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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zündhütchen - Zündschachtel
Frankreich 1871 zuerst als Fabrikatsteuer ein-
gerichtet, aber durch Gesetz vom 2. Aug. 1872 in
ein Monopol für den Ankauf, die Herstellung und
den Verkauf von Zündhölzern verwandelt. Die bio-
berigen Fabrikanten wurden mit 32,5. Mill. Frs. ent-
schädigt und bildeten eine Pachtgesellschaft mit einem
Kapital vou 40 Mill. Frs. Die Gesellschaft battc
uuter Stellung einer Kaution vou 10 Mill. Frs.
die Ausbeutung des Monopols auf 20 Jahre über-
nommen bei einem beiderseitigen Kündigungsrecht
von 5 zu 5 Jahren. Die Pachtsumme wurde, solange
der Verbrauch im Monopolgebiete 40 Milliarden
Stück nicht überschreitet, auf 160Z0000 Fr5. fest-
gesetzt; für höhern Verbrauch war ein cntsprecheu-
der Betrag vorgesehen. Nach Ablauf des 2. Jabr-
süufts wurde die Pachtsumme (infolge der Kündi
guug des Vertrags seitcus der Regierung" um 1 Mill.,
vom 5. Jahre an um 2 Mill. Frs. jährlich erhöht. Vom
1. Jan. 1885 an wurde das Monopol einer Aktien-
gesel^chast auf 20 Jahre übertragen mit gleichen
Kündiguugsbedingungen gegen eine Pachtsumme
von 17,0i Mill. Frs. jäbrlich und einen Anteil von
10 Proz. vom Absatz, der 35 Milliarden Stück Jahr
lich überschreitet. Die Einfuhr fremder Zündbölz-
chen ist verboten. Seit 1. Jan. 1890 hat der Staat
das Monopol der Herstellung und des Verkauf?
in der Hand. Die Zündhölzer werden in 5 Staatö-
fabriken hergestellt und unmittelbar an die Groß-
händler abgegeben. Ertrag 1894: 26,58? Mill. Frs.
In Rußland bestand eine Z. von 1848 bis 1859
nnd wurde 1888 wieder eiugeführt. Nach dem Gesetz
vom 16./28. Nov. 1892 haben die schwed. Streich
bölzer inländischer Fabrikation ^ Kop. für Pakete
bis zu 75 Stück, 'Z.. Kop. für folche von 75-150
Stück, "/4 Kop. für solche zu 150-225 und 1 Kop.
für solche von 225-300 Stück zu entrichten. Au5
dem Auslande eingeführte fchwed. Zündhölzer zah-
len den doppelten Satz. Alle übrigen Arten von
Zündhölzern inländischen Ursprungs sind mit je
^.2,1,1^/2 und 2 Kop., ausländischen Ursprungs
mit je 1, 2, 3 und 4 Kop. besteuert. Ertrag 1893:
6,585 Mill. Rubel. Sog. "bengalische" Zündhölzer
dürfen weder hergestellt noch eingeführt werden. In
Portugal ist durch eine ko'nigl. Verordnung vom
14. März 1895 das ausschließliche Recht zur Her-
stellung von Züudstoffen und Phosphorzündhölzcken
verpachtet; Einfuhr und Verkauf ausländischer Phoc'-
vhorzündhölzchen ist gestattet. Spanien hat durch
Gesetz vom 30. Iuui 1892 ein Fabrikations- nud
Vcrkaufsmonopol errichtet. Die Einfubr voll Zünd-
bölzern ist verboten. Ertrag 1893-94: 4,25Mill. Pe-
setas. Serbien hat durch Gesetz vom 31. Juli 1886
eine Negaltare von 100 Dinar auf 100 i<^ Streich-
bölzer, 1895 das Zündholzmonopol eingeführt; Ru -
mänien hat das Monopol für Fabrikation und
Verschleiß (Ertrag 1891-92: 2,i Mill. Lei). Ita-
lien hat dieZ. erst 1895 eingeführt; in Griechen-
land ist der Staat ausschließlich Großhändler; er
läßt die Zündhölzer in Augsburg, feinere Sorten in
Bascknera bei Venedig herstellen.
Zündhütchen, Zündkap feln, kapseln (in
Österreich), kleine Kapseln von dünnem Kupfer-oder
Messingblech, von Gestalt eines an einem Ende
offenen Cylinders und mit einer geringen Menge
Knallpräparat auf dem Boden. Vei den Perkussion^-
qewehren wurden sie auf das Piston gesteckt und
durch den Hahn entzündet, wobei der au5 dem Knall-
quecksilber entwickelte Feuerstrahl durch die Boh-
rung des Pistons zur Pulverladung gelangte. Bei
den Hinterladern ist das Z. inden Uoden.der Pa-
tronenhülse eingelassen und wird durch den Schlag-
bolzen entzündet. Einzelne Konstruktionen (Vetterli-
Repetiergewehr ^1/1869) haben kein Z., sondern ver-
teilen den Zündsatz gleichmäßig am untern Rand der
Patrone, wo er durch den gabelförmigen Schlag-
bolzen entzündet wird. Auch bei den Zündern ls. d.)
der Artilleriegeschosse finden Z. Anwendung.
Zündhütchenblech, s. Blech.
Zündkanal, s. Zündloch.
Zündkapseln, s. Zündhütchen.
Zündladung, auch Initialladung, eine
zur Entzündung schwer entzündlicher Sprengstoffe
dienende Ladung; z. B. wird nasse Schießwolle meist
durch eine kleine Z. aus trockner Schieftwolle zur Ent-
zündung gebracht.
Zündlichter, starke Papierhülsen mit einer ein-
gepreßten Mischuug von Anfeuerung (s. d.) nnd
Kolophonium, dienten zum Abfeuern der glatten
Gescdütze, wenn die ^unte feucht war.
Zündloch, Zündkanal, die enge und meist
enlindriicke Durchbohrung eines Gewehrlaufs (bei
Vorderladern), Geschützrohrs oder eines Geschütz-
verschlusses, welche zur Übertragung des Feuers von
den außerbalb des Rohrs verwendeten Zündmitteln
nach der im Innern lagernden Ladung dient (s. Ge-
schütz nebst Fig. 6, 8, ':), 18, 19, 23,'28, 29). Bei
den ältern Geschützen und namentlich bei den Vorder-
ladern war das Z. meist senkrecht von oben in das
Rohrmetall eingebohrt (Dberzündnng), bei den
neuern Hinterladern geht es ineist schräg (Schräg-
zündung) oder in Richtung der Seelenachse lCentral-
zündung) durch den Verschluß oder durch Rohr und
Verschluß zusammen. Bei Verwendung von Guß-
eisen oder Bronze als Rohrmetall ist es geboten,
das Z. erst mit Kupfer (Zündlochfutter) aus-
zufüttern, damit feine Wandungen weniger leicht
ausgebrannt werden.
Zündmafchine, f. Feuerzeug.
Zündmittel, f. Zündungen.
Zündmuschel, eine muschelartige Vertiefung
am Zündloch (s. d.) von Geschützen. Bei neuern
Geschützen mit Schrägzündung soll sie verhindern,
daß die zur Zündung verwendeten Schlagröhren
nach hinten fliegen und Bedienungsmannschaften
verletzen. Bei den Vorderladern und namentlich den
glatten Mörsern hatte sie den Zweck, das zur Zün-
dung dienende Mehlpulver aufzunehmen und einen:
Verstreuen durch Wind vorzubeugen.
Zündnadelgewehr, ein von Dreyse (s. d.) kon-
struiertes Hinterladungsgewehr, bei dem das mit
der Patrone verbundene Zündmittel durch den Stich
einer mittels Federkraft in das Innere des Laufs
eintretenden Nadel, Zündnadel genannt, entzün-
det wird. (^.Handfeuerwaffen nebstTafell, Fig. 1,
2, 3, 4, und Jagdgewehre.)
Zündnadelstandbüchse, ein den Amüsetten
(s. d.) ähnliches, jedoch wirtsameres Feldgeschütz von
31 nun Kaliber, einem Gesch-oh von ^00 3 Gewicht
und einer Schuftweite von 15l)0 in; es wurde sehr
bald lediglich für den Festuugskrieg bestimmt und
verschwand dann wieder.
Zündpapier, Filtrierpapier mit einer Mischung
von Mehlpulver und Spiritus bestrichen; es diente als
Zündpatronen, s. Detonator. sZündmittel.
Zündpille, das Zünd mittel, welches bei Patro-
nenhülsen oder in Zündern die Entzündung hervor-
ruft, also etwa soviel wie Zündhütchen ls. d.).
Zündschachtel, s. Mausefalle.