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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Südafrikanische Republik
angehörigkeit, in den zweiten Voltsraad (30 Mit'
glieder) und erst nach 14 Jahren, unter Zustimmung
von zwei Drittel Bürgern ihres Wohnbezirkes und
mit Genehmigung des ersten Volksraades (24 Mit-
glieder) in den ersten Volksraad gewählt werden.
Wenn aber einzelne Uitlanders der S. R. Kriegs-
dienste geleistet haben, vermag der Präsident ihnen
sofort das volle Bürgerrecht zu gewähren. Der
zweite Volksraad hat nur eine geringe polit. Bedeu-
tung', der Präsident der Republik entscheidet, ob
seine Beschlüsse an den ersten Volksraad gelangen
sollen, und dieser bestimmt mit einfacher Majorität
über die Annahme neuer Gesetze. Dem Erekutiv-
rat, bestehend aus dem Präsidenten, dem Vicc-
prüsidcnten, dem Staatssekretär und dem obersten
Befehlshaber, unterliegen alle richterlichen Urteile
znr Bestätigung.
Die wirtschaftliche Entwicklung der S. R. nahm
seit der Erschließung der Goldfelder in Witwaters-
rand 1886 einen von Jahr zu Jahr sich steigernden
Aufschwung. Volksraad und Regierung sahen sick
gezwungen, die Absperrung gegen die übrigen
südafrik. Staaten aufzugeben und den Bau von
Bahnen zu gestatten. 1893 wurde die Bahn von
Pretoria nach dem Oranje-Freistaat, 1895 die nack
der Delagoabai und Anfang 1896 jene nach Natal
(Charlestown) eröffnet. 1896 waren 991 km im Be-
trieb. 760 kin im Bau und 168 kni geplant. Die
Länge der Telegraphenlinien beträgt 3140 km.
Durch den Verkauf von Goldgräberlicenzen und durch
die ungeheure Vermehrung der Ein - und Ausfuhr-
zölle hoben sich die Staatseinnahmen, die 1881 nur
1^2 Mvtt. M. betrugen, 1894 auf 45 und 1895 auf
71 MM. M., deuen nur 35 und 53 Mill. M. Staats-
ausgaben gegenüber standen. Die Staatsschuld be-
trug (ohne die Eisenbahngarantien) in: Sept. 1896
2690579 Pfd. ^t., davon 156662 Pfd. St. an die
engl. Krone. Die Volkszahl nahm in zwei Städten
zu; Pretoria zählte 1895: 8000 und Johannesburg
(nach der Zählung vom 15. Juli 1896) 102 714 E.,
darunter 51225 Weiße. Den wirtschaftlichen Fort-
schritt verdankt Transvaal allein den Uitlanders
und ihren industriellen Unternehmungen. Von den
fruchtbaren Ländereien sind von den Buren nur
ungefähr 13 Proz. in Ackerboden umgewandelt.
Geschichte. Schon 1887 begannen die zahlreich
cingewandcrten Engländer für die Gewährung polit.
Rechte zu agitieren. Präsident Krüger versprach
1892 und nochmals 1894 eine Änderung zu ihren
Gunsten. Allein der Volksraad weigerte sich auf
seine Vorschläge einzugehen, namentlich als die
Uitlanders engl. Abkunft 1894 die Beteiligung an
dem Feldzug gegen den aufständischen Häuptling
Magato energisch ablehnten. Dies sowie die Ver-
mehrung von Zöllen und Abgaben und die Er-
höhung der Getreidepreise durch Monopolisierung
des Getreidehandels steigerte die Mißstimmung
der Uitlanders bis zur heftigsten Verbitterung, die
durch das Herbeiströmen von Abenteuerern aus den
engl. Kolonien in Afrika und Australien und aus
Amerika einen sehr gefährlichen Charakter gewann.
Im Nov. 1895 reichten 39000 Uitlanders eine Peti-
tion um Gewährung des Bürgerrechts ein. Diese
Gärung,namentlich unter den Engländern, zuschüren
und zur Ausdehnung des engl. Machtbereichs über
ganz Südafrika auszunutzen, war der Plan Cecil
Rhodes', des Ministerpräsidenten der Kapkolonie
und Direktors der Englisch-Südafrikanischen Gesell-
schaft. In Johannesburg bildete sich im Dez. 1895
ein Reformkomitee mit der Absicht, selbst unter
Anwendnng von Gewalt die gegenwärtige Buren-
regierung zu stürzen und nach ihrem Sinn, aber
unter der alten Flagge von Transvaal, eine neue
S. R. zu errichten. Man trat in Verbindung mit
Cecil Rhodes. Dieser hatte schon seit Monaten
seine Vorbereitungen getroffen und Iameson (s. d.),
den Befehlshaber der Truppen der (^nartereä (^oin-
pau^, allmählich aus Matabelcland nach Mafe-
king im Betschuanenland mit 800 Mann heran-
gezogen. Iameson sollte plötzlich in Transvaal ein-
fallen und mit Hilfe der Johannesburger die Buren-
herrschaft vernichten und die engl. Flagge entfalten.
In der That überschritt er 29. Dez. 1895 die Grenze.
Die Buren vertraten ihm mit gewohnter Schlag-
fertigkeit den Weg, schlugen ihn 1. Jan. 1896 bei
Krügersdorp und zwangen ihn bei Vlakfontein
2. Jan. zur Übergabe. Er und seine Mannschaft
wurden von der Burenregierung der engl. Negie-
rung zur Bestrafung übergeben. Die Johannes-
burgcr hatten in: letzten Moment Iameson die
Unterstützung versagt, da sie nicht zu Gunsten einer
impcrialen, rein engl. Kolonialherrschaft die Regie-
rung in Vretoria stürzen wollten. Allein sie hatten
ofsen die Waffen ergriffen und waren zum Aufstand
bereit gewesen. Jetzt mußten sie sich bedingungslos
unterwerfen. Die vier Vorsitzenden des Reform-
komitees wurden 29. April zum Tode und 59 Mit-
glieder desselben zu Gefängnis verurteilt, vom Prä-
sidenten Krüger aber und dem Exekutivrat im Mai und
Juni sämtlich begnadigt. Die engl. Regierung, wie
anfangs auch die gesamte engl. Presse, nahm in den
ersten Wochen des Januars eine sehr drohende Hal-
tung an. Das Glückwunschtelegramm des Deutschen
Kaisers zum Siege der Buren über Iameson erregte
in England den Argwohn, es habe sich Transvaal
unter die Schutzherrschaft des Deutschen Reichs ge-
stellt. Der Kolonialminister Chamberlain mißbil-
ligte zwar den völkerrechtswidrigen Flibustierzug,
erkannte aber die Beschwerden der Uitlanders als
berechtigt an und versuchte der S. R. seine Rat-
schläge in Bezug auf Reformen in der innern Ver-
waltung aufzudrängen. Die S. R. wies diese Ein-
mischung in ihre innern Angelegenheiten zurück
und schloß mit dem Oranje-Freistaat im März ein
Schutz- und Trutzbündnis; Präsident Krüger lehnte
die Einladung, in London mit Chamberlain zu kon-
ferieren. Ende April mit Entschiedenheit ab und
ließ im Juni an die engl. Regierung die Aufforde-
rung richten, gegen Cecil Rhodes strafrechtlich vor-
zugehen und der Wiederkehr derartiger Vorkomm-
nisse durch eine Beschränkung der Vollmachten der
Britisch-Südafrikanischen Gesellschaft vorzubeugen.
Vgl. Schmeisser, Vorkommen und Gewinnung
der nutzbaren Mineralien in der S. R. unter be-
sonderer Berücksichtigung des Goldbergbaus. Mit
19 Karten und Tafeln (Berl. 1895); Tabbert, Nach
den Transvaal-Goldfeldern. Schilderung von Land
und Leuten (ebd. 1896); Transvaal, die S. R.,
geschichtliche und wirtschaftliche Entwicklung (ebd.
1896); Klössel, Die Verfassung und Verwaltung
der südasrik. Freistaaten (Lpz. 1896); Abraham, Die
S.R. Eine histor. Skizze (Berl. 1896); Seidel, Trans-
vaal, die S. R. historisch, geographisch, wirtschaftlich
dargestellt (ebd. 1897); Herrich, Neue Specialkarte der
S. R., des Oranje-Freistaates und der angrenzenden
Gebiete. Maßstab 1:3000000 (Glogau 1896);
6 Vl. in 1:500000 (2. Aufl., Pretoria u. Lond. 1896).