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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fluidumblau - Flußverunreinigung
drei Hauptarten von Maschinen unterscheiden kann,
die den freien Flug durch die Luft auf dynamischem
Wege anstreben. Die erste Gruppe umfaßt die
Drachenflieger im weitesten Sinne, welche alle die
tragende Wirkung des entgegenströmenden Windes
auf ebene oder besser gewölbte Flächen nach dem
Princip der bekannten Papierdrachen benutzen. Zu
diesen gehören aus neuerer Zeit vor allem die Appa-
rate für "persönlichen Kunstflug" von Lilienthal,
die große Maximsche Flugmaschine, die Aerodrome
von Kreß in Wien und Langley in Amerika u. s. w.
Die zweite Art, die sich denken läßt, sind die Ruder-
oder Schwingenfliegcr, welche den Ruderflug der
Vögel nachzuahmen trachten; doch ist es aus diesem
Gebiete, wegen der großen Konstruktionsschwierig-
keiten nur wenig zu praktischen, über Berechnung
und Theorie hinausgehenden Arbeiten gekommen.
Allerdings repräsentieren die letzten Versuche Lilien-
thals eine Verbindung der ersten und zweiten Art
(s. weiter unten). Eine dritte Gruppe endlich stellen
diejenigen Flugmaschinen dar, welche rotierende
Tragstächen verwenden; in erster Linie und am ge-
wöhnlichsten Schrauben, aber auch Räder u. s. w.
.Hier sind zunächst die Arbeiten und Versuche von
Wellner in Vrünn zu nennen, der Eegelräder
mit horizontalen Längsachsen und einer Art von
eigentümlicher Excenteranordnung mit kompensie-
render Wirkung benutzt.
Besonderes Interesse und berechtigte Würdigung
haben in den letzten Jahren außer der durch ihre
imposanten Größenverhältnisse und das sehr gün-
stige Verhältnis zwischen Maschinengewicht und er-
zielter Kraftwirkung hervorragenden Maximschen
Maschine vor allem die Flugversuche von Lilienthal
(s. d.) in Berlin gefunden. Lilienthal ging zuerst
von sehr einfach konstruierten, kleinen Flügeln von
Holz und Segeltuch aus, mittels derer er sich erst
mit der Einwirkung des Windes, insbesondere bei
stoßweisem Auftreten, vertraut machte. Er stellte
durch sehr scharfsinnige Untersuchungen an Vögeln
und Apparaten sowie auf praktischem Wege sest,
daß die parabolische Flügelkrümmung die günstigste
Form darstelle, was von eminenter Wichtigkeit für
alle spätern Arbeiten wurde, und ging bald zu Ab-
flügen von erhöhten Stellen aus (Bergen, dann
meist von einem eigens dazu hergestellten künstlichen
Hügel in der Nähe seines Wohnsitzes bei Berlin)
und zwar mit derZeit zu Flügen von 2-300m Länge
über, immer langsam und mit Vorsicht vorgehend. Er
erreichte diese günstigen Resultate durch Ausbildung
einer persönlichen Geschicklichkeit in der Benutzung
der stets in ihrer Intensität veränderlichen Wind-
stöße, wie er überhaupt das Fliegen als eine Art
subjektiven Könnens, eine Kunst, betrieb; dann aber
durch Übereinanderstellung von zwei Flügelpaaren,
bessere Konstruktion der Rippen und Flächen und
zahlreiche, fortwährende Verbesserungen. Im letzten
Jahre vor seinem Tode stellte er, um zu freiem und
dauerndem Fluge zu gelangen, seine Flugapparate
mit kleinen, jedoch sehr krustigen Explosionsmotoren
her, welche den willkürlichen Niederdruck der Flügel
und damit, unter dauernder Mitbenutzung des Win-
des, den "Ruderflug" ermöglichen sollten. Zu bemer-
ken ist, daß die Katastrophe, infolge deren er sein
Leben einbüßte, sich nicht etwa bei einem besonders
kühnen, neuartigen Versuche ereignete, sondern bei
einem der gewöhnlichen Schwebeflüge, wie er deren
zu taufenden ausgeführt hatte. Die Ursache des
Sturzes ist nicht ermittelt.
Fluidumblau, vegetabilisch-elektrisches,
s. Elektrohomöopathische Sternmittcl im Artikel
Geheimmittel.
Fluocimönt, Fluosilikäte, s. Fluate
* Flußverunreinigung. Im Interesse der An-
wohner eines Flusses ist es erforderlich, daß das
Wasser möglichst klar und geruchlos ist, daß es auch
an heißen Sommertagcn nicht in Fäulnis gerät,
und daß Fische darin leben können. Dies ist be-
sonders wichtig bei den Abwässern aus industriellen
Etablissements, welche zum Teil giftige Stoffe, wie
Arsen, führen. So wurde von Reichardt festgestellt,
daß der trockne Schlamm eines Baches, da wo
Enten, die den Schlamm aufgewühlt hatten, ge-
storben waren, 0,013 Proz. Arfcn enthielt. Rind-
vieh war gefallen nach dem Genusse von Wasser
eines Teiches, dessen Schlamm 0,014 Proz. Arsen
enthielt. (5. Weigelt hat Versuche mit verschiedenen
Körpern angestellt, um Grenzwerte festzustellen, in
welcher Konzentration giftige Stoffe von Fifchen
vertragen werden. Eine große Forelle, welche zwei
Stunden in ein Wasser von 9", welches 0,i F arse-
nigc Säure auf 11 enthielt, gelassen und dann in
fliehendes Wasser gebracht wurde, blieb gesund;
kleine Forellen, welche vier Stunden bei 16° Wasser-
temperatur in Wasser mit einem Gehalt von 0,i F
arsenigsauren Natriums auf 11 gebracht wurden,
atmeten sehr rasch und wurden matt, so daß dies
etwa die Grenze ist. Bei 0,05 F Quecksilberchlorid
in 11 Wasser von 9" 0. legte sich eine große Forelle
nach 29 Minuten auf den Rücken, in frisches Wasser
gebracht blieb sie in dieser Lage und war nach 54 Mi-
nuten tot. Bei einem Gehalt an gelbem Blut-
laugensalz von 1 F auf 11 Wasser traten nach einer
Stunde keine Symptome auf. So ist für mehrere
chem. Körper festgestellt worden, bei welcher Kon-
zentration sie der Fischzucht schädlich werden. Allein
nicht nur Gifte schädigen die Fischzucht; wenn der
Gehalt an gelösten organischen Stoffen zu hoch
wird, so ist das Wasser für die Fische ebenfalls ge-
fährlich. Es sinkt dann die Menge des Sauerstoffs
im Wasser, welcher zur Oxydation der organischen
Stosse dient. Dieses Verhältnis ist so konstant, daß
eine Methode ausgearbeitet worden ist, nach welcher
der Grad der Verunreinigung eines Wassers durch
organische Stoffe aus der Abnahme des SÄuerftosi-
gehaltes bestimmt wird. Wie verderblich ein Wasser,
welches durch einen zu hohen Gehalt an organischen
Stoffen verunreinigt ist, Fifchen und höhern Pflan-
zen wird, zeigt die Seine. Oberhalb von Paris
enthält die Seine im Liter 9,32 ccm gelösten Sauer-
stoff, noch in der Stadt beim Pont d'Asniörcs 5,3^,
dagegen unterhalb der Kloakeneinmündung bei
Epinay nur 1,05 eciu. Oberhalb der Kloakenein-
mündung tummeln sich zahlrcicke Fische in dem
Flusse und am Rande wachsen höhere Pflanzenarten.
Bei Clichy ergießt sich dann in die Seine ein be-
trächtlicher Strom schwarzen Wassers, der gewöhn-
lich die Hälfte der Breite der Seine einnimmt. Ein
grauer Schlamm bedeckt dort das Flußbett, derselbe
ist der Sitz beständiger Gärung. In dieser Gegend
hört das Leben von Fischen und höhern Pflanzen
auf; Fifche, welche in diesen Schlamm geraten, ster-
ben sofort. Von den organischen Bestandteilen sind
nicht nur die Schwimm- und suspendierten Stoffe
gefährlich, mindestens ebenso schädlich wirken die
gelösten organischen Stosse.
Sobald ein Fluß durch Zufuhren von Abwässern,
welche reichlich organische Stoffe enthalten, ver-