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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tokio - Torpedo
wasserreiche Gelände besonders für Viehzucht ge-
eignet, von Kulturpflanzen sollen arab. Kaffee, Tabak
und Kautschukbäume besonders lohnende Erfolge ver-
sprechen, auch können sich die Kolonisten durch reich-
lichen Gemüsebau neben gesunder Nebenbeschäfti-
gung eine materielle Unabhängigkeit von Zufuhren
verschaffen. Dieser Bezirk endet nördlich zwischen 8
und 9° nördl. Br. mit der Nordgrenze des Ehea-
butterbaums aus der Familie der Sapotaceen,
dessen Produkt am Niger ein wichtiges Nahrungs-
mittel bildet. Gleichzeitig endet dort das Areal des
Nittabaums (I^i-Kia atri^na li. F)'.), der den
Sudankasfee liefert. 4) Der letzte und nördlichste, sehr
volkreiche Distrikt endet mit der Nordgrenze der Öl-
palme unter 9° 4(V in Sugu, wo überhaupt noch
einmal reiche Palmenvegetation in den Flußufer-
lGalerie-)Waldungen herrscht und fernab von den
Flüssen unabsehbare Flächen auf das sorgfältigste
bestellter Iiamsfelder das Land erfüllen, Durra-
halme von 5 m Höhe auf den Ackern wogen. Dieser
letzte Distrikt lenkt besonders durch die von derHaussa-
karawanenstraße durchschnittenen, vom Ackerbau sich
ernährenden friedlichen Bezirke die Aufmerksamkeit
auf sich. - Vgl. Klings Ncise in den "Verhand-
lungen der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin", XX
^ Tokio hatte nach einer Berechnung für Ende
1894: 1242224 E. (Hierzu ein Plan: Tokio.)
Neuerdings hat die Stadtverwaltung einen Plan
zur Verbesserung der sanitären Verhältnisse der
Stadt festgestellt. Die sehr häufigen Brände erleich-
tern die rasche Durchführung der hierzu nötigen
Maßregeln, wie Verbreiterung der Straßen u. s. w.
Die wichtigsten Straßen sind die Ginza und deren
Fortsetzungen nach beiden Seiten mit Kaufläden
europ. Stils, die Nakadori mit den Verkaufsstellen
japan. Kuriositäten, deshalb auch Curiostraße ge-
nannt, die Nagata-tschu mit den Residenzen der
meisten europ. Diplomaten u. s. w. Außer dem
Shiba- und Ujenopark sind noch zu erwähnen die
Anlagen der Mukoshima, die sich fast 2 km längs
dcs linken Ufers des Sumida-gawa erstrecken und
besonders zur Zeit der Baumblüte belebt sind, sowie
der Dango-sata im N. der Stadt, berühmt durch
seine Chrysanthcmumschau im November. Auch im
Garten dcs Aojamapalastes, der gegenwärtig von
dem Kronprinzen bewohnt wird, finden zu der-
selben Zeit Gartenfeste mit Chrysanthemumaus-
stellung statt. Der beste Vazar in T. ist der Kwan-
toba (d. i. Bazar) am Nordeingang in den Shiba-
park. Von dcn zahlreichen Tempeln sind erwäh-
nenswert: im Stadtteil Asakusa der Tempel des
Kwannon, dessen Bild aus dem 0. Jahrh. v. Chr.
stammen soll. Der ihn umgebende Garten (Asakusa
Koentschi) ist der Hauptvergnügungsort für die mitt-
lern und untern Klassen und enthält einen 1890 er-
bauten, in 12 Stockwerken 70 in hohen Turm, der
den umfassendsten überblick über T. gewährt. Der
ebenfalls dem Shintokult geweihte Eannotempel,
offiziell Hie Dschindscha genannt, ist ein ganzer
Häuserkomplex auf einer schön bewaldeten Anhöhe;
doch ist mit Ausnahme des Haupttempels alles ver-
fallen. Der Ehokonsha oder Iasukuni, 1869 er-
richtet, ist ein Shintotempel modernster Art, im
strengsten Sinne des Shintoismus gehalten und
deshalb fast leer. Der berühmte buddhistische Tem-
pel Eko-in am linken Ufer des Sumida-gawa wurde
1657 zur Erinnerung an eine Fcuersbrunst gebaut,
der über 100000 Menschen zum Opfer gefallen fein
sollen. Er ist die Hauptvcrehrungsstätte der Toten,
besorgt aber auch Totenfeiern für Haustiere. Der
Higashi Hongwandschi, gewöhnlich Monseki genannt,
ist der ungeheure Haupttempel der buddhistischen
Montosekte. Der Confuciustempel Eeido, ein präch-
tiges Beispiel chines. Stils, enthält jetzt ein Unter-
richtsmuseum. Die Shogunengräber befinden sich
in zwei Tempeln in der Nähe des Ujenoparks, wo-
von besonders der zweite ein prächtiges Gebäude in
Gold und blendenden Farben ist. Im NO. der
Stadt befindet sich der Ioshiwara, das staatlich über-
wachte Quartier der Freudenmädchen. Seit 1885
hat T. ein Elektricitätswerk und seit 1890 Telephon-
anlage. Von den zwei Bahnhöfen liegt der Shim-
bashibahnhof im Süden, der Ujenobahnhof im Nor-
den, ersterer für die Linie nach Iokohama und die
Eüdbahn, letzterer für die Nordbahn. Beide sind
miteinander verbunden durch die Tokio-Akabane-
Verbindungsbahn, meist Ringbahn genannt, mit
mehrern Stationen in den Vororten der Stadt; von
einer derselben führt eine Zweiglinie nach Ha-
tschiotschi im W. von T. Die Universität von T., bis
1890 die einzige des Landes, zählte Ende Juni 1896:
86 Professoren, 28 Docenten und 1588 Studie-
rende. Sie zerfällt in 6 Fakultäten, 36 Abteilun-
gen und 127 verschiedene Fächer. 1896 bestanden
319 Studierende die Doktorprüfung.
Tomafchek, Wilh., Geograph, geb. 26. Mai
1841 zu Olmütz in Mähren, studierte in Wien, wurde
1868 Professor an dem Mariahilfer Kommunal-
gymnasium in Wien, 1877 außerord. Professor der
Geograpbie an der Grazer Universität, 1881 ord.
Professor, 1885 nach Wien berufen. Von ihm er-
schienen in den "Sitzungsberichten" der Wiener Aka-
demie der Wissenschaften folgende Abhandlungen:
"Über i^-uinailH und i^oLali". nebst Bemerkungen
über den Hess. Volksstamm" (Bd. 60), "Centralasiat.
Studien" (Bd. 87 u. 96), "Zur Kunde der Hämus-
halbinsel" (Bd. 99 u. 113), "Zur histor. Topographie
von Persien" (Bd. 102), "Kritik der ältesten Nach-
richten über den skythischen Norden" (Bd. 116 u.
117), "Topogr. Erläuterungen der Küstenfahrt
Nearchs" (Bd. 121), "Die alten Thraker" (Bd. 128,
130,131), "Zur histor. Topographie von Kleinasien
im Mittelalter" (Bd. 124), "Sasün und das Quellen-
gebiet des Tigris" (Bd. 133). Selbständig erschien:
"Die Goten in Tauricn" (Wien 1881).
^Tongking. Die Grenze gegen China wurde
1895 durch Verträge festgestellt: dadurch erhielt T.
im Nordwcstcn ein für seine Verteidigung sehr wich-
tiges Gebiet. Die Einfuhr betrug 1894: 30775645,
die Ausfuhr 15001295, die Durchfuhr nach und
von Iün-nan 5 000 000 und 3 200000 Frs. Von
den 197 fremden Schiffen (ohne die chinesischen), die
1894 in den Häfen von T. einliefen, waren 115
französische, 28 britische, 25 dänische und 20 deutsche.
Die Fortsetzung der Langson-Eisenbahn nach Lung-
tschou in Kwang-si wurde 1894 dem Betrieb über-
geben. - Vgl. noch Famin, ^u ^onkw 6t 8ur Ia
^ i'ronUi'i'6 äu X>vllNZ-3i (Par. 1895).
! Torgelow, Dorf im Kreis ückermünde des
preuß. Neg.-Bez. Stettin, an der ücker und der
Nebenlinie Iatznick-Ückermünde der Prcuß. Staats-
> bahnen, hat (1895) 3903 E., Post, Telegraph, Ober-
försterei, evang. Kirche; Eifengießereien.
, ^ Torpedo. ImI. 1896 hat der österr. Ingenieur
, L. Obry eine Erfindung zur Steuerung der White-
, headtorpedos in. Bezug auf die Seitenrichtung ge-
, macht, die die Treffsicherheit dieser Waffe wesentlich
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