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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Alfenid; Algarobilla; Algiermetall; Alizari; Alizarin

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Alfenid - Alizarin

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Alfa'

in England und Spanien. Die Faser wird nicht aus dem Halme, sondern aus den nicht flächenförmigen, sondern cylindrisch gestalteten Blättern gewonnen. Die Faser ist grüngelblich glanzlos, rauh im Anfühlen und im Vergleiche mit den gewöhnlichen Spinnfasern steif. Die A. ist zollfrei.

Alfenid (fr. Alfenide, engl. Argentan); Legierungen aus Kupfer, Zink und Nickel, also eine Art Neusilber; die nickelreicheren besitzen eine sehr schöne weiße Farbe, die nickelärmeren werden gewöhnlich galvanisch versilbert; man fertigt daraus allerlei Gerätschaften. Einfuhrzoll: S. Tarif im Anh. Nr. 19 a (zollfrei). Waren daraus: feine Nr. 19 d 3.; andere Nr. 19 d 2.; versilberte Nr. 20 b 1.

Algarobilla (Algarovilla); die Hülsenfrucht eines im sandigen trockenen Norden Chile's und auch in Kolumbien vorkommenden Strauches, Inga Marthae; sie enthält kleine, linsenförmige, schwärzliche Bohnen. Die Ware kommt in Säcken von circa 75 k und wird ihres hohen Gerbsäuregehaltes (bis zu 70%) wegen zum Schwarzfärben und zur Tintenfabrikation verwendet. - Zollfrei.

Algiermetall ist eine weißglänzende, ziemlich leicht schmelzbare und sehr gußfähige Legierung, aus 94,5% Zinn, 5% Kupfer und 0,5 Antimon bestehend, oder auch nur aus 7 Teilen Zinn und 1 Teil Antimon; wird zu Tischglocken, Klingeln u. s. w. verarbeitet - Zoll: S. Tarif im Anh. Nr. 19 a und d 2 u. 3. Zu vergl. Alfenid.

Alizari (Lizari); die orientalische Krappwurzel, von Rubia peregrina abstammend, die im Orient angebaut wird. - Zollfrei.

Alizarin (Krapproth, Lizarinsäure); ein aus der Krappwurzel darstellbarer roter Farbstoff, der jetzt auf künstlichem Wege aus einem Bestandteil des Steinkohlentheers in sehr bedeutenden Mengen fabrikmäßig dargestellt wird. Man hatte zwar auch schon vor der 1868 erfolgten Entdeckung des künstlichen A. diesen Farbstoff, aus der Wurzel dargestellt, in den Handel gebracht, doch hat derselbe eine große Bedeutung nie erlangt, da der Preis zu hoch und das Präparat nicht rein genug war. Man erhielt nur 3% der Wurzel an Ausbeute, das Präparat war eine schwärzlichgrüne harzartige Masse und wurde grünes Alizarin genannt. Das jetzt in den Handel kommende künstliche A. ist zwar auch nicht chemisch rein, aber doch bedeutend reiner als das sogenannte grüne A.; man kann überdies aus diesem künstlichen Roh-A. des Handels leicht chemisch reines A. in beliebiger Menge darstellen. In der Krappwurzel ist das A. auch nur zum kleineren Teile fertig gebildet enthalten, der größere Teil entsteht erst bei der Behandlung des Krapps mit Säuren oder bei der Gärung desselben aus einem Glucoside, welches Schunk Rubian und Rochleder Ruberythrinsäure nannte (vergl. Krapp.). Zur Fabrikation des künstlichen A. benutzt man das Anthracen (s. d.) des Steinkohlentheers; dasselbe muß zunächst gereinigt werden, da die rohe Ware nur 50 bis 60% reines Anthracen enthält; es geschieht dies, indem man das Roh-Anthracen schmilzt, bis nahezu 200° C. erhitzt ↔ und dann einen überhitzten Dampfstrom von 220 bis 240° C. darauf einwirken läßt; die Dämpfe des sich hierbei verflüchtigenden A. werden in einer großen Kondensationskammer, in welche zugleich noch kaltes Wasser eingespritzt wird, verdichtet. Das A. wird dann durch Behandlung mit doppelchromsaurem Kali und Schwefelsäure in Anthrachinon übergeführt; dieses verwandelt man durch Erhitzen mit Schwefelsäureanhydrit bis auf 160° C. in Antrachinonmonosulfosäure, welche mit Natronlauge neutralisiert wird. Das anthrachinonmonosulfosaure Natron scheidet sich hierbei in weißen Kristallblättchen vollständig aus, während die über den Kristallen stehende Mutterlauge das gleichzeitig gebildete anthrachinondisulfosaure Natron enthält. Letzteres Salz verarbeitet man auf Alizarin-Gelbstich (ein noch Purpurin enthaltendes A.), während das Salz der Monosulfosäure Alizarin-Blaustich liefert, d. i. ein A., welches fast ganz frei von Purpurin ist. Die Überführung dieser Sulfosalze in A. geschieht durch Zusammenschmelzen mit Ätznatron bei einer 190° C. nicht überschreitenden Temperatur. Die geschmolzene Masse wird mit heißem Wasser ausgewaschen und das A. aus seiner Verbindung mit Natron durch eine Säure ausgefüllt. Man erhält es dann als gelben, flockigen Niederschlag, der nach dem Auswaschen in Teigform in den Handel gebracht wird. Nach einem abgekürzten Verfahren stellt man jetzt das A. auch dadurch her, daß man das Anthracen mittelst Schwefelsäureanhydrit in Antracensulfosäure umwandelt, mit Natron neutralisiert und dieses Salz trocken mit Ätzkali bis auf 250° erhitzt; durch Zusatz einer Säure zur wässrigen Lösung der Schmelze wird das A. abgeschieden. - Im Handel erhält man das A. teils als 10 prozentige, teils als 20 prozentige Paste (Teigform). Chemischreines A. erscheint in langen, glänzenden, durchsichtigen, dunkelgelben Kristallen, die bei 100° ihr Kristallwasser verlieren und dadurch undurchsichtig und rot werden; zwischen 215 und 225° C. schmilzt das A. und sublimiert dann größtenteils unzersetzt. Seiner chemischen Konstitution nach ist das A. als Bioxyanthrachinon zu betrachten. In kaltem Wasser ist das A. nur sehr wenig löslich, leicht löslich ist es dagegen in heißem Alkohol, in Holzgeist, Äther und Eisessig; diese Lösungen besitzen eine gelbe Farbe; in Alkalilaugen löst es sich dagegen mit blauvioletter Farbe. Verwendung findet das A. in der Färberei und Zeugdruckerei in sehr bedeutenden Mengen. Nach den Angaben der badischen Anilin- und Sodafabrik war der Verbrauch von künstlichen A. schon 1878 um circa 50% größer als jemals die Gesamtproduktion des natürlichen Alizarins und Purpurins in Form von Krapp war und wurde schon damals die tägliche Produktion von künstlichem A., als 10 prozentige Paste berechnet, in Europa auf 25000 k geschätzt. Dabei ist der Preis beträchtlich heruntergegangen von 12 Mk. pro k im März 1873 auf 2,30 Mk. im Januar 1878; ein Preis, der bedeutend niedriger ist, als der, den dieser Farbstoff in Form von Krapp je gehabt

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 11.