, Argentinien,
Kapland, Nukland), ist wohl nur von Rußland ein
größerer Aufschwung in der Herstellung von Woll-
waren zu erwarten. Deutschland, Österreich-Ungarn,
besonders aber Nordamerika vermögen zwar noch
einen erheblichen Teil ihrer Rohwolle selbst zu decken,
aber auch in diesen Ländern geht die Schafzucht mehr
und mehr zurück und die Einfuhr fremder (über-
seeischer) Wolle steigt mit jedem Jahre. So bezog
Deutschland 1882 nur erst 88502 t, fremde Wolle,
1896: 170245t Wert: 217,9 Mill. M.), selbstNord-
amerika 1896: 162 385 t, Österreich 31658 t,
Frankreich 2^842 t, Großbritannien 337485 t.
Wollgarne. Über die Zahl der Spindeln und
zwar zusammen für Streich-, Kamm- und Kunstwolle
liegen Erhebungen ans einem und demselben Jahre
nicht vor. Anzunehmen werden sein an Spindeln:
Woll-Web waren. In Dentschland sind die,
.Hauptplätze für Tuche: Rheinprovinz, preuß. Nieder^
lausitz, Königreich Sachsen; für Shawls und Tep^
piche: Berlin, Hannover, Sachsen; für Strumpf
waren: Sachsen, Thüringen, Rheinland; sür Fil;-
waren: Rheinprovinz, wachsen, Berlin; für halb-
wollene Waren: Sachsen, Elsaß, Württemberg. In
Österreich blüht die W. in Mähren und Bobinen;
in Frankreich in den Provinzen des Nordostens; in
Belgien in der Nähe der deutschen Grenze. Ange-
geben werden, bez. zu schätzen sind für 1897:
Länder
Fabriken
2800
?
2700
2100
Webstühle,
mechanische
Großbritannien . ,
Dentschland ...
Ver. Staaten v. Amerika
Frankreich.....
Belgien......
Österreich Ungarn
Die Ausfuhr vou Wollwaren aller Art, darunter
auch die halbwollenen, betrug in Mill. M.:
350
140 000
30 000
78 000
72 000
31000
47 000
Arbeiter
.".20 000
180 000
165 000
160 000
?
95 000
Länder
1886
Großbritannien ....
. . 394,6
408,3
358,1
Deutschland......
. . 235,3
252,1
220,5
Frankreich......
. . 300,7
289,2
263,1
Belgien........
. . 18,1
22,2
17,2
Dsterreich-Ungarn . . .
. . 45,5
''.8,7
29,5
1890 1392
Länder
1870
1885
189?
Großbritannien ....
4 958 000
6 144 600
6 700 000
Deutschland......
2 430 000
3 020 000
3 600 000
Vcr. Staaten von Amerika
1472 000
2 563 000
3 600 000
Frankreich.......
2 730 000
3 266 000
3 500 000
Belgien........
1 260 000
1 430 000
1 600 000
Österreich-Ungarn . . .
610 000
605 000
800 000
Belgien und Frankreich, zum Teil auch Groß-
britannien, führen vorwiegend gekämmte Wolle und
Kammgarn, auch Kunstwolle aus, wäbrend in den
andern Staaten die Ausfuhr von Streichgarn über-
wiegt. Die Ausfuhr von Wollgarnen aller Art be-
trug in Mill. M.:
Länder
1886
1890
1892
1896
Großbritannien......
115,9
110,4
105,6
113,1
Deutschland .......
44,7
43,2
33,0
42,4
Vcr. Staaten von Amerika
^,1
0,5
0,6
2,8
Frankreich........
35,2
44,4
16,8
24,6
Belgien.........
44,8
50,2
46,3
46,2
Österreich-Ungarn.....
9,5
6,3
2,0
3,8
Im I. 1896 führten dagegen an Wollgarnen
ein: Großbritannien für 3,7 Mill. M., Deutschland
115, Frankreich 21,9, Österreich-Ungarn 11,2, Nord
amerika 63,4 Mill. M., Belgien nur geringe Mengen.
Hierbei ist jedoch zu beachten, daß unter Wollgarnen
nicht selten auch die halbwollenen, mit Baumwolle
oder andern Textilstoffcn gemischten Garne verzeich-
net werden. In fast noch höherm Grade gilt dies
von den Wollwaren.
1896
365,2
2l5,9
232,8
17,8
35,4
Die Ansfnhr von Nordamerika ist kaum nennens-
wert. Obgleich der Wert der dort erzeugten Woll-
waren 1200 Mill. M. übersteigen soll, so deckt dcv>
Land zur Zeit noch nicht den eigenen Bedarf, da in
den letzten Jahren die Einfuhr von Woll-Wcdwaren
zwischen 120-140 Mill. M. schwankt. In Teutsch
land wurden 1896 Wollwaren im Werte von nur
15,4 Mill. eingeführt, in Österreich für 19,9, in
Frankreich für 32,7 Mill. M.
Geschichtliches. Die Wolle scheint am frühe-
sten als Gefpinstfaser Verwendung gefunden zn
haben, woranf namentlich die biblischen Überliefe-
rungen hindeuten. Im 10. Jahrh, bereits und bis
zum 15. Jahrh, waren die deutschen Wollmanufat-
turen berühmter als alle andern Europas. Von
Deutschland wurde die W. nach den Niederlanden
nnd nach Italien verpflanzt, wo man in der Folge
bessere Waren als in Deutschland erzeugte. Von den
Niederlanden wanderten im 11. und 16. Jahrh, viele
Wollweber aus, und zwar größtenteils nach Eng
land, von welcher Zeit an der Aufschwung der eng-
lischen W. datiert. In Frankreich war es besonders
der Einfluß Colberts, durch welchen der Betrieb des
Wollgewerbes größere Ausdehnung gewann. In
Deutschland wurde durch den Dreißigjährigen Krieg
die früher blühende W. fast ganz vernicktet, und die
folgenden Jahrhunderte waren auch nicht aeeignct,
ihr zu neuem Aufschwung zu verhelfen. Die Ein-
führung der span. Merinoschafe im Königreich Sach-
sen sicherte indessen von Anfang des 19. Jahrh, ab
der deutschen W. einen vorzüglichen
Rohstoff. Ähnlich lagen die Dinge ia
Österreich.
stehende Abbildung), ein zur Gruppe
der Verschiedenzeher is. Käfer) gehöri-
ger, bis 9 min lang werdender, zottig
behaarter Käfer von schwarzer Farbe
mit gelbbraunen, weichen Flügel-
decken, der von vegetabilischen Substanzen, nament-
lich von Blüten lebt) überall in Deutschland häufig.