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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Geffroy - Gegenreformation
*Geffroy, Mathieu Auguste, starb 17. Aug.
2895 M Paris.
"'Geflügelzucht. Nach den Veröffentlichungen
des preuß. Statistifchen Bureaus stellte sich die
Ein- und Ausfuhr von Geflügelzuchtsprodukten im
deutschen Zollvereinsgebiet in den letzten 10 Jahren
vor bis einschließlich 1894 wie folgt (wobei zu be-
merken ist, daß sich unter dem Geflügel ^Federvieh^
eine Anzahl Wildenten, Fasanen und wohl auch
Rebhühner und anderes Wild und exotische Vögel
befindet, welche aber nur in geringem Verhältnis
zur gesamten Ein- und Ausfuhr steht) in Tonnen
zu 1000 ^3:
Jahr
Lebendes Geflügel
Nicht lebendes Geflügel
Eier und Eigelb
Vett-federn, rohe
Bettfedern, gereinigte

ZZ


N


" "-> 3^
^.^
ZZ
N
1885 1890 1894
7 342 18521 23415
324 300
287
2682
132
23 656 54072 79 609
209? 323
720
3878 6160 5886
439 791 833
689 1139 894
809 900 1019
Hieraus ergiebt sich eine stete Steigerung der sehr
bedeutenden Einfuhr, eine stetige Abnahme der
ohnehin geringen Ausfuhr; nur beim Handel mit
Bettfedern sind Ein- und Ausfuhr gestiegen. Diese
Verhältnisse zeigen nicht nur Zunahme des Ver-
braucbs an, sondern auch Rückgang, wenigstens
Stillstand des landwirtschaftlichen Geflügelzuchts-
betriebes, der sehr wohl bei rationeller Ausbeutung
den Eierbedarf vollständig, den Fleischbedarf zum
großen Teil decken, also einen großen Teil der sehr
hohen Geldbeträge verdienen könnte, welche dem
Auslande zustießen. Dieselben betrugen 1894, die
Ausfuhr von der Einfuhr abgerechnet, für leben-
des Geflügel 16,8 Mill. M., für Eier 07,8 Mill. M.
Seitdem ist die Einfuhr noch bedeutend gestiegen
ohne nennenswerte Änderung der Ausfuhr. Erstere
betrug 1895 an lebendem Geflügel 25 449, an Eiern
83 565 t, also gegen das Vorjahr mehr 2034 und
3956 t.
Die Herkunft der Einfuhr des 1.1894 stellt sich
für Geflügel und Eier wie folgt (in Tonnen>:
Länder
Lebendes ,^t
Belgien.....
Bulgarien . . .
Dänemark....
Frankreich . . .
Großbritannien .
Italien.....
Niederlande . . .
Österreich-Ungarn
Rumänien . . .
Rußland ....
Schweiz ....
Serbien ....
Türkei.....
,! -
163
2649
373
6 210
14008
97
26
37
177
10
5
Eier und
Eigelb
85
56
46
150
5
4 250
1003
43 234
964
29 435
297
50
19
An der Einfuhr von Vettfedern sind hauptsächlich
beteiligt: Österreich-Ungarn (gereinigte 813 t, rohe
2540 t), Rußland (rohe 845 y und China (rohe
1566 t). Die Hauptabnehmer gereinigter Bettfedern
sind die Schweiz mit 284 t und Großbritannien
mit 190 t. 1895 betrug die Einfuhr von Vettfedern
nach Deutschland roh 7238, gereinigt 1024, die Aus-
fuhr ebendaher 985 und 1258 t.
Gegenbewegung, ungerade Bewegung,
in der Musik diejenige harmonische Bewegung, bei
der mehrere gleichzeitig erklingende Stimmen nach
entgegengesetzten Richtungen, die eine nach oben,
die andere nach unten, fortschreiten. Außer der G.
giebt es noch zwei Arten der harmonischen Be-
wegung: die Parallelbewegung (gerade Be-
wegung), bei der die Stimmen sich in gleicher Rich-
tung bewegen (steigen oder fallen), und die Seiten-
bewegung, bei der die eins Stimme ihre Stufe
beibehält, während die andere steigt oder fällt.
* Gegenreformation. Nicht allein der Pro-
testantismus, sondern auch der röm. Katholicismus,
wie er sich heute darstellt, verdanken dem Zeitalter
der Reformation ihre Entstehung. Der damit be-
zeichnete Einfluß beschränkt sich nicht auf einzelnes,
etwa lediglich gewisse Rücksichten, die man bei der
Formulierung von Glaubenssätzen dem neu aufge-
richteten biblischen Princip gegenüber auf dem
Tridentinischen Konzil zu nehmen gezwungen war,
oder auf Besserung des sittlichen Zustandes, es
handelt sich vielmehr dabei um eine tiefgreifende
Veränderung seines Wesens, die den damaligen
Katholicismus unter dem Druck des Gegensatzes
der prot. Neubildung ergriffen und durchdrungen
hat. Diese Umwandlung hat ihre ersten Wurzeln
in Spanien geschlagen, wo sich im Laufe des 15. und
in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrh, eine um-
fassende Reformation des Kirchenwesens vollzog.
Die mit der Vereinigung der Königreiche Aragonien
und Castilien eintretende Blütezeit des geistigen
Lebens sollte auch dem kirchlichen zu gute kommen.
Die dogmatischen und die biblischen Studien wurden
eifrig betrieben und erhielten ihren MiNelvuM in
der großartigen Schöpfung des Kardinals Nmenes,
der Universität Alcalä. Da aber die kritische Me-
thode, wie man sie von den Humanisten hätte
lernen können, auf das theol. Gebiet keine Anwen-
dung fand, fo war das Ergebnis nur eine neue
Scholastik, zu der sich alsbald auf dem religiös
fruchtbaren Boden eine Mystik gesellte, deren Eigen-
tümlichkeit in einer maßlosen Demut oder genauer
einer Wegwcrfung der eigenen Persönlichkeit be-
stand, einem psychologisch erklärlichen Gegenstück zu
dem bekannten span. .Hochmut. Die sich so voll-
ziehende kirchliche Reformation war nun keineswegs
eine ultramontane, d. h. sie war nicht darauf aus,
die pä'pstl. Allgewalt in der Kirche zu stärken
oder gar als die allein berechtigte anzusehen und
zu erweisen; hat man doch in Spanien die An-
sprüche der Römischen Kurie dem Staate gegenüber,
sogar wo es sich um Stellen handelte wie die des
Vorsitzenden und der Beisitzer des Inquisitions-
tribunals, die von Rom aus als zweifellos kirchliche
behauptet wurden, auf das entschiedenste zurückge-
wiesen und dem Papst lediglich eine Bestätigung,
keine freie Wahl oder Ernennung zugestanden. Wenn
nun damals Spanien, durch die kath. Reformation
allerdings klerikal, aber noch nicht ultramontan ge-
worden war, so blieb es einer spätern Zeit vorbe-
halten, das letztere zu verwirklichen. Der Mann,
der dies durchgeführt hat, warIgnatius von Toyota
(s. d., Bd. 11). Die Entstehung der G. läßt sich zwar
so an der Entwicklung der kirchlichen Strömung in
Spanien verfolgen, aber um die Frage zu beant-
worten, wie diese Strömung zu einer allgemeinen
im Bereiche des röm. Katholicismus geworden ist
und maßgebenden Einfluß auf die Dinge in ganz
Europa bis auf den heutigen Tag gewonnen hat,
ist es erforderlich, die verbindenden Fäden mit der
gleichzeitigen kirchlichen Entwicklung in Rom und
Italien aufzusuchen.