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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Gegensegler; Geheimmittel

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Gegensegler - Geheimmittel

Im 3. und 4. Jahrzehnt des 16. Jahrh. fanden mehrfache Versuche der Besserung des Kirchenwesens und der Vertiefung des religiösen Lebens in Italien statt, die teils der gleichzeitigen deutschen Reformation ihren direkten Anstoß verdankten, teils aus der selbsterkannten Vesserungsbedürftigkeit des kath. Kirchentums innerhalb der ihm angehörenden und in ihm verbliebenen Kreise hervorgingen. Zu einem durchgreifenden Resultat hatten weder die einen noch die andern geführt, als 1538 Loyola mit wenigen Gefährten in Rom eintraf, um sich dort zu jeder Arbeit im Dienst der kath. Kirche dem Papste Paul III. zur Verfügung zu stellen. Angesichts der Bewegung der Geister und des Fehlschlagens aller Reformversuche schien damals nur eine zwiefache Möglichkeit sich aufzuthun: entweder erkennt Rom die Forderungen einer freiern religiösen Entwicklung, wie der Protestantismus und der Humanismus sie erstreben, an und giebt damit die mittelalterliche Prätension absoluter Glaubensgewalt preis, oder es wendet sich zu der Strenge der alten Orden zurück, verzichtet auf alles, was Bildung, geistiges Leben, allgemeine Litteratur u. dgl. bieten, und läßt die Errungenschaften der Renaissancezeit und jeden Einfluß auf die geistige Bewegung und die "Welt" fahren. Loyola nun hat gezeigt, daß es noch einen dritten Weg gebe, auf dem es möglich werde, das eine und das andere zu halten. Bei den Höherstehenden soll angefangen werden, um in ihnen das religiöse Interesse zu kräftigen und zu disciplinieren; langsam weiter schreitend soll dann der ganze Körper, Klerus und Laien, wieder kirchlich gehorsam gemacht, nichts soll aufgegeben, sondern nur soll klug nachgegeben werden, bis man der eigenen Kirchengenossen wieder sicher ist: dann mag der Kampf beginnen und bis zur Vernichtung des Gegners geführt werden. Was sich bei der span. Nation als geeignet erwiesen, um sie klerikal zu machen, das will er nun den übrigen, zunächst der italienischen, in Fleisch und Blut eingehen lassen, damit ein Gleiches erzielt und dann auch hier die Ultramontanisierung vorgenommen werde. Als Mittel dienen vor allem: scharfe Durchführung der Inquisition und des Index, ausgedehnte und wirkungsvolle Predigtthätigkeit, häufige Beichte und Kommunion, umfassendes Lehr- und Erziehungswirken, endlich die maßgebende Mitwirkung auf dem Tridentinischen Konzil zur Aufstellung der wichtigsten Glaubenslehren in unbedingt ultramontaner Form.

Loyola hat das Werkzeug in seiner Hand, den Orden der Jesuiten, meisterhaft zubereitet. Er hat ihn bewahrt vor Einseitigkeiten, wie jenen oft übertriebenen ascetischen Formen, woran die übrigen Orden sich abmühten und alle Kräfte verzehrten; er hat ihm eine relative Freiheit im Verkehr mit der "Welt" gestattet und damit diejenige Fähigkeit der Anpassung erhalten, die wohl in erster Reihe das Geheimnis seines an so vielen Stellen durchgreifenden Erfolges birgt. So gestaltet sich denn thatsächlich die Geschichte der Bekämpfung des Protestantismus in fast allen Ländern Europas zu einer solchen, bei der die jesuitischen, zuerst dem röm. Katholicismus eingeimpften Principien stets auf der Seite des Angriffs stehen. Loyola ist in der Peterskirche in Rom und auf dem eigenen Grabe abgebildet, wie er die Ketzerei zertritt; diese Bestimmtheit unversöhnlichen und unnachgiebigen Gegensatzes gegenüber allem, was Protestantismus und moderne Entwicklung vertreten, hat er auch dem röm. Katholicismus in der G. auf die Dauer eingepflanzt. - Vgl. außer der bei den Artikeln: Loyola, Gegenreformation und Jesuiten angegebenen Litteratur noch: Gothein, Ignatius von Loyola und die G. (Halle 1895).

Gegensegler nennt der Seemann jedes Schiff (einerlei ob Segelschiff oder Dampfer), das sich seinem eigenen Schiffe mit entgegengesetztem Kurse nähert, wodurch Gefahr des Zusammenstoßens entstehen kann. (S. Straßenrecht auf See, Bd. 15.)

Geheimmittel. * Die gesetzliche Regelung des Geheimmittelwesens hat während der letzten Jahre insofern Fortschritte gemacht, als in den meisten deutschen Bundesstaaten gleichmäßige Polizeivorschriften bezüglich der Ankündigung von G. erlassen worden sind, dahin lautend, daß die öffentliche Ankündigung von G., welche dazu bestimmt sind, zur Verhütung oder Heilung menschlicher Krankheiten zu dienen, bei Geldstrafe bis zu 150 M. oder Haftstrafe bis zu 6 Wochen verboten ist. Eine allgemein geltende Erklärung des Begriffes G. wurde bisher nicht gegeben, doch lauten die bisher veröffentlichten behördlichen Bescheide und Gerichtserkenntnisse dahin, daß man unter G. solche Arzneizubereitungen zu verstehen hat, deren Zusammensetzung und Zubereitung dem Publikum in gemeinverständlicher Weise nicht bekannt gegeben wurden. Danach würde also die von vielen Fabrikanten beliebte Wiedergabe der Bestandteile in Form eines dem Laien unverständlichen, lateinisch abgefaßten Rezeptes den Charakter des Mittels als G. nicht beeinträchtigen.

Die infolge der Bestrebungen zur Verfolgung und Unterdrückung des Geheimmittelhandels von staatlichen, städtischen und privaten Laboratorien veröffentlichten Analysen von G. haben eine große Zahl erreicht. In Folgendem sind die Bestandteile der in Deutschland gebräuchlichsten in den letzten Jahren untersuchten G. wiedergegeben:

Alpenkräuterpulver, Schweizer, von Krüsi in Appenzell, gegen Unterleibskrankheiten, Schlaganfälle u. s. w. empfohlen, eine Mischung aus gerbstoffhaltigen Pflanzenteilen, Eisenoxyd, Zucker und weinsaurem Natrium; ohne die angepriesene Heilwirkung; Preis 3 M., Wert höchstens 1 M.

Anal von E. Blumenthal in Magdeburg, als Schutz gegen Hämorrhoiden, Wundlaufen u. s. w. empfohlen, besteht aus mit parfümiertem Rindstalg getränkten Wattebäuschchen, deren Wert und Wirksamkeit sehr gering ist.

Antidysentericum von Dr. Schwarz, ein Mittel gegen Brechdurchfall und Diarrhöe, enthält in jeder Schachtel 36 Pillen, welche bestehen sollen aus 1 g Pelletierin, 7,5 g ind. Myrobalanen, 1,5 g Granatwurzelrindenextrakt, 1,5 g Rosenblätterextrakt und 0,75 g Gummiarabikum. Mit Vorsicht brauchen, da giftig. Preis 2 M., Wert 50 Pf.

Antihydroticon von Lewinsohn, ein Fußschweißmittel, besteht aus 50 Proz. Eisenchloridlösung, 30 Proz. Glycerin, Alkohol und indifferenten Ölen. Das Mittel wirkt ätzend und ist zu verwerfen.

Antimigränedemelinne, von einem Apotheker in Maastricht hergestellt, besteht aus 6 etwa 1,5 g schweren Pulvern, die aus 2 Teilen Caffein, 4 Teilen Antipyrin und 4 Teilen Zucker zusammengesetzt sind; Preis pro Schachtel 1 1/4 Fl. holländisch, Wert etwa 1 M. Giftig.

Asthmaräucherpulver von O. Fischer, besteht aus den Blättern des Stechapfels und den Blüten der Schafgarbe, welche mit einer Lösung von Salpeter getränkt worden sind; Preis 2 M. 50 Pf., Wert 50 Pf.

Augenmittel von S. Fischer in Grub (Schweiz), zur Heilung von grauem und schwarzem Star: 1) Augentropfen, bestehen aus einer 2 1/2 prozentigen Alaunlösung; Preis 1 M. 5.0 Pf., Wert 20 Pf. 2) Augenpulver, gebrannter gepulverter Alaun; Preis 1 M. 20 Pf., Wert 5 Pf. 3) Pulver zum Einnehmen, ist eine Mischung von 96 Proz. Salpeter mit 4 Proz. Magnesia; Preis 1 M. 90 Pf., Wert 10 Pf. 4) 20 Pillen, die Aloe und Rhabarber enthalten: Preis 1 M., Wert 20 Pf.

Baffine, eine als Haarfärbemittel empfohlene 7,5prozentige Lösung von übermangansaurem Kalium, ohne besondere Anweisung, nutzlos.

Blutreinigungspulver von Schütze, enthält Kalium, Natrium, Magnesium, Kohlensäure, Schwefelsäure, Wein- ^[folgende Seite]