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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Mikultschütz - Milchsterilisation
gehalten wird. In einem gut differenzierten Prä-
parat zeigen sich dann die verschiedenen bistologi-
schen Elemente verschieden dnnkcl gefärbt und sind
so leicht voneinander zu trennen. Denselben Effekt
kann man übrigens bei manchen Farbstoffen gleick
von vornherein dadurch erzielen, daß man sehr dünne
Lösungen, diese aber für längere Zeit anwendet; die
Elemente reiften dann den Farbstoff in verschieden
starker Weise an sich und erscheinen je nachdem eben-
falls dunkler, heller oder gar nicht gefärbt. Eine
weitere wichtige Eigentümlichkeit der tierischen und
pflanzlichen Zellen und ihrer Bestandteile ist die,
daß sie zu verschiedenen Farbstofflösungen eine ver-
schieden starke Affinität zeigen; Elemente, die sich
mit dem einen Farbstoff sehr intensiv verbinden,
bleiben in einem andern ganz ungefärbt. Wodurch
dies bedingt wird, ist zur Zeit nock völlig dunkel;
gewisse Gesetze, die man früher bier zu erkennen
glaubte, haben sich auf die Dauer als unhaltbar er-
wiesen. Alle mikroskopischen Färbemethoden sind
heutzutage noch rein empirisch; immerhin aber ge-
statten sie bereits durch Auwendung einer bestimmten
Methode ganz bestimmte Elemente allein oder^fast
allein zur Darstellung zu bringen. Viele dieser Sub-
stanzen sind sogar erst durch gewisse Färbemetboden
als specifische Bildungen erkannt worden.
Die znr Zeit angewandten Farbstoffe sind sebr
verschieden. Als die zweifellos wichtigsten für die
normale Histologie der Tiere und Pflanzen müssen
noch heute die in früherer Zeit angewandten gelten:
das Karmin, durch Gerlach, den Entdecker der mikro-
skopischen Färbemethoden (vgl. Gerlach, Mikrosko-
pische Studien aus dem Gebiete der menschlichen
Morphologie, Erlangen 1858)^und das Hämatory-
lin, durch Boehmer in die Wissenschaft eingeführt.
Beide werden jetzt nach einer ganzen Anzahl ver-
schiedener Vorschriften angewandt; die mit ihnen
behandelten Präparate zeichnen sich, wenn sie sorg-
fältig angefertigt werden, durch fast nnbegrenzte
Haltbarkeit aus. Mit der Entdeckung und Dar-
stellung der zahlreichen Teerfarbstoffe wnrden natür-
lich auch diefe in der mikroskopischen Färbetechnik
benutzt. Es giebt fast zahllose Vorschriften über ihre
Anwendung; die damit erzielten Resultate reichen
jedoch, einzelne Ausnahmen abgerechnet, durchgängig
nicht an die mit den obengenannten Stoffen erziel-
ten heran, und so haben sie diese auch nicht aus der
histologischen Technik zu verdrängen vermocht. Un-
gemein wichtig sind die Anilinfarbstoffe dagegen für
die Bakterienfärbung, und hier berrschen sie denn
auch fast ausschließlich. Die zur Zeit gebräuchlich-
sten Anilinfarben sind Eosin, Fuchsin, Anilinblau,
Methylviolett, Methylenblau, Gentianaviolett, Me-
thylgrün u. a. Ein oft fühlbarer Nachteil der Ani-
linfärbungen ist indessen dor, daß die mit ihnen her-
gestellten Präparate mit derZeit vielfach ausbleichcn.
Den mikroskopischen Färbemethoden stehen in
ihrem Esfekt zur Seite die neuerdings mit sehr gro-
ßem Erfolg angewandten Metallimprägnatio-
nen. Werden tierische Gewebe mit Lösungen von
Gold, Silber oder Osmium durchtränkt, dann schla-
gen sich bei geeigneter Behandlung die betreffenden
Metalle in ganz bestimmten Gewebeelementen nieder
und machen diese vor ihrer Umgebung kenntlich.
Geradezu berühmt ist in dieser Hinsicht die zuerst von
Golgi angegebene, neuerdings noch verschiedentlich
verbesserte Chrom - Silber - Osmium - Methode, der
man ganz ungeahnte Ausschlüsse über die feinsten
Verzweigungen des Nerv ensv stein s verdankt.
Bei den bis jetzt besprochenen Färbemethoden
bandelte es sich hauptsächlich um die Behandlung
abgetöteter und konservierter Objekte; einzelne Farb-
stoffe werden indes auch schon bei Lebzeiten von ge-
wissen Zellen oder Bestandteilen des Organismus
anfgenommcn; hier ist vor allem zu nennen das
von Ehrlich eingeführte Methylenblau, welches, in
das Blut oder die Leibeshöhle von Tieren einge-
spritzt, nach einiger Zeit von den Nervenzellen und
ihren Fortsätzen aufgenommen wird und diese tief-
blau färbt. Auch dieser Methode (Ehrlichs vitale
Methylenblanfä'rbung) verdankt man wichtige Auf
schlüsse über den Bau der nervösen Apparate.
Gefärbte und ungefärbte Schnitte, wie überhaupt
Teile fixierter Objekte, kann man zu Dauerprä-
p a rate n verarbeiten. Man durchtränkt sie zu die-
fem Behufe mit allmählich erstarrenden Stoffen, z. B.
mit Glyceringelatine, Dammarharz, Canadabalsam
u. a. Namentlich die in dem letztern Medium ein-
geschlossenen Objekte zeichnen sich durch augenschein-
lich nnbegrenzte Haltbarkeit ans. - Vgl. Nägeli
nnd Schwendener, Das Mikroskop. Theorie und
Anwendung desselben (2. Aufl., Lpz. 1877); Fol,
Lehrbuch der vergleichenden mikroskopischen Ana
tonne (ebd. 1884); Frey, Das Mikroskop und die
M. T. (8. Aufl., ebd. 1886); Behrens, Kossel und
Schienerdecker, Das Mikroskop und die Methoden
der mikroskopischen Untersuchung (Braunschw. 1889);
Lehmann, Molekularphysik mit besonderer Berück-
sichtigung mikroskopischer Untersuchungen <Z Bde.,
Lpz. 1888-89); Hueppe, Die Methoden der Bat-
terienforsckung (5. Aufl., Wieso. 1891); Stöhr, Lehr-
buch der Histologie des Menschen (6. Aufl., Jena
1894); Kaiser, Die Technik des modernen Mikro-
skops (Wien 1890); Apäthy, Die Mikrotechnik der
tierischen Morphologie. Eine kritische Darstellung der
mikroskopischenUntersuchungsmethodcn(Braunfchw.
1896); Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie,
bg. von Behrens (Braunschweig).
Mikultschütz, Dorf im Kreis Tarnowitz des
preuß. Neg.-Vez. Oppeln, hat (1895) 4987 E., Post-
agentur, Fernsprechverbindung, kath. Kirche, Ritter-
gut; Kalksteinbrüche, Kalk- und Ziegelbrennerei.
Milchhöfer, Arthur, Archäolog, geb. 21. März
1852 zu Schirwindt in Ostpreußeu, studierte in
Berlin und München und ging 1876 als Stipendiat
des Archäologischen Instituts nach Griechenland
und Italien. 1880 nach Deutschland zurückgekehrt,
habilitierte er sich nach vorübergehender Thätigkeit
am Berliner Museum 1882 in Göttingen für Ar-
chäologie, wurde 1883 außerord. Professor an der
Akademie zu Münster, war 1886 und 1887 wieder
in Griechenland und wurde 1895 ord. Professor in
Kiel. Er veröffentlichte: "Über den Attischen Apollon"
(Dissertation, Münch. 1873), "Die antiken Kunst-
werke aus Sparta und Umgebung" (mit Dressel,
Athen 1878), "Die Museen Athens" (ebd. 1881),
"Die Befreinng des Prometheus" (Berliner Winckel-
mannsprogramm, 1882), "Die Anfänge der Kunst
in Griechenland" (Lpz. 1883), "Übersicht der Schrift-
quellen zur Topographie von Athen" (in E. Curtius'
"Stadtgeschichte von Athen", Berl. 1891), "Archäol.
Studien" (mit Körte und Furtwüngler, 1893), "Unter-
suchungen über die Demenordnung des Kleistheneo"
lBerl. 1892), "Das archäol. Skulpturenmuseum der
Universität Kiel" (1896) u. s. w.
Milchschleudern, s. Butter.
Milchsterilifation. Zahlreiche Beobachtungen
zwingen dazn, der Milch eine wichtige Nolle bei der