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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kreuzbühl - Kreuzer
rend die andere Hälfte für öffentliche Arbeiten auf
der Insel zu verwenden wäre. Die Nichtbeachtung
dieser Bestimmungen durch die Türkei führte zu
wiederholten Aufständen der christl. Kretenser, deren
Lage sich noch verschlimmerte, nachdem 1889 die
Bestimmungen des Vertrags von Halepa durch
eine vom Sultan octroyierte Verfassung ersetzt
waren, welche die selbständige Stellung der Insel
verringerte. So kam es zu einer immer wachsenden
Gärung, die nach blutigen Ausschreitungen, die
sich türk. Truppen 28. Mai 1896 zu Schulden kom-
men ließen, zu einem offenen Ausstande eines großen
Teils der Insel führte. Die Folge davon war die
energische Einmischung der europ. Mächte, die durch
ihre Gesandten bei der Pforte Vorstellungen machen
ließen, und diese veranlaßten, das Dekret von 1889
durch ein neues von Ende Juni 1896 abzuschaffen und
die Wiedereinführung des Vertrags von Halepa nebst
dem Nechte einer Modifikation desselben zu Gunsten
der Insurgenten zu versprechen. Sodann wurde der
Fürst von Samo^, Georg Verowitsch, ein europäisch
gebildeter Christ griech. Nationalität, zum Gencral-
gouverneur ernannt, doch war inzwischen der Fana-
tismus sowohl aus christl. wie auf mohammed. Seite
fortwährend gewachsen, und es war namentlich in
den Bezirken Kanea und Netimo zu den greuel-
vollsten Kämpfen und Metzeleien gekommen. Der
Vorschlag Österreichs, durch eine von den Groß-
mächten zu veranstaltende Blockade zunächst die Ruhe !
wieder herzustellen, dann aber die Türkei zu Refor- ^
men zu veranlassen, wurde durch die Weigerung
Englands vereitelt. Die Sendung von zwei türk. z
^pecialkommissaren erwies sich als erfolglos, da!
die Deputierten sich weigerten, mit ihnen zu ver-
handeln. Nun erbat endlich die Pforte die Inter- !
vention der Großmächte. Eine in Konstantinopel I
zusammengetretene Votschasterkonferenz formulierte !
die Vorschläge zur Neuregelung der staatsrechtlichen !
Verhältnisse K.s, worauf sich der Sultan endlich j
veranlaßt sah, durch einen Irade den Kretensern !
eine Art Autonomie zu gewähren. Dieser Irade, z
der von den kretischen Abgeordneten 3. Sept. ange- ^
nommen wurde, brachte der Insel die Nuhe wieder, !
bevor aber noch die Reformen in Kraft treten könn- >
ten, begannen die Feindseligkeiten zwischen Moham- !
medanern und Christen im Febr. 1897 von neuem, l
wozu ebenso sehr die unaufhörlichen Agitationen !
der geheimen griech. Komitees beitrugen, wie der
Widerstand der türk. Behörden gegen alle Neuerun-
gen. Schon im Januar kam es namentlich im Westen
der Insel, wo die christl. Bevölkerung der moham- ^
medanischen besonders überlegen ist, zu Feindselig- !
keiten, und zahlreiche mohammed. Flüchtlinge sam- !
melten sich in den Städten Kanea, Netimo und
^andia. Erbitterte Strasienkämpfe fanden statt, in !
denen die Christen unterlagen, und nun flammte '
der Aufstand auf der ganzen Insel auf. Vollstän- !
dige Anarchie trat ein, nachdem der Generalgouver-
neur Verowitsch Pascha 14. Febr. sein Amt nieder-
gelegt und die Insel verlassen hatte. Das kretische
Nevolutionskomitee proklamierte den Anschluß K.s z
an Griechenland, und 15. Febr. landete bei Platania, >
eine Stunde westlich von Kanea, ein griech. Occu- i
pationskorps von etwa 2000 Mann unter dem
Obersten Wassos, der im Namen des Königs von
Griechenland von der Insel Besitz ergriff. An dem-
selben Tage besetzte jedoch auch mit Zustimmung
der türk. Behörden ein gemischtes Detachement der
Großmächte, die vor K. eine Flotte versammelt
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.
hatten, Kanea, die Hauptstadt der Insel, während
die Gesandten gleichzeitig in Athen gegen das völ-
kerrechtswidrige Verfahren Griechenlands Protest
erhoben. Inzwischen nahm der Aufstand überall an
Ausdehnung zu, die Insurgenten organisierten sich
in mehrern gut bewaffneten Banden und drängten
die Mohammedaner in die Städte zurück. Als sie
aber trotz der Warnung der Geschwaderchefs zum
Angriff auf Kanea schritten, bombardierten diese
21. Febr. das Lager der Aufständischen. Auch an
andern Orten mußten die Truppen der Großmächte
zum Schutze der Mohammedaner einschreiten, so in
Kandia, Retimo, Sitia und Hierapetra, besonders
aber in Kandano, wohin 9. März von Selino aus
ein gemischtes Expeditionskorps von 500 Mann auf-
brach, um etwa 3000 von den Christen eingeschlossene
Mohammedaner zu befreien, was auch ohne Blut"
vergießen gelang. Inzwischen hatten sich die Groß-
mächte dahin geeinigt, der Insel unter der Oberherr-
schaft des Sultans völlige Autonomie unter einem
christl. Herrscher zu gewähren, und 2. März dahin-
gehende gleichlautende Noten in Athen und Kon-
stantinopel überreichen lassen, worin gleichzeitig die
Zurückziehung der griech. Truppen und Flotte ge-
fordert wurde. Die Pforte erklärte sich, um wenig-
stens den Schein ihrer Oberhoheit zu retten, zur
Gewährung der Autonomie bereit, die 18. März
von den Admiralen der vereinigten Geschwader
proklamiert wurde, dagegen weigerte sich Griechen-
land , seine Truppen "aus K. zurückzuziehen und
beantragte, die Kreter in einer Volksabstimmung
selbst über ihr Schicksal entscheiden zu lassen. Die
Großmächte, die diese Antwort als eine Ablehnung
ansahen, verhängten nun Blockade über K., die
21. März in Kraft trat.
Kreuzbühl, Hügel, s. Aulendorf.
^Kreuzer. Da man überall die hohe Wichtig-
keit des Krcuzerkrieges erkannt hat, so suchen sich
die Seemächte im Bau tüchtiger K. zu überbieten.
Die allgemeinen Anforderungen, die man an einen
modernen K. stellt, sind etwa folgende: große Ge-
fchwindigkeit, also sehr starke Dampfmaschine, um
überraschend auftreten und sich Ort und Zeit des An-
griffs wählen zu können. Da die K. sehr viel allein
und lange Zeit auf hoher See fein müssen, so bedürfen
sie viel Platz für Kohlen, Lebensmittel und Munition.
Die Mehrzahl der Geschütze hat mittleres und leichtes
Kaliber, damit die Bewaffnung kein zu großes Ge-
wicht erhält. Je mehr Schnellfeuergeschütze und
Maschinenkanonen, desto besser für den Gefechtswert
des K. Auch Torpedorohre werden eingebaut, den
neuesten amerikanischen K. bis zu 7 Nohren, 2 an
jeder Seite, 2 achtern, 1 vorn. Um die K. nicht zu
schwer zu machen, können nur die empfindlichsten
Teile durch Panzerdeck und Kosferdämme geschützt
werden. Nur die sog. Panzerkreuzers, d.) werden
mit einem, meist kleinen Gürtelpanzcr versehen.
Unter dem Namen geschützte K. versteht man die
mit einem Panzerdeck, aber ohne Gürtelpanzer ge-
bauten stählernen K. Je nach der Größe werden sie
in drei Klassen geteilt. Bei den sog. Torpedo-
kreuzern ist die Hauptwaffe der Torpedo. Hilfs-
kreuzersind Schnelldampfer der Handelsflotten, die
durch Staatsprämienzahlung für den Kreuzerkrieg
schon zu Friedenszeiten vorbereitet sind. Fliegende
Geschwader von K. werden schon im Frieden
im Kolonialdienst und zum Schutze des Scehandels
gebraucht. Die jüngste Schule der Seestrategen in
Frankreich vertritt mit guten Gründen die Ansicht,