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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Galvanotropismus - Gärung
Quecksilber (oder auch amalgamiertes Platiu), über-
schüttet mit einer dickflüssigen Paste aus schwefel-
saurem Quccksilberorydul ilnd gesättigter Zinksulfat-
lösung, als negative 10prozentiges Zinkamalgam,
zwischen beiden Elektroden in Ilförmigem Gefäß ge-
sättigte Zinksulfatlösung mit überschüssigen Krystal-
len. Seine elektromotorische Kraft beträgt bei 15" 0.
1,434 neue legale Volt (s. Elektrische Einheiten) und
nimmt zwischen 10 und 25" für 1° 0. Tcmperatur-
zunahme im Mittel um 0,00110 Volt ab. Die
Physikalisch-Technische Neichsanstalt übernimmt die
Prüfung und Beglaubigung des Wertes der elektro-
motorischen Kraft von Normal - Clarkelementen.
Ganz entsprechend gebaut ist das Wcstonsche Nor-
malelement mit einer elektromotorischen Kraft ^
1,025 Volt, das Kadmium an Stelle des Zinks ent-
hält und den Vorzug einer viel geringern Ab-
hängigkeit seiner elektromotorischen Kraft von der
Temperatur besitzt.
Bei den Trockenelementen ist die elektro-
lytische Flüssigkeit durch einen halbfesten Körper er-
setzt. In der Negcl werden Kohle und Zink als Elek-
troden benutzt; in vielen Füllen dient die Zinkclet-
trode zugleich als Gefäß. Der Elektrolyt wird ent-
weder mit Gallerte gemischt oder einem porösen
Körper zugesetzt, so daß ein praktisch trockncr Körper
entsteht. Die Trockenelemente sind in ihren größern
Formen (etwa 15-20 "n hoch) vorzüglich für clck-
trifche Kaustelegraphen, in den kleinern Formen be-
sonders für elektrische Messungen geeignet.
Galvanotropismus, in der Physiologie die
Erscheinung, bei der freibewegliche Organismen
durch ihre Bewegungen in besonderer Weise auf den
galvanischen Strom reagieren. Die Larven von
Fröschen und die Embryonen von Fischen stellen
sich in den Gefäßen, in denen sie sich befinden, mit
der Längsachse in der Nichtung der Kurve des durch-
geführten Stroms ein. Die meisten Wimperinfu-
sorien sind kathodisch-galvanotropisch', sie stellen sich,
wenn man einen konstanten Strom durch die Flüssig-
keit, in der sie sich befinden, hindurchgehen läßt, im
Moment der Schließung mit den: vordern Körperpol
nach der Kathode ein und schwimmen auf dieselbe zu.
Amöben kriechen gleichfalls, sobald nur der Strom
geschlossen ist, auf die Kathode zu. Dreht man den
Strom, so daß die Anode dahin kommt, wo vorher
die Kathode war, so machen die Tiere sofort in ent-
sprechender Richtung kehrt. Die Geißclinfusorien
sind hingegen anodisch-galvanotropisch. Setzt man
Wimper- und Geißelinfusorien in dichtem Gewirr
zusammen der Einwirkung des Stroms aus, so son-
dern sich beide Tiergruppen sofort und die Wimper-
insusorien sammeln sich an der Kathode, die Geißcl-
infusoricn an der Anode. In der Mitte bleibt die
Flüssigkeit, in der sich die Wesen befinden, frei und
deiderlei Arten sind scharf gesondert. Durch fort-
währendes Wechseln des Stroms veranlaßt man
ein interessantes und zierliches Schauspiel. Auch
Pflanzen stehen unter dem Einfluß des konstanten
Stroms; manche Pflanzen krümmen unter diesem
Einfluß ihre Wurzelspitzen nach der Kathode hin,
sind also gleichfalls kathodisch-galvanotropisch.
Gammacismus (von dem griech. Buchstaben
Gamma), s. Stammeln.
Gangkofen (Ganghofen), Markt im Bezirks-
amt Eggenselden des bayr.Neg.-Bez. Niedcrbayern,
an der Bina und der Linie Plattling-Nosenheim der
Vayr. Staatsbahnen, hat (1895) 1191 kath. E., Post-
erpedition, Telegraph, kath. Kirche, ein Schloß;
Drainröhrenfabrikation, Getreide- und Flachsbau.
G. war ehemals eine Kommende des Deutschen
Ordens. ftung.
Garantieversicherung, s. Kautionsversicke-
^Garaschanin, Ilija. Sein Sohn, Milutin
G., wurde 1894 Gesandter in Paris; im Juli 1895
wurde er zum Präsidenten der Skupschtina gewählt.
Garcia Tasfara, Gabriel, span. Dichter, geb.
1817 in Sevilla, wendete sich nach Abschluß semer
Studien nach Madrid, schloß sich der Partei der
Moderados an, redigierte verschiedene Zeitungen,
war 1865 Gesandter in den Vereinigten Staaten
und starb 1875. Seine lyrischen Gedichte ("?0^-
81^8", Madr. 1872) verbinden mit der romantischen
Richtung den rhetorischen Hang der Sevillaner
Schule. - Vgl. Ooi-onH poetica, sn konor äe d. ^1V
(Sevilla 1878).
Gartethaibahn, geplante Kleinbahn (19 Kni)
von Göttingen nach Kerstlingerode, für die das er-
forderliche Kapital von 772000 M. gesichert ist.
Gärtner, August, Hygieiniker, geb. 18. April
1848 zu Ochtrup in Westfalen, war Schüler des
Friedrich-Wilhelms-Instituts in Berlin, wurde
Militärarzt, bielt sich als Marinearzt längere Zeit
in Ostasien und Südamerika auf, wurde 1884 als
.Hilfsarbeiter zum kaiserl. Gesundheitsamt abkom-
mandiert, 1886 außerord. Professor für Hygieine in
Jena, 1887 zum ord. Professor und Direktor des
Hygieinischen Instituts daselbst ernannt. Er ver-
öffentlichte in der von Neumeyer herausgegebenen
"Anleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen aus
Reisen') das Kapitel "Heilkunde" (Berl. 1888), "Die
chem. und
des Wassers" (mit Tiemann, Braunschw. 1889),
"Leitfaden der Hygieine" (ebd. 1892), den Abschnitt
über Verhütung der Übertragung und Verbreitung
ansteckender Krankheiten (in" dem "Handbuch der
speciellen Therapie innerer Krankheiten" von Pen-
zoldt und Stintzing, Jena 1894) sowie zahlreiche
Abhandlungen in Fachzeitschriften, wie über die
Fleischvergiftung in Frankenbausen (in den "Korre-
spondcnzblättern des allgemeinen ärztlichen Vereins
von Thüringen", 1888), über die Erblichkeit der
Tuberkulose (in der "Zeitschrift für Hygieine und
Infektionskrankheiten", 1893), über Methoden, die
Möglichkeit der Infektion eines Wassers zu beurtei-
leu (in der "Festschrift" zur Stiftungsfeier des hun-
dertjährigen Bestehens des mediz.-chirurg. Friedrich-
Wilhelms-Instituts, Verl. 1895) u. s. w.
^Gärung. Die G. ist eine physiol. Thätigkeit
des lebenden Organismus im Gegensatz zu der rein
chem. Fermentwirkung (s. Fermente). Ein weiterer
bedeutsamer Unterschied der G. von der Ferment-
thätigkeit liegt in der viel größern dabei geleisteten
chem. Arbeit; beider alkoholischen Vergärung des
Zuckers z. V. geht folgende Änderung in der Lage
der Atome vor sich:
Oll. 011 - 0II0H - 0II0II - OH0H - 0H0II - 0H0
Traubenzucker
zerfällt in
OH3.(^oil ^ OH.-0H20II und
Alkohol Alkohol
(N2 -l- 002
Kohlensäure Kohlensäure.
Schon aus dieser schematischen Darstellung, in
welcher der Entstehung kleiner Mengen komplizier-
terer Nebengruppen gar nicht gedacht ist, geht die
Größe der durch die G. geleisteten Arbeit deutlich
hervor; kaum eine der in den Gärprodukten vor-