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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Mahedia - Mähren
mation den M. als Beherrscher von Kordofan an und hob das Verbot des Sklavenhandels auf. Im Juni fiel Berber, und damit war ihm die Verbindung mit Ägypten abgeschnitten. Im August schloß der M. Chartum ein. Am 15. Jan. 1885 ergab sich das Fort Omderman, 26. Jan. wurde die Stadt selbst erstürmt und vollständig zerstört, Gordon selbst und die ganze Besatzung niedergemacht. Die Avantgarde eines unter General Wolseley heranrückenden Ersatzheers brachte zwar den Mahdisten einige Schlappen bei, aber die unter Wilson nilaufwärts fahrenden Dampfer fanden die Stadt schon zerstört und mußten umkehren. Nun ließen sich die Mahdisten in Omderman, das die Hauptstadt des neuen Reichs wurde, nieder. Aber schon 28. Juni 1885 starb der M. an den Blattern. Um als Regenerator der Religion zu gelten, hatte er die vier Sekten der Mohammedaner in einer Lehre vereinigt, einige Neuerungen bei Verrichtung der Gebete eingeführt und die Pilgerfahrt nach Mekka verboten. Er verbot den Genuß aller geistigen Getränke und des Tabaks sowie Tanz und Spiel und reduzierte die bei Heiraten übliche Morgengabe. Seine Erfolge verdankte er, nächst dem religiösen Fanatismus, vor allem der Habsucht und Raubgier der Sudanesen. Obwohl er seinen Anhängern fortwährend Enthaltsamkeit predigte, hatte er sich selbst längst im geheimen dem üppigsten Wohlleben hingegeben.
Ihm folgte der schon bei Lebzeiten von ihm eingesetzte Chalifa Abdullahi. Seine Feldherren beseitigten durch Eroberung von Sennar und Kassala die letzten Reste der ägypt. Herrschaft im Sudan. Im Jan. 1888 fiel Abu Anaa in Abessinien ein, schlug den Ras Adal bei Debra Sin und zerstörte die Hauptstadt Gondar. Gleichzeitig wurde Jussuf, der Sultan von Darfur, ein Abkömmling des alten Königshauses, der von dem M. als Vasall in seine Rechte wieder eingesetzt war, seitdem aber durch Selbständigkeitsgelüste unbequem zu werden anfing, bei Fascher entscheidend geschlagen und sein Land aufs neue unterworfen. Nun aber zog Kaiser Johannes von Abessinien selbst gegen die Mahdisten, und diese wurden 9. März 1889 bei Gallabat geschlagen, aber der Kaiser selbst fiel in der Schlacht. Sogleich erhoben sich auch die Darfurer unter Abu Djimesa wieder mit Erfolg. Als dieser aber bald darauf starb, wurde der Aufstand schnell unterdrückt. Um seine Stellung in Omderman zu verstärken, lieh der Chalif den ganzen Stamm der Taascha, dem er selbst angehörte, dorthin kommen, und diese benahmen sich sogleich als die unumschränkten Herren des ganzen Bandes. Anfang Mai 1889 schickte der Chalif seinen Feldherrn Abo er-Rahman woled en-Negumi von Dongola zu einem Vorstoß gegen Ägypten; bald darauf wurde sein Heer von den Engländern unter General Grenfell bei Toski vernichtet. Im selben Jahre brach eine Hungersnot im Mahdistenreiche aus und forderte zahlreiche Opfer. Gleichzeitig aber gelang es einem Unterfeldherrn des Chalifen, sich in der inzwischen von Emin Pascha geräumten Äquatorialprovinz festzusetzen; doch begnügte man sich zunächst mit einer Station in Redjaf, um von dort aus Raubzüge zur Gewinnung von Sklaven und Elfenbein zu unternehmen. Um aber die Verbindung dieser Gebiete mit Kordofan herzustellen, muhten die Schilluk- und Dinkaneger unterworfen werden. Das besorgte Seki Tamel von Gallabat aus. Inzwischen hatte der Chalif durch seine grausame Willkürherrschaft alle Sympathien seiner Unterthanen verloren. Es kam daher zu einer Verschwörung unter den Söhnen und Verwandten des M. Nachdem der Chalif ihre Absichten durch Verrat erfahren hatte, ließ er sie in ihren Wohnungen einschließen und bewog sie durch das Versprechen der Verzeihung zur Übergabe; dann aber schickte er sie nach Faschoda und lieh sie dort grausam hinrichten. Ein neuer Feind erstand den Mahdisten in den von Massaua aus vordringenden Italienern. Im Nov. 1893 stieß einer der mahdistischen Feldherren auf einem Raubzuge gegen die östl. Araberstämme bei Agordat auf ital. Truppen und wurde vollständig geschlagen. Diese nutzten ihren Sieg gehörig aus, und wenige Monate darauf fiel Kassala in ihre Hände. Der Sieg König Menileks bei Adua (s. d.) 1. März 1896 hat allerdings die den Mahdisten von Osten drohende Gefahr zunächst beseitigt. Nun aber rückte unter General Kitchener ein engl.-ägypt. Heer gegen den Sudan vor, das 7. Juni bei Firkeh den Mahdisten eine erste empfindliche Niederlage beibrachte und 19. Sept. nach kurzem Gefecht El-Hasir, den letzten mahdistischen Posten vor Dongola, nahm, worauf die Mahdisten Dongola räumten, das die Engländer sofort besetzten. Daß Kitchener Pascha hier nicht Halt machen, sondern weiter nach Süden gegen Chartum vorrücken wird, unterliegt wohl keinem Zweifel. Gleichzeitig wird, wie verlautet, auch von Seiten des Kongostaates von Westen her eine Expedition geplant, und diesen vereinten Angriffen wird das nach Slatin Paschas Beobachtungen innerlich längst völlig zerrüttete Reich schwerlich widerstehen können.
Litteratur. R. Slatin Pascha, Feuer und Schwert im Sudan (8. Aufl., Lpz. 1896); Borelly TTTTT 26 janvier 1885. TTTTT 1887 (Par. 1893); H. Nützet, Der Mahdiaufstand im Sudan und die daraus hervorgegangenen Münzen (Berl. 1891); Vita Hassan und E. M. Varuck, Die Wahrheit über Emin Pascha, die ägypt. Äquatorialprovinz und den Sudan (deutsch, ebd. 1893).
Mahedĭa (Mahdia, d. i. Stadt des Mahdi, so genannt nach ihrem Erbauer Obeïd Allah im J. 912), Stadt an der Ostküste von Tunis, auf einer vorspringenden Halbinsel, mit etwa 6000 E., die sich aus Maltesern, Italienern und Franzosen zusammensetzen und von Ausfuhrhandel und Fischfang leben.
*Mähren. Von der Bevölkerung gehörten 1890: 1138 791 Personen (50,02 Proz.) der Land- und Forstwirtschaft, 752268 (33,04 Proz.) dem Bergbau und der Industrie, 155902 (6,84 Proz.) dem Handel und Verkehr, 229 909 (10,i Proz.) dem öffentlichen Dienst und Militär, den freien Berufen an oder waren Berufslose. Die Zahl der Geburten betrug 1895: 89176, davon 2107 Totgeborene, der Eheschließungen 18787, der StcrbeMe 62075. Infolge der Neubildung (1896) der Bezirkshauptmannschaften Mährisch-Budwitz (s. d.) und Tischnowitz (s. d.) sind bei folgenden Bezirkshauptmannschaften Veränderungen eingetreten:
Bezirkshauptmannschaften qkm Häuser Wohnparteien Einw. 1890 Einw. auf 1 qkm
Brünn (Umgebung) 791,67 14793 24227 114165 144
Datschitz 810,64 8075 11047 50594 62
Mährisch-Budwitz 699,56 6908 9209 40368 57
Tischnowitz 436,20 4764 7037 33677 77
Znaim (Umgebung) 1029,57 13337 17543 71830 69