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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Koreanische Sprache und Litteratur
folgenden Lautes eine andere Aussprache annimmt:
r z. B. wird als Anlaut einer Silbe n, als Auslaut
oder vor einem Konsonanten I gesprochen, und nur
zwischen zwei Vokalen bleibt es r; 8 erhält sich nur
im Anlaut, als Auslaut wird es t oder (vor m) n
gesprochen u. s. w. Dieser 8ll.nälii in Verbindung
mit einem starken lautlichen Verfall, der einen Teil
der alten Auslautkonsonanten nur im Anlaut der
Suffixe hat erhalten bleiben lassen, hat denn auch
das Äuslautwesen erheblich umgestaltet. Die korea-
nische Silbe, die stets mit einem einfachen Laute be-
ginnt, kann offen oder geschlossen sein; aber wäh-
rend sie im letzten Falle jetzt nur noch auf k, t, p,
nF, n, iu, 1, lic und Ip ausgehen kann, standen ihr
früher noch 8 und, wie es scheint, k, rk, nii, t8 <?),
p3 (?) und die Aspiraten zu Gebote, und für 1 trat
überall i- ein. Nicht minder haben jene beiden Strö-
mungen in der Flexion ihre Wirkung geäußert. Diese
ist zwar auch jetzt noch durchsichtig genug: wie in
allen agglutinierenden Sprachen wird dieselbe Funk-
tion auch überall durch dasselbe Suffix ausgedrückt.
Allein der Anlaut dieser Suffixe und der Auslaut
der Wortstämme haben unter jenen Einflüssen der-
artige Veränderungen erlitten, daß eine bunte, oft
fast regellos erscheinende Vielgestaltigkeit, und zwar
beim Nomen so gut wie heim Verbum entstanden ist.
Was die Flexion betrifft, so ist das Nomen (das
meistens zweisilbig ist) gut entwickelt. Man unter-
scheidet folgende Casus für Singular und Plural: den
Nominativ, Genitiv, Dativ, Accusativ, Vocativ,
Ablativ, Locativ, Instrumentalis und Oppositiv
iz. B. 8Äi^m-0n "in Bezug auf den Mcnfchen", 8a-
i-äm-töl-ÖQ "in Vezug auf die Menschen"), die übri-
gens, wenn keine Zweideutigkeit möglich ist, zum
Teil auch durch den nackten Stamm ausgedrückt
werden können, und fünf Deklinationen. Ihre Unter-
schiede beruhen auf den schon erwähnten lautlichen
Veränderungen. Grammatisches Geschlecht ist nicht
vorhanden; das natürliche wird durch Präfixierung
der Worte für "Männchen" und "Weibchen" aus-
gedrückt, wo nicht specielle Ausdrücke vorhanden
sind. Ebenso wie das Substantivum wird das Pro-
nomen flektiert. Im Gegensatz zum Japanischen be-
sitzt das Koreanische persönliche Pronomina, und
zwar sind beim Pronomen der ersten Person Sin-
gular und Plural sogar aus verschiedenen Stämmen
gebildet; doch werden sie in höflicher Rede immer
durch Respektsformen umschrieben. Dagegen teilt
es mit dem Japanischen und vielen andern agglu-
tinierenden Sprachen den Mangel eines Relativpro-
nomens; dafür treten wie dort Participialkonstruk-
nouen ein, z. V. noi a-nän 8aimn "der Mensch, den
du kennst" (wörtlich "du kennend Mensch", "der
Mensch deines Kennens"). Ahnlich wie im Japa-
nischen ist auch im Koreanischen das Adjcktivum ein
Übergangsglied vom Nomen zum Verbum, oder
vielmehr, es ist eigentlich ein Verdnin neati-nin.
Denn wie es, als Prädikat gebraucht, konjugiert
wird (z. B. i-täip k'ö-tn. "das Haus ist groß", i-tZii)
I^'ö^öit-t^ "das Haus wird groß werden"), so hat
es auch als Attribut die Form des Particips (k'ü-n
täiz) "ein großes ^eigentlich groß-seiendes^ Haus")
und kann in beiden Fällen die Höflichkeits- und Ne-
gativformcn des Zeitworts annehmen. Als Attribut
ist es unveränderlich, weil jedes Attribut mit seinem
Nomen ein Kompositum bildet, von dem natürlich
nicht bloß das letzte Glied die Suffixe erhält, wie
denn auch koordinierte Wörter so aufgefahi und be-
handelt werden. Die Komparation wird nicht am
Adjektivum, sondern am Objekt der Vergleichung
ausgedrückt, indem man dieses in den Ablativ setzt
oder ihm das Suffix p0-t6in "im Vergleich mit"
giebt. Das Zahlensystem ist decimal, umfaßt aber
nur die Zahlen von 1 bis 90; die übrigen sind dem
Chinesifchen entlehnt. Die Zahlen werden gern
durch sog. Numeralwörter, wie "Stück", "Kopf" u. dgl.,
unterstützt.
Das korean. Verbum ist wie in vielen andern
agglutinierenden Sprachen im Grunde ein Nomen,
das ein Sichereignen ausdrückt; daher besitzt es genau
genommen nur ein Activum und es fehlt ihm die
Personenbezeichnung. Das Grundschema seiner
Flexion ist einfach. Aus der (meist einsilbigen)
Wurzel, die mit dem allgemeinen Kennzeichen der
verbalen Ausfage, dem Suffixe w, versehen, selbst
als Verbalform (Infinitiv, vormals Aorist) fungiert,
werden durch die Anfügung dreier Tempusfuffixe
die Gerundien (d. h. die Formen des den Haupt-
wörtern koordinierten Verbi) des Präfens, Präteri-
tums und Futurums gebildet. Diefe werden durch
das angehängte ta (wobei die ursprünglichen Aus-
laute der Tcmpussuffixe wieder zum Vorschein kom-
men) zu den entsprechenden drei Haupttempora; ein
viertes, das Futurum exactum, entsteht durch die
Verbindung des Präterita!- und Futursuffixes ta.
Die Nebentempora werden durch ein Suffix töni
(tawni ?) erzeugt, das, direkt an die Wurzel gefügt,
das Imperfekt, mit dem Gerundium des Präteritums,
Futurums und Futurum exactums je das Plusquam-
perfekt, den Conditionalis des Präfens und den des
Präteritums bildet. Durch Anhängung anderer
Suffixe an die Gerundien des Präsens und Prä-
teriums, resp. an die Wurzel, entstehen die Parti-
cipien des Präsens, Präteritums und Futurums.
Als einzigen ursprünglichen Modus besitzt das Korea-
nische den Imperativ. - Dieses einfache Schema
wird nun schon durch die erwähnte Veränderlichkeit
der Auslaute und Suffixe bedeutend variiert; indem
aber teils durch Stammkomposition, teils durch
Suffixbildungen Verda. N60688itativ3,, kaetitiva,
(luditHtiva, n6F3.tiv3. u. s. w. erzeugt und nament-
lich, indem aus allen diesen wieder durch Suffigie-
rung und Infigierung Höflichkeitsformen gebildet
werden, wird der ursprünglich enge Rahmen der-
artig erweitert, daß eine schier unübersehbare Masse
von Verbalformen entsteht. Da der Redende bei
der Wahl des Ausdrucks zu beachten hat, in welchem
Rangverhältnis er zu dem Angeredeten und zu
dem steht, von dem er redet, und ob er ehrerbietig,
gleichgültig oder verächtlich u. dgl. spricht, so sind
theoretisch mindestens 27 Formen für dieselbe Aus-
sage möglich (eine Zahl, die von keiner andern der
ostasiat. Höflichkeitsprachen erreicht wird). In allen
! Stufen seiner Rede aber (und das ist ein wesentlicher
Zug im Charakterbild des Koreanischen) ist es un-
gemein reich an chines. Lehnwörtern, die einem alter-
tümlichen Dialekte Nordchinas entstammen. Von
Grammatiken und Wörterbüchern des Koreanischen
! sind unter andern zu nennen: "(-i-Ninina.ii'6 coi-eenno.
I'ür 168 iui88i0nua.ir68 äs lüoreö" (Iokohama 1881);
Underwood, "Introäuction t0 tue Koi-saii ^oken
I^ÄNFIIHF6" (ebd. 1890); "DietioiinHii'6 C01'66!1-
krHN93,i8. I>ar 1<33 Ini88i0NNkil-63 äs <^01'66" (ebd.
i 1880); Undcrwood und Gale, "Koi-LÄQ-NiiFii^
and Nn^iisli-Xoi'ean viction^-^" sebd. 1830).
Die korean. Schrift ist eine Buchstabenschrift,
die nach mehrern Ansätzen, aus der chines. Schrift
eine Silbenschrift (ni-äo) zu entwickeln, im 15. Jahrh.
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.