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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Nicaraguakanal - Nicodé
die Hälfte nach Deutschland. 1894 besasi N. 143 I<in
Eisenbahnen (Corinto-Momotompo und Managua-
Granada), 1895 wurde die 5 km lauge Linie Ehi-
nandega-El Viejo eröffnet; eine weitere Strecke von
287 km von San Ubaldo am Nicaraguafee nach
Rarna am Bluefields-River, die eiue interoceauische
Verkehrsstrasie quer durch N. herstellen soll, wurde
1895 begonnen, ebenso eine kürzere Abzweigung der
Bahn Managua-Granada von Masaya nach Di-
riamba. Telegraphenlinien gab es 1892: 2500 kiu,
Postämter 54. Für die Volksbildung sorgten 1894:
1020 Volksschulen mit 20000 Schülern, daneben
zwei höhere Schulen und eine Universität.
Die republikanische Staatsverfassung datiert in
ihrer gegenwärtigen Gestalt vom 4. Juli 1894. Der
einkammerige Kongreß besteht danach aus 40 Mit-
gliedern, die auf zwei Jahre gewählt werden. Die
Ämtsdauer des Präsidenten, dem vier Minister zur
Seite stehen (für Äußeres und Unterricht; Finanzen
und Handel; Inneres, Justiz, Krieg und Flotte;
offmüiche Arbeiten), ist vier Jahre. Die Armee be-
steht aus 2000 Mann Linie, 10 000 Mann Reserve
und 5000 Mann Nationalgarde. Die äußere Staats-
schuld betrug 1895: 1,9 Mill., die iunere 7 Mill.
Pesos; die Staatseinnahmen 1892: 1764037, die
Ausgaben 2 983 576 Pesos. Die üble Finanzlage,
die namentlich durch die langcu Vürgerkriegswirren
verursacht war, bat sich uuter dem Präsideuten Ze-
laya gebessert. Zu Verwaltungszwecken wird das
Staatsgebiet in 13 Departamentos eingeteilt, die
meist nach den Hauptorten benannt werden. (3s sind:
Chinandcga, Leon, Managua (mit der gleichnami-
gen Staatshauptstadt), Masaya, Granada, Rivas,
Earazo, Magatalpa, Chontales, Iinotega, Esteli,
Segovia, Zelaya (früher Mosquitorescrvation).
Von ueuesten geschichtlichen Ereignissen sind außer
der Verfassungsänderung von 1894, dem Uuious-
vertrage mit Honduras und Salvador 1895 (s. Cen-
tralamerika) und einem Handels- und Konsularver-
trage mit Deutschland 1896, uamentlick noch die Be-
setzung und Einverleibung der Mosquitoküste 1894
nebst den daraus erwachseuen Verwicklungen mit
Englaud und den Vereinigten Staaten hervorzu-
heben. Um einigen neuen Etcuergesetzcu auch in dem
Mosquitoterritorium Geltung zu verschaffen, sandte
N. im Febr. 1894 Truppen dorthin und setzte den
widerspenstigen Mosquitoköuig ab. Hierdurch fühl-
ten sich nicht bloß die dafelbst hauseudcu Neger, son-
dern auch die noroamerik. und engl. Kaufleute und
Vananenpflanzer in ihren Interessen verletzt, uud
bei deren wiederholt stattfindenden Kämpfen mit den
nicaraguauischen Truppen sah sich sowobl England
als auch die Nordamerikauiscbe Union mebrmals zur
Landuug von Marinemannschasten in Bluefields
veraulaßt. Schließlich gewann jedoch N. in dem
Mosquitotcrritorium die Oberhand und annektierte
es. England und die Vereinigten Staaten erkannten
die vollendete Thatsache zwar an, forderten aber
wegen Verletzung ihrer Unterthanen Genugthuung.
Währeud N. diese den Vereinigten Staaten ohne
weiteres leistete, weigerte es sich, die Schadenersatz-
ansprüche Englands auf 75 000 Pfd. St. für die
Gcfangenfetzung und Vertreibung des engl. Vice-
kousuls auzuerkennen, und England mußte sich die-
selbe im April 1895 erst durch eine Flottendemonstra-
tion sowie durch eine Besetzung des Hafens Eoriuto
erzwingen. Im Innern war die Partei der Kon-
servativen mit den Reformen des Präsidenten Zelaya
in keiner Weise zufrieden, und im 1.1896 sckritt die-
selbe zum Ausstände, nachdem sie sichderHauptwaffen-
vorräte bemächtigt hatte. - Vgl. Pector, ^wäs oco-
noinihN6 8UI- la. I^6pud1iHU6 6<3 5s. (Neuchatel 1893).
* Nicaraguakanal. Zur Verwirklichung des N.
ist seitens der ^icHi-a^ua (^iia.1 ^oiigti-notion (^0111-
pan^ Folgendes geschehen: Bei Greytown wurde
eine 305 in lange Mole aus kreosotierteu Kiefern-
pfählen und Faschinen mit Stcinbclastuug herge-
stellt, um das Fortschreiten der Versandung zu
hindern, und außerdem wurdeu Vaggerarbeiten vor-
genommen, besonders seit 1890, als man eine An-
zahl große Baggermaschinen von der Panamakanal-
Gesellschaft erworben hatte. In dem Hafen wurde
dadurch eiue Tiefe von 4,5 in erzielt, auf der Barre
aber wirkte die heftige Brandung den Arbeiten so
mächtig entgegen, daß man nicht im stände war, ein
dauerndes Fahrwasser von 3," m zu schaffen. Auf
dem Lande wurdenArbeitcrwohnuugen, Werkstätten,
Verwaltungsgebäude und Krankenhäuser errichtet,
eiu Urwalddurchhau gegen Ochoa gemacht, eine
18 km lauge Eiseubahn zu Materialientransport
sowie eine Telegraphenlinie hergestellt, und endlich
auch ein gegen 1 km langes Stück wirklichen Kanals
gegraben. An der pacififchen Seite wurde nur ein
14 km langer Urwalddurchhau bewirkt. 1893 aber
stellte man fämtliche Arbeiten nach Verausgabung
von etwa 4 Mill. Doll. ein, weil die erwartete
Regicruugs Hilfe ausblieb. Zu einer thätigen An-
teilnahme an der Ausführung hat der Senat zu
Wasbington sich erst 1894 bereit erklärt, indem er
70 Mill. Doll. zu diesem Zwecke bewilligte. Das
Repräsentantenhaus trat diesem Beschlusse aber
uicht bei, soudcrn forderte eine nochmalige Prüfung
des Planes fowie der bereits geschehenen Arbeiten
durch eine Regierungskommission, und diese Prüfuug
wurde 1895 durch W. Ludlow, U. T. Eudicott und
A. Noble an Ort und Stelle vorgenommen. Unter
dem Eindruck des Berichts dieser Kommission, der
sehr kritisch lautet, steht zur Zeit (1897) das ganze
Unternehmen, ja es wäre nicht uumöglich, daß seine
Ausführung in abfehbarer Zeit von neuem gänzlich
in Frage gestellt wäre. Der Bericht erklärt dasfelbe
zwar für thuulich und wünschenswert, zeigt aber zu-
gleich auch, daß die technischen Schwierigkeiten von
Ä. G. Meuocal und Geuossen bedeutend unterschätzt
worden sind, sowohl was die Hafenaulagen an den
beiden Meeren als auch wanden Ochoa- und Tola-
damm, die Fuudieruug der Schleufen, die Erd- und
Felsaushebungeu und die Einflüsse des Klimas an-
geht. Den ursprünglichen Kostenanschlag erhöht der
Bericht auf mindestens fein Dreifaches (133472893
Doll.). Von anderer Seite wird die Rentabilität
des Unternehmens in Frage gezogen, und während
die Nai'itim6 (^NÄi (^omMn^ den Tonneugehalt
der durchgeheuden Schiffe zu 7 Mill. annimmt,
balten namhafte Handelsstatistiker, wie I. Nimmo,
nur 1,6 Mill. für wahrscheinlich. Endlich setzt man
sich in polit. Kreisen auch keineswegs ganz allgemein
über die Bestimmungen des Elayton-Vulwer-Ver-
trags binweg, und den größern Teil der wirtschaft-
lichen Vorteile, die der N. den Vereinigten Staaten
zu gewähren vermochte, erhofft man auch vom
Pauamakaual, an dem die Arbeiten wieder aufge-
uommen worden sind. - Vgl. A. R. Colqhoun,
^k6 X67 0k t1i6 I^ciöe (Lon'd. 1895); N6p0i't of
tQs NicÄi'ÄZUH ^ÄiiÄi Noai-ä (Wash. 1896).
Nichtwissenseid, s. Glaubeuseid.
Nicods, Jean Louis, Komponist und Dirigent,
geb. 12. Aug. 1853 in Icrsitz bei Posen, siedelte