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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schweizerische Eisenbahnen
die Kapitalanlage hierfür 196584000 Frs. oder pro Bett 4251 Frs. Die Gesamteinnahme betrug 39074010 Frs., die Ausgaben 28556877 Frs., der Überschuß, für Verzinsung, Amortisation, Unterhalt und Unternehmergewinn somit 10517133 Frs. Rechnet man für Zins, Unterhalt und Abschreibung nur 4 Proz., so bleibt als Unternehmergewinn noch 2653773 Frs. oder 1,3 Proz. des Anlagekapitals. Unter den Ausgaben sind 3369503 Frs. Löhne für 12657 Angestellte, 583649 Frs. für Reklame und 341887 Frs. für Versicherung. (Vgl. Illustrierte Extraausgabe der "Hotel-Revue", Basel. Statistique originale, veranstaltet vom Schweizer Hotelierverein für die Schweizer Landesausstellung in Genf.)
Unterrichtswesen. Von den 1890-94 eingestellten Rekruten hatten 19 Proz. eine höhere als die Primärschule besucht. 1894 gab es 8429 Primärschulen mit 6348 Lehrern, 3261 Lehrerinnen und 471723 Schulkindern, 711 Kleinkinderschulen mit 30201 Kindern, 486 Sekundärschulen mit 1281 Lehrern, 189 Lehrerinnen, 32662 Schülern und Schülerinnen, ferner 30 Mittelschulen mit Anschluß an das akademische Studium mit 737 Lehrern und 8633 Schülern, 45 Mittelschulen ohne Anschluß an das akademische Studium mit 5003 Schülern und 37 Lehrerbildungsanstalten, darunter 8 private, ferner 565 freiwillige Fortbildungsschulen mit 16130 Schülern und 3651 Schülerinnen sowie 1049 obligatorische mit 17132 Schülern. An den verschiedenen Kursabteilungen für angehende Rekruten nahmen 20792 teil. Auf den Hochschulen waren Wintersemester 1894/95: 3927 (davon 362 weibliche Studierende immatrikuliert, darunter 1600 (321) Ausländer; 1167 (238) waren als Hörer zugelassen. Theologie studierten 478 (7 kath. Theologen in Bern, 152 in Freiburg), Jurisprudenz 532 (3), Medizin 1081 (221), Philosophie u. s. w. 1773 (375). Das Unterrichtswesen erforderte 1894: 37959148 Frs., d. i. 13 Frs. auf 1 E.; hierzu trugen die Gemeinden 20969624 Frs. bei; außerdem hatte der Bund eine Ausgabe von 1623788 Frs. für das Polytechnikum, das gewerbliche, landwirtschaftliche und kaufmännische Bildungswesen. Neuerdings hat man lebhafte Anstrengungen gemacht, den Bund zur Subvention der Volksschulen herbeizuziehen, doch begegnen diese Bemühungen großem Widerstand und sind noch nicht zum Ziele gelangt.
Finanzen. Die eidgenössische Staatsrechnung von 1895 weist 81005586 Frs. Einnahmen und 76402631 Frs. Ausgaben, somit einen Einnahmenüberschuß von 4602955 Frs. auf.
Unter den Einnahmen sind Ertrag der Liegenschaften 519261, der Kapitalien 1712219, der allgemeinen Verwaltung 51881, des Departements des Auswärtigen 367542, des Innern 5737, des Justiz- und Polizeidepartements 1096, des Militärs 2338178, Finanzverwaltung 185834, Zollverwaltung 43279726, Industrie- und Landwirtschaftsdepartements 175201, Eisenbahnen 429035, Post 25791435, Telegraph und Telephon 6093447, Unvorhergesehenes 54992 Frs. Die Ausgaben umfassen: Amortisation und Verzinsung der Anleihen 4276596, allgemeine Verwaltung 1071080 (hiervon: Nationalrat 221986, Ständerat 23426, Bundesrat 91000, Bundesgericht 274668), Auswärtiges 1003900, Inneres 9372716, Justiz und Polizei 183140, Militär 23012361, Finanz und Zoll 4008961, Industrie und Landwirtschaft 3228358, Post und Eisenbahn 30210162 (Post 24338943, Telegraph und Telephon 5606821, Eisenbahnwesen 264398) Frs. Der Vermögensstand betrug 1. Jan. 1896: 144800184 Frs. Aktiva und 83889439 Frs. Passiva, unter letztern befinden sich 73143 000 Frs. Anleihen (aufgenommen 1887: 25,137, 1889: 23,006, 1892: 5, 1894: 20 Mill. Frs., sämtlich zu 3 172 Proz. verzinslich), 6187085 Münzreservefonds, 389149 Eisenbahnfonds (reine Schuld). Der Eisenbahnfonds umfaßte Ende 1895: 77090 Aktien der Jura-Simplon-Bahn mit 46,125 Mill. Frs., 14,060 Mill. Frs. andere Wertpapiere, 7,397 Mill. Frs. Emissionsverlust an der Rentenanleihe, deren Nominalbetrag mit 69,333 Mill. Frs. als Passivum figuriert, und 1,735 Dividenden-Vorschußconto.
Die Gesamteinnahmen aus dem Alkoholmonopol betrugen 1894: 4711316 Frs.; hiervon wurden zur Bekämpfung des Alkoholismus 450955 Frs. verwendet (das sog. Alkoholzehntel). Der Anteil des Bundes an der Militärpflichtersatzsteuer betrug 1895: 1481475, am Pulverregal 175356 Frs. Die Einfuhrzölle ergaben 42838518 Frs., die Ausfuhrzölle 105298, die statistische Gebühr 113488 Frs.
Geschichte. Durch Annahme des franz. Handelsabkommens wurde im Aug. 1895 der seit 1892 waltende Zollkrieg mit Frankreich beendet. In verschiedenen innern Bundesangelegenheiten zeigte sich die Volksstimmung der Centralisation nicht günstig. Ein Gesetz über Monopolisierung der Zündholzfabrikation und Einführung phosphorfreier Zündhölzchen wurde 29. Sept. 1895 mit 175000 gegen 140000 Volksstimmen und 14 1/2 gegen 7 1/2 Standesstimmen verworfen. Ein Gesetz über völlige Centralisation des Militärwesens erlitt 3. Nov. 1895 dasselbe Geschick. Bei gleichem Stimmenverhältnis der Stände war das Ergebnis der Volksabstimmung etwa 271000 gegen 194800. Bei der Volksabstimmung 4. Okt. 1896 wurde das Militärdisciplinargesetz mit einer Mehrheit von 226323 Stimmen und das Viehnachwährschaftsgesetz mit einer Mehrheit von 29729 verworfen, dagegen das Eisenbahnrechnungsgesetz (s. Schweizerische Eisenbahnen) mit 220058 gegen 170616 Stimmen angenommen. Ein Gesetz über Errichtung einer Bundesbank wurde 28. Febr. 1897 mit 247500 gegen 192500 Stimmen abgelehnt. Bei den Wahlen und Nachwahlen zum Nationalrat im Okt. und Nov. 1896 hat sich ein entschiedener Zug nach links bemerkbar gemacht. Am 28. Nov. wurde vom Bundesrate einstimmig der Beschluß gefaßt, bei der Bundesversammlung eine Revision der Verfassung zu beantragen, durch welche dem Bunde die Kompetenz zur Gesetzgebung in den noch nicht centralisierten Gebieten des Civilrechts und zur Centralisation des Strafrechts eingeräumt werden soll. - Vgl. Coraggioni, Münzgeschichte der S. (Bas. 1896).
*Schweizerische Eisenbahnen. Einschließlich der Tram- und Seilbahnen hatten die S. E. 1. Jan. 1896 insgesamt eine Länge von 3710,71 km, die sich folgendermaßen verteilen:
Schweiz. Hauptbahnen 2724,794 km
Ausländische Bahnen auf Schweizergebiet 63,487 "
Normalspurige Nebenbahnen 294,115 "
Schmalspurbahnen 316,310 "
Schmalspurbahnen mit Zahnstrecken 141,133 "
Schmalspurbahnen mit elektrischem Betrieb 7,427 "
Zahnradbahnen 79,082 "
Tramways 68,458 "
Seilbahnen. 15,904 "
^[Additionslinie]
Zusammen 3710,710 km
Die Betriebslänge der Bahnen mit Lokomotivbetrieb betrug Ende 1894: 3544 km; auf denselben