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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Belfort - Belgien
Acetylcngas hat trotz seiner hohen Leuchtkraft
noch keine allgemeine Anwendung finden können,
besonders seiner hohen Kosten wegen. (Näheres s.
Acetylen.)
Nach Wedding betragen bei Berliner Preisen die
Kostender wichtigsten modernen Bcleuchtungsarten:
Beleuchtungsarten
j Kosten pro Stunde
! für 16 Normal-
> lerzen in Pf.
Petroleumlampe.........
Üeuchtgas im Argandbrenncr . . .
Gasglühlicht...........
Spiritusglühlicht.........
Elektrisches Glühlicht.......
Elektrisches Bogenlicht......
Acetylengas im Negcnerativbrenner
2,0
2,5
0,5-0,7
1,2-2,5
3,0
0,5
5,0
Rechtliches. In Deutschland sind Gasberei-
tungs- und Gasbewahrungsanstalten gewerbekonzes-
sionspflichtig (Reichsgewerbeordn. ß. 16), nicht da-
gegen Beleuchtungseinrichtungen, in Österreich da-
gegen letztere (z. B. Ausführung von Gasrohrleitun-
gen), aber nicht erstere. Die Konzession ist hier an
einen Befähigungsnachweis gebunden (Ministerial-
verordnung vom 17. Sept. 1883). (Über das Recht-
liche elektrischer Anlagen s. Elektrotechnik.) - Vgl.
Zeitschrift für Veleuchtungswesen (Berl. 1895 fg.).
über die natürliche B. s. Tageslicht.
'"Belfort, Stadt, hat (1891)17 949, als Ge-
meinde 25455 E.
* Belgien. Die Bevölkerung betrug 31. Dez.
1895: 6 410 783 E. (3789617Vlä'men und 2621160
Wallonen), d. i. 218 auf 1 ykin, sowie eine Zu-
nahme von 1,i Proz. pro Jahr seit 1890. Auf die
einzelnen Provinzen entfielen 1894:
Provinzen Einwohner! Provinzen ^Einwohner
Antwerpen . .
757 241
Lüttich .
Brabant . . .
. 1172 201
Limburg .
Westflandern .
764 879
Luxemburg
Ostflandern . .
981 459
Namur
Hennegau . .
. 1032 434

798 638
229 184
213 773
342 689
Die natürliche Bewegung der Bevölkerung zeigt
folgende Ziffern: Geburten (ohne die 8572 Tot-
geburten) fanden 1894: 181466 statt, Todesfälle
118213, Eheschließungen 47 735. 8,99 Proz. der
Geburten sind außerehelich. Ein- und Auswande-
rung sind unbedeutend. 1890,1892 und 1893 über-
wog letztere um einige Hundert, 1891 und 1894 war
erstere um 1747 und 6333 stärker. Besonders wich-
tig für die Kennzeichnung des Mischcharakters des
belg. Volks sind die Ziffern der Sprachverhältnisse.
1890 sprachen nur französisch 2485072, nur vlämisch
2 744271, nur deutsch 58590. Französisch und vlä-
misch sprachen 700997. Nach Berufen gliedert sich
das Volk folgendermaßen:
Berufe
Männlich
Weiblich
Zu-sammen
Bergbau und Metallindustrie . Industrien pflanzlicher Rohstoffe Industrien tierischer Rohstoffe. Gemischte Industrien..... Handel........... Freie Berufe und Beamte . . Verschiedene Beschäftigungen .
277 997 226 818 38 806 282 881 215 559 505 847 509 261
15 266 35 442 13 415 190 878 111532 153 440 362 246
293 263 262 260 52 221 473 759 327 0^1 659 287 871 507
Zusammen Ohne Beruf oder unbestimmt .
2 057 l,69 1 151093
882 219 2 199 592
2 939 388 3 350 685
Insgesamt j3 208 26^3 081 "1l j6^90 0?3
Erwcrbszweige. 67,34 Proz. des Bodens stehen
unter Anbau, 16,6 Proz. sind Wald. Etwa 275 000 da
tragen Weizen und zwar (1893) Winterweizen 23,89 dl
pro Hektar, Sommerweizen 20,32 lil; Hafer tragen
250000113. und zwar (1893) 29,2? kl pro Hektar,
Roggen 277 000 da (24,3? Kl pro Hektar), ferner
Zuckerrüben, Kartoffeln (200000 lik), Bohnen.
Erbsen u. s. w. Auch Tabak wird gewonnen. Dic
landwirtschaftlichen Betriebe sind sehr zersplittert,
594 000 Güter hatten weniger als 1 ka, 226000
zwischen 1 und 5 Im, 74283 zwischen 5 und 20 lia,
12190 zwischen 20 und 50 ka und 3400 über 50 ka.
Die überwiegende Ackerstäche wird von Pächtern
bewirtschaftet. Sehr bedeutend ist die Viehzucht,
eine Zählung fehlt hier seit 1880. - Steinbrüche
sind 1598 vorhanden mit (1894) 28977 Arbeitern.
Von den 223 Kohlengruben wurden 122 bearbeitet
von einer Belegschaft von 117103 Köpfen, darunter
1618 Frauen und 5940 Knaben, die unter Tage
arbeiteten. Gefördert wurden 1880: 16,89 Mill. t,
1892: 19,5 Mill. und 1894: 20,5 Mill. t im Werte
von 191,3 Mill. Frs. Die Eisenwerke verarbeiteten
außer den eigenen Erzen (311000 t) importiertes
Eisen (1894: 1,68 Mill. t) und lieferten 1894
818597 t Roheisen, 453290 t bearbeitetes Eisen,
405661 t Stahlblöcke und 341318 t Stahlräder
u. s. w. Wichtig werden neuerdings die Zucker-
fabriken; 1894 lieferten 124 Betriebe 202 Mill. K3
Rohzucker. Die Textilindustrie in Flandern und die
mit dem Bergbau namentlich im Hennegau verbun-
denen Zweige der Metall- und Glasindustrie haben
weitere Fortschritte gemacht. Der Handel hat seit
1890 keine Steigerung erfahren. Es betrug die Ein-
fuhr 1892: 1536, 1894: 1574, die Ausfuhr 1369
und 1303, die Durchfuhr 1274 und 1120 Mill. Frs.
Wie sich die Verhältnisse nach dem neuerdings ein-
geführten Schutzzolltarif gestalten werden, ist noch
nicht abzusehen. Die Einfuhr zur See und die über
die Landesgrenzen ist ungefähr gleich groß. Von
den wichtigsten Verkehrsländern (1894) sind zu
nennen:
Frankreich . . .
Deutschland. . .
Großbritannien .
Niederlande . .
Vereinigte Staa-
ten .....
Rußland . . . .
Argentinien. . .
Britisch-Indien .
Ein-
Aus-
fuhr
fuhr
Mill.
Frs.
282
236
185
294
178
236
174
155
126
42
105
22
90
14
76
16
Verkehrs-
länder
Ein-
fuhr
Aus-
fuhr
Mill. Frs.
Rumänien
Schweden u.Nor-
wegen .
Brasilien
Peru . .
Italien .
Australien
Spanien .
Schweiz .
69
12
or-
47
14
43
11
33
1
24
23
17
4
16
23
5
28
Was die wichtigsten Waren anlangt, so stehen
auch jetzt Cerealien mit 258 Mill. Frs. in der
Einfuhr an weitaus erster Stelle, es folgen Roh-
materialien für die Textilindustrie mit 141 Mill.,
Chemikalien, Holz u. s. w., während in der Ausfuhr
Garne, Leinen- und Wollwaren mit 88 Mill., Kohlen
und Koks mit 76 Mill., Maschinen und Wagen mit
68 Mill. Frs. obenan stehen.
Die Handelsflotte zählte 1. Jan. 1895: 5 Segler
und 50 Dampfer mit zusammen 79189 t. An frem-
den Schiffen ltefen 1894 ein 7727 mit 6,51 Mill. t.
Unterricht, Verfassung, Finanzen. Die vier Uni
versitaten zählten 1893/94:3912 Studenten: die In-
genieur-Fachschulen wurden von 961, die Kunstschule
in Antwerpen von 1321, die Musikkonservatorien
von 13630 Schülern besucht. Einen überblick über
die vom Staat oder von Gemeinden erhaltenen Ele-
mentar- und Mittelschulen giebt folgende Tabelle: