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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Yersin – Zahn

Yersin (spr. järrsäng), Alexandre, franz. Gelehrter und Arzt, geb. 22. Sept. 1863 zu Rougemont (Schweiz), studierte in Lausanne und Marburg, kam 1885 nach Paris, wo er mit Roux (s. d.) zusammen arbeitete. 1888 wurde er Präparator für technische Mikrobie am Institut Pasteur. Diese Stelle gab er jedoch wieder auf und ging als Schiffsarzt nach Saigon, wo er in das Kolonialsanitätswesen eintrat. Er wurde mit Missionen betraut, durchzog Tongking, Annam, China, Laos und entdeckte 1894 den Erreger der Bubonenpest. Zum Marinearzt zweiter Klasse befördert, kehrte er 1895 nach Paris zurück, wo er Tiere mit dem Pestbacillus immunisierte und das Pestserum bereitete, das er 1896 in Amoy und Kanton mit Erfolg anwandte. Von der chines. Regierung wurde er darauf beauftragt, in Kanton eine Filiale des Instituts Pasteur zu errichten. Außer den Arbeiten über Beulenpest hat er über Tuberkulose experimentell gearbeitet und mit Roux das Diphtherietoxin dargestellt. Y.s Arbeiten sind in den «Annales de l’Institut Pasteur» erschienen.

*Young, Edward, starb 4. Nov. 1896 in Hastings.

Younghusband (spr. jönghösbänd), Frank E., Kapitän im Indian-Staff-Corps und bekannt durch seine Reisen in Innerasien, geb. 1863, unternahm 1886 mit seinem Landsmann James eine Reise durch die Mandschurei. 1887 ging dann Y. von Peking über Kalgan, Kuku-choto, quer durch die Wüste Gobi zum Altai, dann durch die Wüstensteppen der Dsungarei nach Hami, weiter über Turfan, Karaschar und Kaschgar nach Jarkand und von hierin südl. Richtung über den alten Mustaghpaß am zweithöchsten Gipfel der Erde vorüber nach Baltistan und Kaschmir und erreichte 4. Nov. 1887 Rawalpindi in Indien. In den J. 1889–91 unternahm Y. wiederholt Reisen in das Pamirhochland und dessen östl. Vorlande, wodurch er dessen Kenntnis ganz bedeutend förderte. Bei der nordsüdl. Durchquerung des Sarikol, der ↔ östlichsten Hauptkette des Pamir, machte er die wichtige Entdeckung, daß der von Kapitän Trotter 1875 von Kaschgar und von Taschkurgan gesichtete Kulminationspunkt, der 7860 m hohe Tagharma, aus zwei vollständig getrennten, fast gleichhohen Bergmassivs besteht. In den letzten Jahren war Y. in Tschitral vielfach auch politisch thätig. Die Londoner Geographische Gesellschaft verlieh Y. ihre goldene Medaille. Eine zusammenhängende Beschreibung seiner über zehn Jahre sich erstreckenden Reisen giebt Y. in «The heart of a continent. A narrative of travels in Manchuria, across the Gobi desert, through the Himalayas, the Pamirs and Chitral 1884–94» (Lond. 1896); mit seinem Bruder schrieb er «The relief of Chitral» (ebd. 1895).

Yrsa, der 351. Planetoid.

Ysaye, Eugène, Violinvirtuos, geb. 16. Juli 1858 in Lüttich, studierte auf dem Konservatorium seiner Vaterstadt, später bei Henri Wieniawski in Brüssel und 1875–78 bei Henri Vieuxtemps in Paris. Dann machte er große Konzertreisen durch Deutschland, Schweden, Norwegen, Rußland, Frankreich, Italien, die Niederlande, England und Nordamerika (1894). Bis 1881 hatte Y. seinen Wohnsitz in Berlin. Seit 1886 ist er Professor am königl. Konservatorium in Brüssel. Hier gründete er 1891 eine Quartettgesellschaft besonders zur Pflege der modernen Kammermusik und 1895 die von ihm geleitete «Société symphonique» für moderne sinfonische Musik, Oratorien u.s.w. Y. ist einer der bedeutendsten Geiger der Gegenwart, besonders ausgezeichnet durch warmen Ausdruck, und hat für sein Instrument mehrere Kompositionen veröffentlicht. – Sein Bruder, Théophile Y., geb. 5. März 1865 in Verviers (Belgien), ist als Pianist und Komponist bekannt. Er wirkte 1889–96 in Genf als Klavierlehrer an der Musikakademie und lebt seitdem in Brüssel.

Yukon, Distrikt, s. Canada.

Z.

Zaberbahn, schmalspurige württemb. Staatsbahn von Lauffen a. Neckar über Brackenheim nach Güglingen (11,9 km), wurde 29. Aug. 1896 eröffnet.

Zaborowo, Dorf im Kreis Lissa des preuß. Reg.-Bez. Posen, hat (1895) 896 E., darunter 356 Katholiken, Postagentur, Telegraph und eine evang. Kirche. Z. wurde 1644 von evang. Schlesiern gegründet und war bis 1892 Stadt.

Zählmaschine, s. Statistische Maschinen.

Zahn, Adolf Johannes Kleophas, reform. Theolog strenger Richtung, geb. 28. Sept. 1834 zu Mützenow bei Stolp, studierte in Halle und Tübingen, wurde 1860 dritter Domprediger in Halle, 1876 Pfarrer der niederländ.-reform. Gemeinde zu Elberfeld, 1881 Pfarrer der reform. Gemeinde in Stuttgart. Im Winter 1895 hielt er in Tübingen Vorlesungen, um auf die Studenten in konfessionellem Sinne zu wirken. Z. schrieb unter anderm: «Gutes Recht des reform. Bekenntnisses in Anhalt» (Elberf. 1866), «Wanderung durch die Heilige Schrift» (Halle 1869), «Kriegspredigten» (ebd. 1870), «Einfluß der reform. Kirche auf Preußens Größe» (ebd. 1871), «Das Gesetz Gottes nach der Lehre und Erfahrung des Paulus» (ebd. 1876; 2. Aufl. 1892), «Die Ursachen des Niedergangs der reform. Kirche in Deutschland» (Barm. 1881), «Predigten» (ebd. 1886), «Abriß einer Geschichte der evang. Kirche auf dem europ. Festland im 19. Jahrh. » (Stuttg. 1886; 3. Aufl. 1893), «Betrachtungen über das 12. Kapitel des Römerbriefs» (ebd. 1889), «Abriß einer Geschichte der evang. Kirche in Amerika im 19. Jahrh.» (ebd. 1889), «Das Deuteronomium. Eine Schutzschrift wider das moderne kritische Unwesen» (Gütersloh 1890), «Abriß einer Geschichte der evang. Kirche im brit. Weltreich» (Stuttg. 1891), «Wanderung durch Schrift und Geschichte» (Gütersloh 1891), «Landschaftliche Bilder aus der Umgebung von Stuttgart» (4. Aufl., Stuttg. 1891; Neue Folge 1894), «Ernste Blicke in das Wesen der modernen Kritik» (Gütersloh 1893; Neue Folge 1894), «Was lehrt man gegenwärtig in Halle über das Alte Testament?» (ebd. l 1894), «Studien über Joh. Calvin» (ebd. 1894), «Socialdemokratie und Theologie» (ebd. 1895), «Israel. und jüd. Geschichte» (ebd. 1895), «Die beiden letzten Lebensjahre Calvins» (Lpz. 1895), «Ein Winter in Tübingen» (Stuttg. 1896). Auch gab Z.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 1034.