Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

138
Bayern
gewerbliche Fortbildungsschulen, wovon 208 selb-
ständig und 49 mit Realschulen verbunden waren,
an 169 Schulen ist der Besuch auf Grund Orts-
statuts ein obligatorischer, die Zahl der Lehrkräfte
beträgt 1647, der Schüler 32 286; ferner 447 land-
wirtschaftliche Fortbildungsschulen mit 700 Lehrern
und 8280 Schülern, hiervon treffen 13 Schulen mit
112 Lehrern und 526 Schülern auf die Winter-
schulen, 5 Anstalten mit 24 Lehrern und 252 Schü-
lern auf die Waldbauschulcn.
Kirchenwesen. In der Finanzperiode 1896/97
betrug der jährliche Zuschuß des Staates 4235225
M. sür den kath., 2302651 M. für den prot. und
14000 M. für den israel. Kultus und außerdem
954533 M. für sonstige Zwecke des Kultus (Kirchen-
bau u. s. w.). Für Ku'ltuszwecke bestehen 9811 Stif-
tungen mit einem Vermögen von 168961661 M.,
davon 8550 Stiftungen mit 148780843 M. für den
kath. und 1193 Stiftungen mit 19603107 M. für
den prot. Kultus, außerdem sonstige Kultusstif-
tungen 68 mit einem Gefamtvermögen von 577 711
M. An geistlichen Orden bestehen 38 Männerklo'stcr
mit 50 Filialen und 1463 Ordensmitglicdern. Die
(weiblichen) Frauenorden haben 61 Klöster mit 816
Filialen und 8735 Ordcnsmitgliedern. Von den
Ordensniederlassungen befassen sich 6 männliche und
321 weibliche mit Krankenpflege, 10 männliche und
472 weibliche mit Erziehung und Unterricht.
Vereinswesen. Der landwirtschaftliche Haupt-
verein hatte 1895: 227 landwirtschaftliche Bezirks-
komitees mit 64377 Mitgliedern (dieVezirkskomitees
eines Regierungsbezirks bilden je einen Landwirt-
schaftlichen Kreisvercin); ferner giebt es 3134 land-
wirtschaftliche Specialvereine mit 232 844 Mitglie-
dern, nämlich 27 Pferde-, 418 Rindvieh-, 84 Ge-
flügel-, 305 Bienenzucht-, 31 Molkerei-, 85 Fi-
scherei-, 14 Hopfenbau-, 4 Weinbau-, 362 Obst-
und Gartenbauvereine, 402 Dreschmaschinenge-
nossenschaften, 430 Viehversicherungsvcrcine, 705
Hredit-, Darlehns-, Spar- und Vorschußvereine,
183 Konsumvereine, 26 landwirtschaftliche Lehr- und
Kreditvereine und 58 sonstige landwirtschaftliche
Specialvereine. Das gesamte Vermögen der land-
wirtschaftlichen Specialvereine beträgt 4790163 M.
An gewerblichen Vereinen bestanden 1895: 226 In-
nungen und zwar 190 neuerrichtete, 17 reorgani-
sierte und 19 nicht reorganisierte mit zufammen
11073 Mitgliedern und 3 gemeinsamen Innungs-
ausschüssen; ferner 84 Gewerbevercine, 10 Gewerbe-
genossenschaften, 45 Meisterfachvereine und 19
Handwerkerv creme.
Litteratur. Götz, Geogr. - histor. Handbuch von
V. (Bd. 1, Münch/1895); Köstler, Handbuch der Ge-
biets- und Ortskunde des Königreichs B. (ebd. 1895);
Veck, B.s Großindustrie und Großhandel, Tl. 1
(Nürnb. 1895).
Geschichte. Am 1. Okt. 1891 trat der Landtag
wieder zusammen. Im Finanzausschuß der Kammer
wurde 14. Okt. eine Vorlage im Betrage von 40 Mill.
M. zur Herstellung von Doppelgleisen und Beschaf-
fung von Fahrmaterial genehmigt. Am31. Okt. einig-
ten sich die Parteien über einen Antrag bezüglich des
Militärstrafverfahrens; die bayr. Bevollmächtigten
zum Bundesrate sollten angewiesen werden, bei Be-
ratung einer deutschen Militärstrafprozeßordnung
nur einem Entwürfe zuzustimmen, in welchem ins-
besondere die Selbständigkeit der Gerichte sowie die
Öffentlichkeit und Mündlichkeit des Verfahrens wirk-
sam gewahrt seien. Am 4. Nov. gab der Kriegs-
minister von Safferling entsprechende, wenn auch
nicht umfassende Zusagen. Am 27. Nov. genehmigte
die Abgeordnetenkammer die Novelle zum Hcimats-
und Verchelichungsgesetz. In derReichsratskammcr
trat Prinz Ludwig 18. Dez. für Kanalisierung des
Mains bis Vamberg ein. Die Altkatholikenfrage
wurde 30. Okt. 1891 dahin entschieden, daß das bayr.
. Kultusministerium den Altkatholiken definitiv die An-
! erkennung als öffentliche Korporation versagte und
! ihnen den Gebrauch der äußern Insignien des kath.
Kultus verbot. Am 29. Jan. 1892 genehmigte die
! Reichsratskammer die Novelle zum Heimats- und
^ Verehelichungsgesetz, einen Entwurf über Bestrafung
des Geschäftsbetriebes der in B. nicht zugelassenen
Versicherungsgesellschaften und den Beschluß der
! Zweiten Kammer über die bei Einführung einer
^ deutschen Militärstrafprozeßordnung zu berücksich-
tigenden Punkte. Die Regierung lieh ihre Überein-
stimmung mit diesen Wünschen ausdrücken. Am
, 20. Febr. genehmigte die Abgeordnetenkammer den
Gesetzentwurf wegen 4 Proz. Zinsgarantie für die
! von den Pfälzer Bahnen zu Erweiterungen zu ver-
! ausgabenden 7 889000 M. und setzte 24. Febr. im
! Zollctat den Anteil V.s an den Reichszöllen auf
! 22100000 M. fest. Am 9. März wurde das Gesetz
^ wegen Entschädigung für an Milzbrand gefallene
Tiere genehmigt, desgleichen 30. März die von der
Regierung geforderten 20770000 M. für Erweite-
rungs- und Neubauten auf den Staatsbahnen. Am
29. April genehmigte die Zweite Kammer die Auf-
! besferung der Staatsbeamtengehälter in der höhe
! von 2487000 M. Jahreszulagen, bewilligte also
! der Regierung 187000 M. jährlich mehr, ass sie gc-
, fordert hatte. Ebenso erhöhte die Kammer die vorge-
! schlagene Aufbesserung der Lehrergehalte 2. Mai auf
! 891000 M. Am 17. Ätai bewilligte sie 1100000 M.
als erste Rate für den Neubau eines National-
^ museums, dann 18. Mai das Gesetz über Ausführung
- des Krankenvcrficherungsgesetzes und 23. Mai wurde
^ der Finanzetat in Einnahme und Ausgabe auf
! 306292271 M. festgesetzt, worauf 28. Mai beide
Kammern verabschiedet wurden.
Bei der 19. Okt. im Kreise Kehlheim vorgenom-
menen Rcichstagscrsatzwahl zeigte sich die erste Spal-
tung der bayr. Ultramonwnen, indem der Cen-
trumskandidat Rauchenecker nur mit sehr geringer
Mehrheit (4218 Stimmen gegen 4094) über Dr. Sigl,
den Redacteur des ultramontanen "Bayr. Vater-
land", siegte.
Die von der Reichsregierung in Aussicht genom-
menen Handelsverträge entfesselten in ganz Deutsch-
land eine mächtige Bewegung der Landwirte. Schon
10. Febr. 1893 hatte das "Landwirtschaftliche Kränz-
chen von Unterfranken und Aschaffenburg" Stellung
genommen gegen einen Handelsvertrag mit Nuß-
land; 16. Febr. tagte in Markt-Heidenfeld in Nnter-
franken eine sehr große Bauernversammlung, welche
die Gründung eines Fränkischen Vauernbundes be-
! schloß; 10. April sprach sich eine Versammlung der
Landwirte Nicderbayerns in Straubing für Bildung
eines niederbayr. Vauernbundes aus,der sich an keine
der bestehenden polit. Parteien anzuschließen habe.
! Die Vauernbewegung floß in V. mit der Agita-
! tion für die Ncichstagswahl (15. Juni) zusammen
! und erwies einen immer entschiedenem Charakter der
! Opposition gegen die Centrumspartei; es wurden in
< B.gewählt:30MitgliederdesCentrums,8National-
! liberale, 3 Socialdemokraten, 4 Vauernbündler und
! je 1 Freisinniger, Konservativer und Demokrat. Am