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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Perier - Peru
meisten derselben, wie die Diatomeen, gelb gefärbte !
Chromatophoren enthalten, mit deren Hilfe sie auch
zu assimilieren vermögen.
Von den bisher beschriebenen Arten der P. sind
die Mehrzahl Meeresbewohner, nur wenige leben
im Süstwasser. Die Meeresbcwohner sind durch-
weg Planktonformen und namentlich im kalten Was-
ser des Nordens allen andern pflanzlichen Plank-
tonorganismen an Individuenzahl weit überlegen.
Namentlich im Plankton der Ostsee werden in ge-
wissen Jahreszeiten von Pflanzen fast nur P. ge-
funden. Im Würmern Wasser ist dagegen, bei gro-
ßem Neichtmn an Formen, die Individuenzahl gering.
Viele P. leuchten nachts und bringen dadurcb das
Meeresleuchten hervor. In der Ostsee geschieht
dies namentlich durch I'i'orol^nti-uin inicluiz ^/ii-^.,
^erlUinin tripos M't^c/i und l^oi ^tiuin fu3ii3 67a^>.
et ^ac/"n. - Vgl. Vütschli, Klassen und Ordnungen
des Tierreichs, Bd. 1, Abteil. 2 (Lpz. und Heidelb.
1884-85); Schilling, Die Süftwasser-Peridineen
linder "Flora", 1891)-. Schütt, Die P. der Plankton-
Erpedition (Kiel und Lpz. 1895).
^ Perier, Cafimir - Perier, Jean Paul Pierre,
verkündigte zur allgemeinen Überraschung einen Tag
nach der Demission des Kabinetts Dupuy l15. Jan.
1895) auch seinen eigenen Rücktritt als Präsident der
Französischen Republik. Seine Erklärung besagte,
daß er ein machtloses Amt, in dem er die Verant-
wortung ohne Befugnisse tragen müsse und schutzlos
gegen Angrisse sei, nicht weiter zu fübren gedenke.
Perkin, William Henry, engl. Chemiker, geb.
12. März 1838 zu London, studierte dort unter A.
W. Hofmann Chemie, wurde dessen Assistent und ent-
deckte das Mauvem, den ersten Auilinfarbstoff, zu
dessen fabrikmäßiger Darstellung er 1856 ein Patent
erhielt. Mit seinem Vater und Bruder richtete er
daraufhin die erste Teerfarbenfabrik in Greenford
bei London ein, in welcher er später auch die von
Grabe und Liebermann gemachte Erfindung der Dar-
stellung des Alizarins aus Anthracen ausbeutete
und nach mehrern Nichtungen verbesserte. 1873 zog
er sich aus der Technik zurück, um als Privatmann
ausschließlich wissenschaftlicher Thätigkeit zu leben.
Seine Arbeiten bewegen sich hauptsächlich auf dem
Gebiete der Synthese organischer Verbindungen.
Später wandte er sich in seinen Studien über die
optische Aktivität organischer Stoffe im magnetischen
Felde einer mehr Physik. Richtung zu. Gegenwärtig
lebt P. auf seiner Besitzung in Sudbury.
Perl, Flecken im Kreis Saarburg des preuß.
Reg.-Bez. Trier, unweit der Mosel und der Grenzen
von Elsaß-Lothringen und Luxemburg, an der Linie
Koblcnz-Sierck der Preuß. Staatsbabnen, Sitz eines
Amtsgerichts (Landgericht Trier), hat (1895) 931 E.,
Post, Telegraph, Bürgermeisterei, kath. Kirche; Wein-
Perlbohnen, s. Kaffee. stau.
* Persien. Die Bevölkerung wird neuerdings
auf etwa 9 Mill. geschätzt. Der^Wert des Gesamt-
handels hat seit Mitte der achtziger Jahre stetig ab-
genommen und beträgt jetzt kaum noch über 5 Wll.
Pfd. St. 1895-96 wurde von einer russ. Gesell-
schaft eine Straße von Kasmin nach Enfeli am
Kaspischen Meere hergestellt. Da 1894 die I^i-Lian
MuiuF lU^iitä (^omMn^ liquidierte, fielen die
Mineurechte wieder an die kaiserl. Bank zurück.
Die Staatseinnahmen betrugen 1895.96 wegen des
Sinkens des Silberwertes nur noch 1,3 Mill. Pfd.
St. 1892 nahm die Regierung durch die taiserl.
Bank eine Anleihe von V2 Mill. Pfd. St. auf.
Geschichte. Die durch die beabsichtigte Ein-
führung des Tabakmonopols 1891 veranlaßten Un-
ruhen dauerten auch während der beiden folgenden
Jahre noch fort und nahmen sogar einmal einen fo
bedrohlichen Charakter an, daß der Schah die Mög-
lichkeit, russ. Hilfe anrufen zu müssen, ins Auge faßte.
In diese Bewegung spielten auch aus Europa ein-
dringende freiheitliche Gedanken mit hinein; ein libe-
rales Blatt wagte es sogar, den Schah aufzufordern,
er möge felbst den mancherlei Mißbräuchen in der
Verwaltung steuern. Aber in den letzten beideu
Jahren ist auch diese Bewegung nach und nach im
Sande verlaufen. Dagegen rächte sich nun an dem
Sckah die 1852 mit unerhörter Grausamkeit ins
Werk gesetzte Verfolgung der Babi (s. d., Bd. 2). Am
1. Mai 1896 wurde Näßir ed-din bei Betreten der
Mofchee in Schah Abo ul-Asim bei Teheran von
einem fanatifchen Anhänger diefer Sekte erschossen.
Doch wurde durch dies Attentat die Ruhe nicht weiter
gestört. Der schon lange zum Nachfolger designierte
Eobndes Schah, Muzaffer ed-din Mirza (geb. 3.März
1853), bis dahin Statthalter von Aserbeidschau,
bestieg ohne Zwischeufälle den Thron und wurde
alsbald von den Großmächten anerkannt. Die an-
fangs befürchtete Empörung seiner Brüder, dereu
einen der ermordete Schah in den letzten Jahren
seines Lebens zum Thronfolger zu machen beabsich-
tigt haben foll, wurde auf friedlichem Wege bei-
gelegt. Der neue Schah war in feiner Jugend
ein fanatiscber Anhänger der Geistlichkeit. Als er
aber zeitweilig bei seinem Vater in Ungnade ge-
fallen war, weil ihm die Unterdrückung eines Kur-
denaufstands in seiner Provinz mißlang, und er in
Teheran zu wohnen gezwungen war, wandte er sich
ganz und gar franz. Einfluß zu. Es steht daher zu
erwarten, daß er die von seinem Vater eingeschla-
gene Babu gemäßigten Fortschritts weiter verfolgen
werde. Diesen Geist bekundete schon fein erster Er-
laß, der die Käuflichkeit der Beamten- und Offizier-
stellen aufbob. - Vgl. Bird, ^0111-11673 in?6i8i^
and Xuräi3wu (2 Bde., Lond. 1893): Bleibtreu,
P., das Land der Sonne und des Löwen (Freib.
i. Vr. 1891).
*Peru. Die Einfuhr betrug 189-1: 15166000,
die Ausfubr 12 371000 Soles zu 2,5.0 M. Die wich-
tigsten Ausfuhrgegenstünde sind Zucker 2 921000,
Silber 1198 000, Baumwolle KU4000, Wolle
837000, Blei 433000 Pesos. An Eisenbahnen stan-
den 1894: 1490 km im Betrieb, nämlich 1291 km
Staatsbahnen und 199 km Privatbahncn, an Tele-
araphenlinien 1895: 2371 km. Die Finanzen er-
gaben 1893 an Einnahmen 7 066 330, Ausgaben
6572927, die innere Sckuld etwa 26," Mill. Soles.
Die Lage des Landes ist wegen der Überweisung
aller Lündercien, Eifeubahnen, Minen, Guanolager
an die auswärtigen Gläubiger und wegen der un-
geregelten polit. Verhältnisse nach außen und innen
sehr unsicher geworden.
Gegen den Präsidenten Cäceres, der 4. Aug. 1894
sein Amt angetreten hatte, erhob sich noch im Laufe
desselben Jahres eine Empörung. Zwar waren an-
fangs die Truppen des Präsidenten siegreich, dock
gelang es den Insurgenten 31. Jan. 1895 Arequipa
zu nehmen, und 17. März konnte ihr Führer, Ni-
colas Pierola (s. d.), siegreich in Lima einziehen.
Cäceres mußte fliehen, und Pierola wurde 12. Aug.
zum Präsidenten gewählt. Über den Aufstand im
Tepartamento Loreto f. d. - Vgl. Middendorf, P.,
Beobachtungen und Studien über das Land und