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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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964
Streik
Jahre
Streikende Arbeiter ^ ... ^
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der Be- > ^ae
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über-
haupt
1891
1892
1393
1894
1395
104
101
172
159
205
1917 ! 14 025
1519
1207
2468
869
14 123
28 120
44 075
28 026
34,64
57,36
61,75
72,58
60,88
247 086
150 992
518 511
566 463
297 845
74 Proz. der S. erzielten vollen oder teilweisen Er-
folg der Ausständigen. Besonders ist der grosie
Bergarbeitcrstreik erwähnenswert, der 24. Febr.
1896 im mähr.-schles. Kohlenbezirke ausbrach, und
an dem sich zeitweilig 30000 Menschen beteiligten.
Die Forderungen der Arbeiter waren namentlich:
1) es sollten alle wegen Teilnahme an der Agitation
oder an Arbeiterorganisationen gemaßregelten Ar-
beiter wieder aufgenommen werden; 2) es sollten
gewisse unbeliebte Arbeiter entlassen werden; 3) es
wurde eine 25prozcntige Lohnerhöhung gefordert;
4) der Lohn sollte wöchentlich, nicht monatlich ge-
zahlt werden. Dieser S. wurde nach vicrwöchiger
Dauer beendet; die Arbeiter gaben ihre übrigen
Forderungen auf, setzten aber die vicrzehntägige
lstatt monatliche) Lohnzahlung durch und erlangten
das Versprechen, daß keine weitern Maßregelungen
wegen Teilnahme am S. u. s. w. erfolgen sollten.
Im ganzen wurden 97 Arbeiter entlassen. Die Kosten
des S. wurden auf 1,35 Mill. Fl. geschätzt, davon
"2 Mill. Fl. für ausgefallene Löhne. Der 1894 be-
reits einmal ausgebrochene S., der zu blutigen Zu-
sammenstößen mit der Polizei geführt hatte, endete
damals mit einem vollen Mißerfolg der Arbeiter.
Aus neuester Zeit (Sept. 1896) ist der S. der Werk-
stättenarbcitcr der Staatsbahnen in Prag und Wien
und der Bergarbeiterstreik im Brürer Kohlenrevier
zu verzeichnen.
Frankreich. Von den nach den Mitteilungen
des Pariser Arbeitsamtes 1894 stattgehabten 391S.
bezweckten 179 mit 30700 Streikenden eine Lohn-
aufbesserung (davon37 erfolgreich); 80 S. mit9261
Streikenden erfolgten wegen Lohnherabsetzung (18
erfolgreich); bei 30 handelte es sich um eine Ver-
ringerung der Arbeitszeit mit Beibehaltung oder
Erhöhung der bisherigen Löhne; bei 33 um die
Reglementierung der Arbeit; bei 28 um die Wieder-
aufnahme entlassener Arbeiter; bei 50 um die Ent-
lassung von Arbeitern, Werkführern und Direktoren
u.s.w. Von den S. kamen auf die Textilbranche 112,
das Baugewerbe 75, die Metallurgie 54, Berg-
werke 20.
Von den 405 S. des I. 1895 wurden 1258
Etablissements betroffen. 104 Ausstände dauerten
nur einen Tag und weniger, 276 nur eine Woche
und weniger. Die Zahl der Beteiligten betrug 45 801
(1894: 54576), die der verlorenen Arbeitstage
617 469 (1894:1062480). Die Forderungen einer
Lohnerhöhung oder Widerstand gegen Lohnherab-
setzung sind die Hauptmotive zu den S. gewesen,
nämlich bei 253 S., 32 070 Streikenden und 421951
Streiktagcn; dann kommen die Personenfragen
(Wiederanstellung der Entlassenen u. s. w.) bei 85 S.;
wegen Verkürzung der Arbeitszeit wurde in 49 Fällen
gestreikt.
England. Nach amtlicher Statistik betrug die
Zahl der S. 1394: 1061 mit 324245 Streikenden.
23 Proz. der S. und 66 Proz. der Arbeiter kommen
davon auf die Minenindustrie. Dann folgen die S.
in der Tcrtilbranche und in der Maschinenindustrie.
564 S. waren durch Lohnstreitigkeiten (Lohnerhöhung
oder Widerstand gegen Lohnherabsetzung) veranlaßt.
Die Zahl der verlorenen Arbeitstage wird auf
9322000, 29^ Tag pro Arbeiter, der Lohnverlust
auf 2 Mill. Pfd. St. angegeben. Im 1.1895 weisen
die S., verglichen mit 1894, sowohl was Zahl oder
Dauer anlangt, eine wesentliche Abnahme auf. Es
kamen 876 S. vor, an denen 263 758 Arbeiter be-
teiligt waren, gegenüber 1061 S. und 324245 Ar-
beitern im I. 1894. Die Zahl der verlorenen Ar-
beitstage betrug 5542000 gegen 9322000 im I.
1894. Erfolgreich waren 24 Proz. der beteiligten
Arbeiter (gegenüber 22 Proz. im Vorjabre), 47 Proz.
erzielten teilweifen Erfolg (gegen 34,2 Proz. im Vor-
Jahrc), 28 Proz. waren erfolglos (gegen 42 Proz.).
Besondern Umfang nahmen an: der Massenstreik
in der Schuhindustrie, die S. in der Textilindustrie
und der ^chissbauerstreik.
Italien. Nach dem Berichte der ital. General-
direktion für Statistik über die industriellen und
landwirtschaftlichen S. des I. 1894 zeigt sich im
Vergleich zu den Vorjahren eine merkliche Ab-
nahme an S. Die einschlägigen Zahlen sind:
1889
1890
1891
1892
1893
1894
Streiks 125
133
128
117
127
104
Streikende 23 322
38 402
34 733
30 800
32109
27 595
Die Zahl der günstig verlaufenen S. hat sich
stetig vermehrt und zwar von 16 Proz. im Zeit-
raum von 1878/91 auf 34 Proz. im I. 1894. Ob-
gleich Zahl und Umfang der S. abgenommen haben,
haben sich die verlorenen Arbeitstage stärker ver-
mehrt. Ihre Zahl betrug:
1889
1890
1391
1892
1893
1894
116000
168000
213 000
217 000
234 000
323 261
Schweiz. Nach eiuer neuerdings vom schweiz.
Gewerkschaftsbund aufgestellten Statistik haben die
Schweizer Gewerkschaften 1887-95 89 S. zu ver-
zeichnen, davon 58 mit vollem, 14 mit teilweisem
Erfolg, 17 mit Mißerfolg. Von sämtlichen Lohn-
bewegungen endete nur ein Drittel durchschnittlich
mit einem S. Nach dem Berichte des schweiz. Ar-
beitersekretariats für 1895 sind in diesem Jahre 33 S.
zu verzeichnen und zwar 17 Angriffs- und 16 Ab-
wehrstreiks. Von den 33 S. gingen 16 günstig und
5 teilweise günstig aus.
Die große Lohnbewegung der Schweizer Eisen-
bahnangestellten 1896 hat nicht zu einem S. geführt,
sondern ist durch Vergleich erledigt worden.
Vereinigte Staaten von Ameivka. Nach
einer Statistik des Arbeiterkommissars in Washing-
ton, C. D. Wright, sind von 1881 bis 1894:
14389 S. und I^ck-outg zu verzeichnen, an denen
69167 Betriebe mit 3 714 231 Arbeitern und 6067
Betriebe mit 366 670 Personen beteiligt waren. Die
Lohnverluste durch S. betrugen 190493 382 Doll.;
für den beteiligten Arbeiter ein Durchschnittsverlust
von 47 Doll. Die den Streikenden im Laufe dieser Zeit
gewährtenUnterstützungenbetragen 10914406 Doll.,
und die Ausgesperrten erhielten 2524298 Doll., d. h.
7,05 Proz. der Lohnverlustsumme. Die Verluste der
Arbeitgeber werden auf 94835 837 Doll. beziffert.
Von größern S. in Amerika ist besonders der all-
gemeine Kohlengräberausstand im Sommer 1894
zu erwähnen, der sich über 16 Monate erstreckte und
etwa 180000 Mann umfaßte. Der S. wurde durch
Kompromisse zwischen den einzelnen Unternehmern
und Arbeitern geschlossen; ferner der S. der Eisen-
bahnarbeiter im Sommer 1894.