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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Norddeutsche Allgemeine Zeitung - Norwegen
Die schnell eingewuchertc russ. Distel hat den Acker-
bau an vielen Stellen unmöglich gemacht, man
schätzt den Schaden an der Ernte auf 2 Mill. Doll.
N. ist Prohibitionsstaat; der Verkauf geistiger Ge-
tränke ist verboten.
* Norddeutsche Allgemeine Zeitung. Chef
redacteur ist seit Okt. 1896 I)i'. Wilh. Lauser.
" Norddeutsche Bank. Die N. B. in Hamburg
hat laut Beschluß ihrer Generalversammlung vom
1.6. April 1895 ihr gesamtes Vermögen und ihre
Schulden sowie ihr Geschäft und ihre Firma seit
1. Jan. 1895 auf die Diskontogesellschaft (s. d.) in
Berlin übertragen. Die jetzige N. V. ist als Kom-
manditgesellschaft auf Aktien laut Statut vom
18. April 1895 mit einem ganz im Besitz der Diskonto-
gesellschaft befindlichen Aktienkapital, von 40 Mill. M.
und einer Einlage der persönlich hastenden Gesell-
schafter von 1,2 Mill. M. errichtet worden. Für je
9000 M. Nennbetrag der Aktien der N. B. wur-
den 6000 M. Kommanditanteile der Diskontogesell-
schaft oder eine Barzahlung von 140 Proz. gewährt.
Der Kurs für die Aktien der N. V. stellte sich aber
schon während der Umwandlung auf mehr als
150 Proz. Die persönlich hastenden Gesellschafter
oer jetzigen Kommanditgesellschaft sind: Geh. Kom-
merzienrat Adolph von Hansemann, Berlin; Max
Schinckel, Hamburg; Generalkonsul Emil Russell,
Berlin; Vaurat Alfred Lent, Berlin; Geh. See-
handlungsrat a. D. Alerander Schoeller, Berlin.
Dividende für 1895: 8 Proz.
"Norddeutscher Lloyd. Der N. L. betreibt
^1896) 21 Schiffahrtslinien. Die Flotte zählt
72 Dampfer, darunter 17 Schnell- und Doppcl-
schraubendampfer mit 191996 Pferdestärken uud
217222 Registertons Gehalt. Im Bau befinden
sich zwei Doppelschraubenschnelldampfcr von je etwa
180 in. Länge und 13000 Registertons Raumgehalt
für die Linie Bremen-Neuyork, welche alle bis-
her existierenden und zur Zeit im Bau begriffe-
nen Dampfer an Größe übertreffen, vier Doppel-
ichraubenpassagier-undFrachtdampfer von je 10500 t
Gehalt und zwei kleinere Schleppdampfer. Ein-
schließlich dieser Neubauten beziffert sich der Raum-
gehalt der Flotte auf etwa 302 000 Registertons.
1895 wurden befördert 148525 Pcrsonm; durch-
laufen wurde die Strecke von 2 700000 Seemeilen.
Für die Witwen und Waisen seiner Arbeiter und
Beamten sowie für Pcnfions- und Nnterstützungs-
zwecke für Seeleute und Beamte im Alter und im
Invaliditätsfall besteht eine Seemannskasse mit
einem Kapital von 2 Mill. M.
Nordenham, Bauerschaft und Hafenplatz im
oldenb. Amt Butjadingen, zur Gemeinde Attens
gehörig, in der Marsch, an der Weser und der Linie
Hude-N. (43 k,n) der Oldcnb. Eisenbahn, mit
Dampferverbindung nach Geestemünde, Bremer-
Hafen und Bremen, hat (1895) 1815 E., Post,
Telegraph, einen 1 Kni langen Pier am tiefen Fahr-
wasser (Anlegeplatz der transatlantischen Lloyo-
dampfer), einen bedeutenden Fischereihafen (feit
1896) der Hochfeesifchercigesellschaft "Nordsee", große
Petroleumtanks der Deutsch-Amerikanischen Pctro-
leumgescllschaft und der Petroleumraffincrie, vor-
mals Aug. Korff, bedeutende Einfuhr von Getreide,
Kohlen, Salpeter und Naphtha.
Nordhalben,MarttsteckenimVezirksamtTeusch-
nitz des bayr.Reg.-Bez. Oberfranken, an der Rodach,
im Thüringer Walde, Sitz eines Amtsgerichts (Land-
gericht Bamberg), hat (1895) 1657 E., darunter
70 Evangelische, Postexpeditton, Telegraph, kath.
Kirche; Schiefertafelfabrik und nahebei Sägewerke.
^Nordhaufen, Stadtkreis, hat (1895) 27536
(12969 männl., 14567 weibl.) E., darunter 25534
Evangelische, 1290 Katholiken, 213 andere Christen
und 489 Israeliten, ferner 2243 bewohnte Wohn-
häuser, 6283 Haushaltungen und 33 Anstalten.
Die Zahl der Geburten betrug 1895: 781, der Ehe
schließungen 207, der Sterbefälle (einschließlich Tot-
geburten) 561.
^Nordhausen-Erfurter Eisenbahn. Die
N. E. gehört seit 1. April 1895 zum Eisenbahn-
direktionsbezirk Erfurt.
Nordhaufen - Wernigeroder Eisenbahn-
gefellschaft, s. Harzbahnen.
Nordische Lloydbahn, s. Deutsch-Nordische
Lloydbahn. ^in Ludwigsburg.
5-Nördlinger, Herm. von, starb 19. Jan. 1897
^ Nordostfeekanal. Der Kanal heißt jetzt amt-
lich Kaiser-Wilhelm-Kanal (s. d.).
^Nordpolexpeditionen. Weitaus das wich-
tigste Ereignis ist die kühne Fahrt des Norwegers
Nansen (s.d.), der 1896 zur höchsten bis jetzt erreich-
ten Breite (86" 14') gelangte. Wichtig ist auch die Fest-
stellung der Inselnatur Grönlands durch Peary
(s. d.), der zweimal daselbst überwinterte und mehrere
allerdings mißglückte Vorstöße nach dem Pol machte,
worauf er erst 1895 wieder nach Neufundland zurück-
kehrte. Eine neue Expedition im Sommer 1896,
die zunächst nur den Zweck hatte, einen von ihm ent-
deckten Meteoriten, einen der größten bis jetzt gefun-
denen, zu holen, mißglückte, da die Hebevorrichtungen
versagten; doch hatten zwei zu verschiedenen Zwecken
ausgerüstete Peary begleitende Expeditionen bessern
Erfolg. Der Engländer Jackson erforschte (1894-
97) Franz-Josephs-Land, von wo er in einem
Vorstoß 81°2(Vnördl. Br. erreichte^ Der Norweger
Ekroll überwinterte 1895/96 in Spitzbergen, von
wo er Franz-Iosephs-Land und dann auf Schlitten-
booten, die er selbst erfand, den Pol zu erreichen
hoffte. Der Amerikaner Langtey übernahm von
der Regierung der Vereinigten Staaten 1896 die
Aufgabe, die jetzige Lage des magnetischen Nordpols
zu fuchen. Ganz eigenartig ist der Plan des Schwe-
den Andree, auf eiuem durch Nachschleppen eines
Taues einigermaßen lenkbar gemachten Luftballon
zum Pol und nach Nordamerika zu dringen. Nach-
dem widrige Winde den Aufstieg im Sommer 1896
verhindert hatten, wurde derfelbe von Andree mit
zwei Begleitern, Strindberg und Fränkel, von der
Däneninfel bei Spitzbergen 11. Juli 1897 unter-
nommen, über das Schicksal der Luftfchiffer war im
Okt. 1897 noch nichts Sicheres bekannt. Verschiedene
Nachforschungen über das Schicksal Vjörlings und
seiner Begleiter ergaben die Gewißheit ihres Unter-
gangs. - Vgl. Rühle, Geschichte der Nordpolfahr-
ten (Münch. 1896).
^ Normalarbeitstag, s. Arbeiterfrage (S. 57 a.).
Normalelemente, s. Galvanisches Element.
Normalwiderstände, s. Elektrische Einheiten.
Northropstühle, s. Weberei.
^Norwegen. Die Bevölkerung wird für 1896
auf 2050000 E. geschätzt. In der Fischerei wurden
1894 gefangen: 70 Miü. D orsche, 632 000 Kl Heringe,
3,9 Mill. Makrelen, 2,8 Mill. Langfische, 532000
Lachse, 640000 Hummern u. s. tv. in einem Gesamt-
wert von 22,9 Mill. Kronen. Die Industrie beschäf-
tigte 1890: 60000 Arbeiter, davon 14000 bei der
Verladung von Holzwaren, 8000 in der Tertil-,