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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Ameisensäure; Amethyst; Ammoniak

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Ameisensäure - Ammoniak

Ameisensäure (Formylsäure, lat. acidum formicicum, franz. acide formique, engl. formic acid.); starke organische Säure, hat ihren Namen von den Ameisen erhalten, in welchen sie zuerst entdeckt wurde; sie ist im Tierreiche und auch im Pflanzenreiche ziemlich verbreitet, wird aber jetzt gewöhnlich künstlich hergestellt durch Destillation von Stärke oder Zucker mit Braunstein und verdünnter Schwefelsäure oder durch Erhitzen von Oxalsäure mit Glycerin. Nur in Apotheken destilliert man noch direkt Ameisen mit Wasser und Alkohol und erhält so eine verdünnte alkoholische Ameisensäure, die als Ameisenspiritus (Spiritus formicarum) verkauft wird. Die nach den angegebenen Methoden dargestellte Säure ist noch unrein und sehr wasserhaltig, muß daher noch weiter gereinigt und durch Binden an Basen und Destillation der so gewonnenen Salze mit Schwefelsäure verstärkt werden. Ganz reines Ameisensäurehydrat (die stärkste Säure) wird selten verwendet, sie hat ein spezifisches Gewicht von 1,200 bei 15° C.; außer diesem hat man im Handel noch zwei schwächere, wasserhaltige Säuren von 1,120 und 1,060 spez. Gewicht, die für die meisten Zwecke genügen. Die A. ist eine farblose, stechende sauer riechende Flüssigkeit, die, auf die Haut gebracht, sehr ätzend wirkt; die stärkste wird bei -1° C. fest; sie siedet bei 100° C. und verflüchtigt sich unzersetzt; mit Wasser mischt sie sich in allen Verhältnissen. Verwendung findet die A. nur in chemischen Laboratorien und zur Darstellung des Ameisenamyläthers. - Zollfrei.

Amethyst; bekannter Halbedelstein, eine durch einen geringen Mangangehalt violett bis blau gefärbte Varietät des Bergkristalls. Die Färbung ist zuweilen nur ganz blaß, zuweilen auch sehr intensiv und sind solche Steine mit intensiver Färbung, namentlich wenn dieselbe eine gleichmäßige ist, die gesuchteren. Die schönsten und größten A. kommen aus der argentinischen Republik, nächstdem liefern Ceylon, Ostindien, Ungarn, Spanien, Tyrol, Sachsen und Schlesien A. Derselbe wird zu Schmucksteinen geschliffen, die bei der Fassung zur Erhöhung ihrer Farbe gewöhnlich mit Folie unterlegt werden. Haaramethyste heißen solche Steine, welche haarförmige Kristalle von Strahlstein, Rutil u. s. w. eingeschlossen enthalten. Von Nachahmungen durch gefärbtes Glas unterscheidet sich der A. durch seine größere Härte. Unter dem Namen orientalischer Amethyst ist ein violetter Saphir bekannt, der höheren Glanz und größere Härte besitzt als der A. - Roher A. ist zollfrei; Amethystwaaren siehe Achatwaaren.

Ammoniak (flüchtiges Alkali); ein nur aus Stickstoff und Wasserstoff bestehendes, farbloses höchst stechend riechendes, die Augen zum Thränen reizendes Gas, welches durch Abkühlung und Kompression auch in den tropfbar flüssigen und starren Zustand übergeführt werden kann. Das A. entsteht auf sehr mannichfache Weise, namentlich bei der Fäulnis stickstoffhaltiger organischer Verbindungen und bei der trockenen Destillation derselben teils für sich ↔ allein, teils gemengt mit Kalk; im letzteren Falle ist die Ausbeute eine größere. Im gasförmigen Zustande bildet das A. keinen Handelsartikel, wohl aber seine Auflösung in Wasser; das Wasser nimmt das Ammoniakgas mit großer Begierde auf (bei 10% das 670fache Volumen) und diese Flüssigkeit, welche den Geruch des Gases besitzt, bildet einen Handelsartikel; sie führt die Namen: Salmiakgeist, Ätzammoniak, Ammoniakhydrat, Ammoniumoxydhydrat, kaustisches Ammoniak, Ammoniakliquor, Totenwecker (lat. Liquor Ammonii caustici, fr. Ammoniaque caustique ou liquide, esprit de sei ammoniac; engl. Sprit of sal ammoniac.) und wird dadurch gewonnen, daß man Ammoniakgas in reines Wasser leitet. Das Ammoniakgas erhält man durch Erhitzen von Ammoniaksalzen mit gebranntem Kalk, wobei die Säure derselben sich mit dem Kalk verbindet und das A. in Freiheit gesetzt wird. Man benutzt hierzu jetzt fast ausschließlich das Gaswasser der Leuchtgasfabriken; dasselbe wird entweder mit Säuren gesättigt, verdampft und das so erhaltene Ammoniaksalz gereinigt und mit Kalk erhitzt, oder man treibt das Ammoniak durch Einleiten von Wasserdampf in das Gaswasser aus diesem aus, wobei man, um denjenigen Teil, der an Säuren gebunden ist, ebenfalls zu gewinnen, etwas Kalk hinzufügt. Im Handel hat man rohen und reinen Salmiakgeist, ersterer hat noch einen brenzlichen Nebengeruch und eine schwachgelbliche Farbe; letzterer ist ganz farblos und darf nach dem Neutralisieren mit Säuren keinen Geruch mehr zeigen. Der rohe Salmiakgeist (Liquor ammonii caustici crudus) wird nur für technische Zwecke verwendet; für Apotheken und chemische Laboratorien kann nur der allerreinste (Liquor ammonii caustici purissimus) benutzt werden. Außer nach dem Grade der Reinheit wird der Salmiakgeist auch noch nach seiner Stärke unterschieden, d. h. nach der Menge von Ammoniakgas, welche er verschluckt enthält. Man bestimmt die Stärke mit Hilfe des Aräometers nach Baume oder Beck. Hierbei ist jedoch zu bemerken, daß nicht, wie bei den Säuren, die schwereren Sorten die gehaltreicheren sind, sondern die leichteren; je spezifisch leichter demnach ein Salmiakgeist ist, desto reicher an A. ist derselbe. Die gangbarsten Sorten sind die von 0,960 (= 16° Bm. oder 7° Beck) 0,920 (= 22½ Bm. oder 14½° Beck) und 0,910 (= 24° Bm. oder 17° Beck) spezif. Gewicht. Die stärkste Sorte von 0,880 wird nur zum Betriebe von Eismaschinen verwendet, nur in der kalten Jahreszeit fabriziert und in Eisenblechtrommeln versendet. Die anderen Sorten verschickt man in Glasballons. Der reine Salmiakgeist muß frei von metallischen Beimengungen sein und sich, ohne Rückstand zu hinterlassen, vollständig verflüchtigen lassen. Der Salmiakgeist muss stets an kühlen Orten in gut verschlossenen Gefäßen aufbewahrt werden, denn beim Stehen an der Luft verliert er leicht einen Teil A. und zieht außerdem noch Kohlensäure aus der Luft an. Beim Erhitzen bis zum Sieden verliert er alles A. - Die Säuren werden

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 16.