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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schiffbaukunst
und verkittet. Zu den reinen Nitrocellulosepulvern gehört das franz. B-Pulver, das deutsche rauchschwache Pulver (s. Blättchenpulver, Bd. 3), die Pulver von Wettern, Walserode, Förster, das 8. L.-Pulver von Judson und Borland u. s. w. Zu den nitroglycerinhaltigen Pulvern gehört der Ballistik (s. Nobels rauchschwaches Pulver, Bd. 12), der in Form von Schnüren die Bezeichnung Filit führt. Der CordU enthält 48 Teile Nitroglycerin, 37 Teile Schießbaumwolle, 3 Teile Vaselin. Als Amberit bezeichnet man ein körniges Pulver von 44 Teilen Trinitrocellulose, 12 Teilen Dinitrocellulose, 40 Teilen Nitroglycerin nebst etwas Paraffin und Schellack. Zu den mit aromatischen Nitroverbindungen gemischten Pulvern gehören Indurit, Du Pont-Pulver, Riflit, welche Nitrobenzol enthalten, und der Plastomenit, der durch Auflösen von nitrierter Holzcellulose in geschmolzenem Dinitrotoluol erzeugt wird.
*Schiffbaukunst. Vor dem Bau eines Schiffs müssen die (im Band 14 angeführten) Pläne entworfen sein; die drei Projektionen: Aufriß, Wasserlinienriß und Spantenriß bestimmen die genaue Form des Schiffskörpers. Aus den Einzelheiten des Planes wird dann (wenigstens stets bei Kriegsschiffen) der Systemschwerpunkt, d. h. der Schwerpunkt des Schiffs mit allen einzelnen Lasten, die es tragen soll, berechnet; seine Lage ist sehr wichtig, weil die Seetüchtigkeit des Schiffs davon abhängt. Er soll womöglich in der obersten Wasserlinie oder Konstruktionswasserlinie (d. h. der horizontalen Schnittfläche, bis zu der das Schiff in vollbeladenem Zustande eintaucht) oder in ihrer Nähe liegen, damit das Schlingern (s. d., Bd. 14) nicht zu heftig werden kann. In der Regel liegt der Systemschwerpunkt zwischen dem Deplacementsschwerpunkt und dem Metacentrum (s. d., Bd. 11). Alle drei Punkte liegen nur bei aufrechter Schiffslage in einer Vertikalen, schon bei geringer Neigung des Schiffs rückt der Deplacementsschwerpunkt nach der geneigten Seite hin. Im Systemschwerpunkt wirkt die Masse des Schiffs nach unten, im Deplacementsschwerpunkt liegt der Angriffspunkt der nach oben wirkenden Resultierenden des Auftriebs (s. d.). Beide Punkte müssen so liegen, daß sie bei jeder Bewegung des schwimmenden Schiffs das Bestreben haben, das Schiff wieder in die normale Lage zu bringen. Die Wirkung beider Kräfte nennt man die Steife oder Steifigkeit des Schiffs. Das Metacentrum muß bei jeder Neigung über dem Systemschwerpunkt bleiben; rückt bei starker Krängung das Metacentrum unter den Systemschwerpunkt, so kentert das Schiff. Je höher das Metacentrum über dem Systemschwerpunkt liegt, um so steifer ist das Schiff, um so schneller sucht es seine ausrechte Stellung wieder einzunehmen. Rank nennt man Schiffe, die leicht auf die Seite fallen, bei denen also die beiden genannten Punkte nahe beisammen liegen. Die Lage des Systemschwerpunkts ist weniger von der Form des Schiffskörpers, als von der Gewichtsverteilung an Bord abhängig, also bei Kriegsschiffen von der Anordnung des Panzers und der Aufstellung der Geschütze, bei Handelsschiffen von der Art und der Stauung der Ladung. Gefährlich können Veränderungen in der Lage des Systemschwerpunkts werden, wenn z. B. lose gestaute Ladungen, wie Korn oder Kohlen, in einem nur teilweise gefüllten Laderaum bei starker Krängung sich nach der geneigten Seite bewegen, "überschießen". Jedes Schiff muß kentern, dessen Systemschwerpunkt beim überschießen von Lasten weiter nach der geneigten Schiffsseite hinrückt als der Deplacementsschwerpunkt. Auf den Plänen muß die oberste Wasserlinie genau festgestellt sein. Zur Berechnung des Deplacements oder Gesamtgewichts eines Schiffs muß bestimmt werden: 1) das tote Gewicht, bestehend aus den Gewichten des Schiffskörpers mit innerer und Deckseinrichtung, der Takelung, der Anker, Ketten und Troffen, der Boote mit Ausrüstung, der Wasserkästen, Kombüsen, des Handwerkzeugs, des Koch- und Backgeschirrs (s. Back 2 u. 3, Bd. 2), der Mannschaftseffekten, des Proviants, des Wasservorrats, des Materials für Instandhaltung, Reinigung und Ausbesserung des Schiffskörpers, der Maschinen und Kessel (diese mit Wasser gefüllt), des Propellers mit Zubehör und Reserveteilen, des Kohlenvorrats, des Ballastes; 2) die nützliche Zuladung, bestehend bei Handelsschiffen aus den Gewichten der Frachtgüter und der Passagiere mit Effekten, des Proviants und Wassers, bei Kriegsschiffen aus den Gewichten der Geschütze mit Munition, der Torpedoausrüstung, des Panzers mit Holzhinterlage und der Besatzung. Die Veränderlichkeit des Tiefgangs ist bei Frachtschiffen (Seglern und Dampfern) am größten, bei Kriegsschiffen am geringsten. Ein Handelsschiff kann im unbeladenen Zustande weniger als das halbe Deplacement des beladenen Zustandes haben. Bei Kriegsschiffen ist Deplacement und Tiefgang nur von dem Verbrauch an Kohlen, Proviant und andern Vorräten abhängig. Um für jeden Tiefgang die Tragfähigkeit oder das Deplacement für den betreffenden Tiefgang zu wissen, wird den Schiffsplänen ein Lastenmaßstab (auch Deplacementsskala genannt) beigegeben. Um ihn aufzustellen, wird für verschiedene beabsichtigte Tiefgänge die Wasserverdrängung (der Schiffsform) berechnet und graphisch dargestellt (s. beistehende Figur). K bedeutenden Kiel, W den Schnittpunkt der Vertikalen vom Kiel mit der obersten Wasserlinie O O'; W D sei in beliebigem Maßstabe das Deplacement der Wasserlinie O O'. In halber Höhe zwischen Kiel und Wasserlinie sei das Deplacement (im gleichen Maßstabe wie W D ausgedrückt) gleich W D', in 1/4 Höhe ebenso W D'', in 3/4 Höhe W D''', so nennt man die Kurve D D''' D' D'' K die Deplacementskurve, auf der man für jeden beliebigen Tiefgang das Deplacement abgreifen kann. Will man auch die Reserveschwimmkraft bestimmen, d. h. das Deplacement des über der obersten Wasserlinie noch schwimmfähigen, wasserdichten Schiffsraums, der gewöhnlich bis zum Oberdeck reicht, so wird der Lastenmaßstab noch bis zum Oberdeck L R berechnet. Die Größe der Reserveschwimmkraft im Verhältnis zum Deplacement ist für die Schwimmfähigkeit bei Zusammenstößen, Grundberührungen, Torpedoerplosionen und Schußverletzungen unter der Wasserlinie von großem Einfluß. Das lineare Maß für die Größe der Reserveschwimm kraft ist der Freibord (s. d.). Um verschiedene Schiffskörper mit-^[folgende Seite]